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Ferdinand Piëch ist tot : „Ein Leben für das Automobil und für die Arbeitnehmer“

  • Aktualisiert am

Ferdinand Piëch (1937-2019) Bild: AP

Der frühere VW-Vorstands- und Aufsichtsratschef, Ferdinand Piëch, ist plötzlich im Alter von 82 Jahren verstorben. Die Laufbahn des Ingenieurs, gefürchteten Managers und großen Familienmenschen war einzigartig.

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          Ferdinand Piëch, der frühere Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Witwe Piëchs, Ursula Piëch, bestätigte den Tod ihres Ehemannes. Ihr Mann sei am Sonntag „plötzlich und unerwartet verstorben“, hieß es in einer Mitteilung Ursula Piëchs, die der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend vom Anwalt der Familie, Christian Schertz, zugeschickt wurde.

          Ursula Piëch schrieb: „Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer.“ Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt, hieß es weiter. Piëch hinterlasse eine große Familie mit dreizehn Kindern und über doppelt so viele Enkelkinder.

          Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf das Rosenheimer Klinikum über Piëchs Tod berichtet. Piëch war demnach auf einer Reise nach Oberbayern, um an einer Veranstaltung teilzunehmen. Wie die Zeitung schreibt, soll Piëch am Sonntagabend in einem Rosenheimer Restaurant zu Abend gegessen haben. Der frühere Manager sei gegen 21.45 Uhr „vor den Augen seiner Ehefrau Ursula Piëch [...] unvermittelt kollabiert“.

          VW-Betriebsratschef würdigt Piëchs Leistung

          Danach wurde Piëch demnach ins Rosenheimer Klinikum geliefert, wo er starb. Nach Informationen von „Bild“ ist die Ursache seines Zusammenbruchs unklar.

          VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh hat Piëch als „großen Manager und Ingenieur“ gewürdigt. „Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung“, teilte Osterloh mit.

          „Wir als Betriebsräte waren nicht immer in allen Fragen einer Meinung mit unserem früheren Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden. Aber wir blicken mit Respekt und Achtung auf sein großes Lebenswerk“, so der Betriebsratschef weiter. „Denn mit seiner Liebe zum Produkt, seiner strategischen Weitsicht und seinem feinen Gespür für die Weiterentwicklung unserer Marken hat Ferdinand Piëch die Erfolgsgeschichte unseres Konzerns entscheidend geprägt.“

          Einzigartige Laufbahn

          Osterloh sagte, die Belegschaft danke Piëch für seinen Anteil an der Einführung der Vier-Tages-Woche und der damit verbundenen Rettung Zehntausender Arbeitsplätze bei dem Autobauer. Zudem habe der frühere VW-Patriarch 1998 die Entschädigung der damals noch lebenden Zwangsarbeiter des VW-Werks auf den Weg gebracht.

          Der 1937 in Wien geborene Ferdinand Piëch war viele Jahre der mächtige Mann im Volkswagen-Reich – dann trat er turbulent ab im Streit mit der Familie und dem Unternehmen. Sein Aktienpaket am VW-Porsche-Imperium verkaufte er.

          Die Laufbahn des Ingenieurs ist einzigartig: Er begann in den siebziger Jahren bei Porsche seine Karriere, wo er später gezwungenermaßen weichen musste, weil der damalige Porsche-Chef Ferry Porsche verfügt hatte, dass alle Familienmitglieder aus der Firma gehen mussten, da es mit ihnen nur Streit und Zwietracht gebe. Später wechselte er zu Audi. Von 1993 bis 2002 war er Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns, anschließend wechselte er in den Aufsichtsrat.

          Leben des Ferdinand Piëch: Volkswagen, Familie, Geld

          Als Aufsichtsratsvorsitzender prägte er Volkswagen über Jahrzehnte und war die bestimmende Figur im Wolfsburger Konzern. Sein größter Triumph war es, die feindliche Übernahme von VW durch Porsche zu vereiteln, den Spieß umzudrehen und am Ende doch dem Clan die Macht im integrierten Großkonzern zu sichern. Ein weiterer Erfolg: Er schaffte es, mehr als zehn Millionen Fahrzeuge in einem Jahr zu verkaufen. Er galt als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Seine Macht schien zeitweilig unbegrenzt: 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat. Piëch galt als mächtiger Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen.

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