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Angriff auf dm und Rossmann : Edeka startet mit eigenen Drogeriemärkten

Eine Filiale von Budnikowsky in Hamburg Bild: dpa

Der größte Lebensmittelhändler in Deutschland steigt in das Geschäft mit Hygieneprodukten ein – und will schon bald dm und Rossmann kräftig Konkurrenz machen.

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          Deutschlands größter Lebensmitteleinzelhändler Edeka will noch in diesem Jahr seine ersten Drogeriemärkte eröffnen und damit die Drogeriemarktketten Rossmann und dm herausfordern. „Wir starten erstmal mit einer handvoll Märkte“, sagte Edeka-Chef Markus Mosa am Dienstag in Hamburg bei der Vorlage der Jahresbilanz für 2017. Auf Sicht soll es dann rund 50 neue Drogeriemärkte pro Jahr geben.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Grundlage der Expansionsstrategie von Edeka ist ein gemeinsames Unternehmen mit der Hamburger Drogeriekette Budnikowsky, das vom 1. Mai an mit der Arbeit beginnen soll. Budnikowsky ist unter dem Namen „Budni“ bislang in der Region Hamburg bekannt, will aber expandieren – in einem ersten Schritt soll es vor allem nach Berlin gehen.

          Ein zentraler Punkt in der Kooperation ist die Einbeziehung von Budnikowsky in die nationale Warenbeschaffung von Edeka. Dadurch gewönne Edeka „zusätzliche drogeriemarktspezifische Kompetenz“ in den Einkaufsverhandlungen. Mosa wies darauf hin, dass sich Einkaufs- und Drogeriemärkte in Einkaufszentren oft in unmittelbarer Nachbarschaft befänden.

          „Schlecker-Umsatz direkt auf dm und Rossmann übergegangen“

          Die Ertragspotentiale, die Rossmann und dm dort hätten, will Edeka jetzt mit seiner Strategie in eigene Kassen lenken. Die Drogeriemärkte sollen eigene Geschäfte sein, die unter dem Namen Budnikowsky firmieren, auch wenn sie von Edeka betrieben werden. Die ersten Märkte wird es nach Angaben Mosas in der Edeka-Region Minden/Hannover geben.

          Der Edeka-Chef wies darauf hin, dass sich die Umsätze mit Drogerieartikeln bei den Vollsortimentern kaum verändert hätten, nachdem die Drogeriekette Schlecker nach ihrer Insolvenz aus dem Markt gegangen ist. Der Umsatz sei komplett auf dm und Rossmann übergegangen, sagte er. Deswegen sieht Mosa in eigenen Märkten Wachstumschancen für Edeka. Rossmann-Gründer und Geschäftsführer Dirk Roßmann zeigte sich jüngst bei der Vorstellung seiner Geschäftszahlen unbeeindruckt von den Edeka-Plänen. „Die werden 20 Läden aufmachen, dann werden sie sich ihre Gewinn- und Verlustrechnung anschauen und dann werden sie die richtigen Schlüsse ziehen“.

          Ungewöhnlich aggressiver Umgang zwischen Edeka und Nestlé

          Derweil kommen sich Edeka und Nestlé im Ringen um Einkaufs-Rabatte und Konditionen näher. „Wir sind zwar noch lange nicht am Ziel“, sagte Mosa. „Aber wir kommen voran und wir wollen den Streit auch beilegen.“ Es gebe ein konkretes Angebot von Nestlé, das in dieser Form jedoch noch nicht akzeptabel sei. Edeka verspüre keinen Druck, auch nicht von Kundenseite. Nestlé reagierte auf diese Äußerungen verärgert mit der Bemerkung, dass „nichts entschieden“ sei. „Die Verhandlungen mit Agecore/Edeka gehen weiter, solange nicht die entsprechenden Gegenleistungen für jeden Cent, den Nestlé gibt, von Edeka als Teil der Vereinbarung vorliegen.“

          Der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt ist nicht der einzige, mit dem sich Edeka nicht auf Anhieb einigen konnte. „Das ist für uns ein ganz normaler Prozess“, sagte Mosa. So habe Edeka zuvor auch mit Markenartiklern wie Pepsi, Mars oder L’Oréal über Rabatte und Konditionen gestritten, um die Einkaufskosten zu senken. „Wenn wir von unseren Verhandlungszielen überzeugt sind, verhandeln wir auch mit langem Atem.“ Um den Druck auf Nestlé zu erhöhen, hatte sich Edeka zuvor mit europäischen Partnern wie Intermarché, Coop Schweiz oder Colruyt verbündet. Zusammen wickeln die Mitglieder der Einkaufsallianz rund zwei Milliarden Euro Umsatz mit Nestlé ab.

          So üblich das Gefeilsche um Rabatte und Konditionen zwischen Nestlé und dem von Edeka angeführten Einkaufsklub auch sein mag, so ungewöhnlich ist der aggressive Umgang der beiden Parteien – dazu noch auf öffentlicher Bühne. Beispielsweise sei es kein guter Stil, wenn ein Lieferant ohne Zustimmung seines Kunden einen höheren Preis fordere, ohne Begründung die neue Rechnung schicke und dann erwarte, dass sie sofort bezahlt werde, lautet der aktuelle Vorwurf von Edeka. Nach diesem Vorgehen seines Stammlieferanten hätten sich Deutschlands größter Lebensmittelhändler und seine Partner entschlossen, bis zu 163 Nestle-Produkte nicht mehr zu bestellen oder aus den Regalen zu nehmen.

          52 Milliarden Euro Umsatz

          Mosa deutete an, dass der von ihm geführte Einkaufsverbund den Bestellboykott jederzeit ausweiten könnte. „Wir wären dazu in der Lage.“ Kurzfristig sei das aber nicht geplant. Der Streit wirke sich bislang auf den Umsatz von Edeka nicht aus, die Erlöse seien im ersten Quartal sogar um mehr als 5 Prozent gestiegen. Irritiert zeigte sich Mosa von dem Vorwurf, der Konflikt zeige, wie sehr sich die Marktmacht zu Lasten der Markenhersteller verschiebe. Edeka macht nach seinen Angaben 0,8 Prozent des Umsatzes beim globalen Nahrungsmittelkonzern Nestle aus, der Verbund Agecore komme zusammen auf rund 2,6 Prozent.

          Der genossenschaftliche Edeka-Verbund steigerte 2017 seine Erlöse weiter. Der Gesamtumsatz kletterte um 5,4 Prozent und überschritt mit 51,9 Milliarden Euro erstmals in der Unternehmensgeschichte die 50-Milliarden-Euro-Marke. Gut die Hälfte davon entfällt auf 3800 selbständige Kaufleute mit 5800 Märkten, die um 4,4 Prozent auf 26,3 Milliarden Euro zulegten.

          Die Discount-Tochtergesellschaft Netto erreichte ein Plus von 3,1 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro. Zusätzlichen Rückenwind habe dem Verbund die erfolgreiche Integration von 338 Filialen der zerschlagenen Handelskette Kaiser´s Tengelmann beschert, hieß es weiter. Der Konzern-Jahresüberschuss sank leicht auf 328,2 Millionen Euro. Die Zahl der Beschäftigten stieg um rund 17.700 auf insgesamt 369.300 Mitarbeiter an. Seinen Marktanteil konnte Edeka im vergangenen Jahr auf 20 Prozent steigern.

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