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Ei-Imperium : Die Rückkehr der Salmonellen-Paten

  • -Aktualisiert am

Anton (Mitte) und Stefan Pohlmann (rechts) im Jahr 1996 Bild: Picture-Alliance

Wer kennt noch Anton Pohlmann? Er sorgte für die größten Skandale der Tierhaltung. Nun steht sein Sohn Stefan im Fokus - aber wer weiß, wer die Fäden zieht.

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          In Velký Malahov, westliches Tschechien, sieht es fast so aus wie in der alten Heimat der Familie Pohlmann, dem Landkreis Vechta in Niedersachsen. Mais- und Stoppelfelder, eher flaches Land, riesige Tierställe. „Ceska Drubez“, tschechisches Geflügel – die Ställe dieses Unternehmens gehören zur Familie. So geht es in der freien Welt: Wenn man nicht mehr gewollt ist, geht man ins Nachbarland mit der Hühnerfarm.

          Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Und das Ei sowieso nicht weit von der Henne. Die neueste Geschichte von der Familie Pohlmann muss dem geneigten Tierfreund vorkommen wie ein Spuk. Pohlmann ist wieder in den Schlagzeilen. Schon vergessen? Pohlmann war der übelste Hähnchenmäster aller Zeiten, der in den Siebziger- bis Neunzigerjahren die Stückzahlen in die Millionen schraubte, von der mittlerweile in Europa verbotenen engmaschigen Käfighaltung nicht abließ, tonnenweise verbotene Gifte zur Stallreinigung einsetzen ließ und ab 1997 ein gerichtliches Berufsverbot für die Tierhaltung in Deutschland einkassierte.

          Vier Söhne soll der alte Anton Pohlmann haben, eine Tochter. So stand es damals in den Medien, seither blieben sie inkognito. Nur einzelne Informationen werden bekannt, wie vom tschechischen Betrieb, etwa durch die Spitzelei der Tierschutzaktivisten. Und plötzlich, an diesem Donnerstag, erscheint Stefan Pohlmann, einer der Söhne, groß auf der Seite drei der „Süddeutschen Zeitung“. Stilecht mit einem Foto aus den neunziger Jahren.

          Schmuddelig im Ei-Imperium

          Heute ist Stefan 44 Jahre alt und selbst groß im Geschäft – als Geschäftsführer der Bayern-Ei GmbH. Wohnhaft in Straubing. Auch er saß damals in Untersuchungshaft mit seinem Vater, wurde aber weitgehend entlastet. Wie jetzt weiter zu lesen ist, sei es immer noch schmuddelig bei Pohlmanns. Salmonellenvergiftungen in ganz Europa im vergangenen Sommer, die sogar zu zwei Todesfällen führten, sollen hier ihren Ursprung haben. Der Verdacht lautet: aufgrund hygienischen Laissez-faires. Die Infektionen ließen sich zu verseuchten Eiern des niederbayerischen Unternehmens aus Aiterhofen zurückverfolgen. Hunderte Menschen seien an demselben Salmonellentyp erkrankt gewesen.

          Ermittler beriefen sich auf eine Rekonstruktion der Lieferwege „und eine Art genetischer Fingerabdruck der Bakterien“. Dieser sei nahezu identisch mit den Proben, die bei der Bayern-Ei genommen wurden. Die Staatsanwaltschaft Regensburg bestätigte Ermittlungen und Durchsuchungen. Die Frage sei, was der Geschäftsführer gewusst habe. Pohlmann junior schweigt.

          Und sein Vater? Die „Süddeutsche“ vermutete, dass er sogar weiter heimlich die Fäden ziehe im Unternehmen, das rund eine Million Hühner halte. Das lässt sich trefflich vermuten, bei so einem verschwiegenen Clan mit dieser anrüchigen Geschichte. Doch tatsächlich lässt sich nur spekulieren. Sicher ist, dass er irgendwann nach dem Verkauf seines Ei-Imperiums 1996 seine Heimat verließ. In Richtung Amerika. Er wurde einer der größten Ei-Erzeuger in den Vereinigten Staaten. Nachdem er aber auch dort mit Hühnerfarmen nicht mehr gewünscht war, vermuten ihn heute die einen in Südafrika, andere in Costa Rica, andere in Indien. Alle drei Länder sind nicht für ausufernd strenge Regeln in der Hühnerhaltung bekannt. Pohlmann senior beherrscht die Kunst des Versteckspiels. Auch von ihm ist kein neueres Foto zu finden.

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