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„Egypt Face“ : Warum Ägypten ein Konkurrenz-Netzwerk zu Facebook gründet

„Willkommen bei Egypt Face“: Konkurrenz für Facebook aus Nordafrika Bild: Screenshot Egypt Face

Facebook steckt in der Krise – und jetzt will die ägyptische Regierung dem Sozialen Netzwerk mit einer eigenen Plattform auch noch den Rang im eigenen Land ablaufen. Der Start von „Egypt Face“ hat aber noch ganz andere Gründe.

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          In Ägypten hat die Regierung eine Konkurrenz-Plattform zu Facebook gestartet: „Egypt Face“ heißt das neue Soziale Netzwerk, das an dem Tech-Giganten aus Amerika angelehnt ist. Die Benutzeroberfläche ist identisch aufgebaut: Farbe, Elemente und Funktionen könnten auch zum Original gehören.

          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Egypt Face, das unter www.egface.com genutzt werden kann, ist in Arabisch, Englisch und Französisch verfügbar. Facebook dagegen hat über 80 Sprachen zur Auswahl und kommt auf über 2 Milliarden Nutzer – für Ägyptens Kopie ein kaum einholbarer Zählerstand.

          Das Soziale Netzwerk startete, nachdem Ägyptens Kommunikationsminister Jasir al Qadi den Launch vor zwei Wochen angekündigt hatte. Wie mehrere arabische Nachrichtenseiten berichteten, hätten sich bereits „viele Nutzer“ angemeldet, wenige Stunden nach Start registrierten sich knapp 500 Mitglieder.

          Dem Minister zufolge spiele soziale Interaktion im Internet seit dem „Arabischen Frühling“ 2011 eine wichtige Rolle in Ägypten. Daher wolle der ägyptische Staat die Nutzerdaten schützen, so Qadi. Diese Absicht wird von Experten jedoch bezweifelt: Egypt Face könnte nicht nur als Kommunikationsplattform dienen, sondern auch als Instrument der ägyptischen Regierung und des Geheimdienstes missbraucht werden, um Nutzerdaten für eigene Zwecke zu sammeln. Das nordafrikanische Land unter Präsident Abd al Fattah al Sisi hat in den vergangenen Jahren immer wieder Facebook-Konten gelöscht und Nutzer verhaftet – oftmals mit dem Vorwurf, dass sie gegen Staat, Armee und Polizei aufgewiegelt hätten. Laut Amnesty International verschlechtert sich die Menschenrechtssituation in dem Land zusehends; Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit werden immer mehr eingeschränkt.

          Trotz aller Kritik könnte der Zeitpunkt für den Start von Egypt Face nicht besser sein: Facebook steht im Zuge der Affäre um missbrauchte Daten von 50 Millionen Nutzern durch das britische Unternehmen Cambridge Analytica vor einem Vertrauensproblem – und muss sich von Seiten der Politik in Berlin und Washington unangenehme Fragen zu seinem Geschäftsgebahren gefallen lassen.

          Selbst in Kenia soll Cambridge Analytica die Wahlen 2017 manipuliert haben, wie der amerikanische Fernsehender „CNBC“ am Freitag berichtete. Demnach soll das Unternehmen die Wahl des amtierenden Präsidenten Kenyatta positiv beeinflusst haben.

          Ähnliche Konkurrenz-Plattformen zu Facebook gibt es auch in anderen Ländern. In Russland etwa hat sich das Portal „Vkontakt.ru“ etabliert, das 2014 über 100 Millionen Nutzer zählte. Ob Egypt Face bei den knapp 95 Millionen Ägyptern auf Wohlwollen stößt, bleibt abzuwarten.

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