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„Ein anderes Verhältnis zum Geld“ : Die Gründer von Megaupload lebten in Saus und Braus

Eines der größten Häuser des Landes: Der Wert des 20 Hektar großen Anwesens wird auf rund 30 Millionen Dollar geschätzt Bild: dapd

Luxuslimousinen, ein privater Irrgarten und ein Feuerwerk für die Wahlheimat Auckland: Die Megaupload-Gründer gaben das Geld, das sie mit ihrer Musikbörse im Internet verdienten, mit vollen Händen aus.

          3 Min.

          Nach der Festnahme der Gründer von Megaupload wird Stück für Stück deutlich, welch großes Rad die Männer an der Spitze der nun zerschlagenen Internet-Musikbörse gedreht haben. Ihr Lebensstil schwankte offenbar zwischen Extravaganz und Verschwendung: So standen vor den Toren der neuseeländischen Wirtschaftsmetropole Auckland im Garten des Anwesens der verhafteten deutschen Firmengründers Kim Schmitz - besser bekannt unter seinem Pseudonym „Kim Dotcom“ - lebensgroße Giraffenstatuen. Die riesige Hofanlage umfasste einen Irrgarten aus Hecken, einen Schwimmteich, einen Fluss und mehrere Tennisplätze. Das amerikanische FBI als Verfolgungsbehörde geht davon aus, dass die Gruppe um Schmitz die Musikbranche weltweit um rund 500 Millionen Dollar betrogen haben soll und damit 175 Millionen Dollar Gewinn machte. Die Internetseite, auf der illegal kopiertes Material erhältlich war, soll 50 Millionen Mal täglich angesteuert worden sein.

          Christoph Hein
          (che.), Wirtschaft

          Schmitz besaß angeblich 15 Mercedes-Benz, einen Lamborghini, einen Maserati Gran Cabrio und einen pinkfarbenen Cadillac. Die Polizei schätzte den Wert des Fuhrparks insgesamt auf 8 Millionen Neuseeland-Dollar oder 5 Millionen Euro. Sein Rolls-Royce trug als Nummernschild schlicht die Aufschrift „God“ (Gott), die anderen Wagen waren zugelassen unter Begriffen wie „Police“, „Hacker“, „Mafia“ oder „Stoned“ (berauscht). In der Harald-Schmidt-Show hatte Kim Schmitz einst gesagt: „Ich habe ein anderes Verhältnis zum Geld als diejenigen, die es nur anhäufen. Ich gebe es lieber aus und habe dafür eine Menge Spaß.“

          Vorwurf der „Verschwörung in großem Stil“

          Der Wert des 20 Hektar großen Anwesens bei Auckland, zu dem eines der größten Häuser des Landes gehört, wird auf rund 30 Millionen Dollar geschätzt. Schmitz hatte es 2010 kaufen wollen. Er kam aber nicht zum Zuge, weil er bei einer Untersuchung, die einen „guten Charakter bei Immigranten“ belegen sollte, durchgefallen war. So mietete er das Haus und lebte hier mit seiner Frau Mona und drei Kindern. Der Neununddreißigjährige hatte die Aufenthaltsgenehmigung erhalten, nachdem er zugesagt hatte, mindestens 10 Millionen Neuseeland-Dollar investieren zu wollen. Zum Jahreswechsel 2011 ließ er es so richtig krachen und spendierte der Hafenstadt Auckland das größte Feuerwerk ihrer Geschichte im Wert von 500.000 Neuseeland-Dollar, das er aus seinem Hubschrauber beobachtete.

          Der Eingang zur „Dotcom Mansion“: Die Polizei berichtete von extrem guten, elektronischen Sicherungssystemen, die Schmitz aktiviert habe, als er die Beamten sah Bilderstrecke
          Der Eingang zur „Dotcom Mansion“: Die Polizei berichtete von extrem guten, elektronischen Sicherungssystemen, die Schmitz aktiviert habe, als er die Beamten sah :

          Die Polizei berichtete nach der Durchsuchung des Anwesens von extrem guten, elektronischen Sicherungssystemen, die Schmitz aktiviert habe, als er die Beamten sah. Er soll sich danach in einem Sicherheitsraum des Haupthauses eingeschlossen haben. „Es reichte definitiv nicht, mal eben an die Tür zu klopfen“, sagte einer der Beamten anschließend. Im Haus seien auch zwei abgesägte Flinten gefunden worden. Schmitz war schon mehrfach unter Anklage gestellt worden, zuletzt in Thailand im Jahr 2002, wo er fünf Monate in Haft verbrachte. Schon 1994 hatte Schmitz in München drei Monate in Haft gesessen, weil er in einen Computer des Pentagon eingedrungen war.

          Die neuseeländische Polizei hat bislang vier Mitglieder einer auf sieben Mitglieder geschätzten Bande festgenommen, der sie „Verschwörung in großem Stil“ vorwirft. Neben Schmitz gehören zu den Festgenommenen die Deutschen Mathias Ortmann und Finn Batato, der für das Unternehmen als „Chief Managing Officer“ fungierte und im Internet mit den Sitzen Hongkong und München als Marketingfachmann geführt wird, sowie der Niederländer Bram van der Kolk. Drei weitere Mitarbeiter gelten als flüchtig.

          Kritik am Vorgehen Amerikas

          Jedem der Festgenommenen werden mindestens fünf Fälle von Verschwörung und Verletzung von Urheberrechten vorgeworfen. Dies könnte zu mehr als 20 Jahren Haft führen. Insgesamt sucht die Polizei in neun Ländern nach rund 20 Menschen. Durchsucht wurden außer Wohnungen und Häusern in Neuseeland auch Objekte am Unternehmenssitz in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong. Dort nahmen sich rund einhundert Zollbeamte eine Suite in einem Luxushotel vor, von der aus Megaupload gearbeitet haben soll: Sie kostet rund 100.000 Hongkong-Dollar oder 10.000 Euro täglich. Die Beamten stießen auf Hochgeschwindigkeitsserver, Bildschirme und 330 Millionen Hongkong-Dollar.

          Alle vier in Neuseeland Festgenommenen werden an diesem Montag dem Haftrichter vorgeführt, wobei es um ihre Auslieferung nach Amerika geht. Juristen erwarten, es dürfte mehr als ein Jahr dauern, bis die Beschuldigten überstellt werden. Schmitz sicherte sich inzwischen die Hilfe des amerikanischen Staranwalts Bob Bennett, der unter anderem den früheren Präsidenten Bill Clinton nach dessen Affäre mit Monica Lewinsky verteidigte und im Rahmen des Zusammenbruchs von Enron aktiv war.

          Im Internet haben sich inzwischen erste Verteidiger von Schmitz und seinem Unternehmen zu Wort gemeldet. Sie kritisieren das Vorgehen Amerikas. „Wenn die Vereinigten Staaten einen niederländischen Staatsbürger in Neuseeland wegen Copyright-Verletzungen festnehmen können, (fragen wir uns) was als Nächstes kommt“, heißt es etwa von der Electronic Frontier Foundation, die sich Redefreiheit und Freiheit im Internet auf ihre Fahren schreibt. Megaupload wandte sich auf seiner Webpage zuletzt noch gegen „grotesk überzogene“ Vorwürfe.

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