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Erster Händler in Deutschland : Edeka Nord belohnt Mitarbeiter mit Impf-Prämien

Folien sollen Mitarbeiter in einem Edeka in Schleswig-Holsten vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen. Bild: dpa

Edeka Nord bietet als erster Einzelhändler in Deutschland seinen Mitarbeitern eine sogenannte Impf-Prämie in Form eines Einkaufsgutscheins an. Die Wirkung solcher Anreize sind bei Forschern jedoch umstritten.

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          Edeka Nord bietet als erster Einzelhändler in Deutschland seinen Mitarbeitern eine Prämie an, wenn diese sich gegen Covid-19 impfen lassen. Das bestätigte das Unternehmen der F.A.Z. am Dienstag. Zunächst hatten die „Kieler Nachrichten“ darüber berichtet. Edeka Nord ist eine der sieben Großhandelsbetriebe des Edeka-Verbundes. Das Unternehmen beliefert Edeka-Filialen in Norddeutschland mit Waren. Zum Absatzgebiet von Edeka Nord zählen rund 670 Märkte.

          Stefanie Diemand
          Redakteurin in der Wirtschaft.
          Gustav Theile
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Impf-Prämie besteht aus einem Einkaufsgutschein in Höhe von 50 Euro. „Dies ist ein weiterer Baustein unserer Corona-Maßnahmen“, sagt eine Sprecherin von Edeka Nord. Zunächst gilt das Angebot für Mitarbeiter, die zur zweiten Prioritätengruppe zählen. Darunter fallen Menschen mit chronischer Lungenerkrankung oder auch Kontaktpersonen von Schwangeren.

          Aldi und Lidl belohnen ihre Mitarbeiter in Amerika

          Damit ist Edeka Nord das erste Einzelhandelsunternehmen, das seinen Mitarbeitern in Deutschland eine Impf-Prämie anbietet. Kürzlich wurde bekannt, dass die Discounter Lidl, Aldi sowie die Aldi-Nord-Tochtergesellschaft „Trader Joe’s“ ihre Mitarbeiter in Amerika für das Impfen belohnen. So zahlt Lidl seinen amerikanischen Mitarbeitern nach der Impfung 200 Dollar. Das Geld soll Kosten decken, die mit dem Impftermin verbunden sein können, wie etwa eine längere Anfahrt.

          Auch Aldi zahlt seinen Mitarbeitern zwei Stundenlöhne je Impfung aus. Damit sollen sich die Mitarbeiter nicht „zwischen Gehalt und Gesundheit“ entscheiden müssen, heißt es. In den deutschen Filialen von Lidl und Aldi sind solche Pläne bislang nicht bekannt.

          Welche Auswirkungen es hat, Menschen für Impfungen zu bezahlen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Erfurt, die im Februar im Fachmagazin „Journal of Medical Eth- ics“ veröffentlicht wurde, kam zum Schluss, dass Prämien die Impfbereitschaft nicht erhöhen. Dafür wurden gut 1300 Menschen in Deutschland repräsentativ befragt, ob sie sich impfen lassen würden. Ein Teil der Befragten bekam dann das Angebot, dafür eine Vergütung, die zwischen 25 und 200 Euro lag, zu erhalten. Das Ergebnis: Die Bereitschaft nahm nicht zu.

          Ganz anders das Ergebnis einer weiteren Untersuchung, die vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung veröffentlicht wurde: „Ohne Kompensation wollten sich 70 Prozent der Menschen impfen lassen“, heißt es in der Studie, bei einer Bezahlung von 100 Dollar sei dieser Wert um 4,5 Prozentpunkte gestiegen, bei 500 Dollar sogar um 13,6 Prozentpunkte. Prämien von nur 20 Dollar würden die Impfbereitschaft dagegen um 5 Prozentpunkte senken, womöglich weil das der moralischen Motivation zuwiderliefe. Für ihre Studie befragten die Forscherinnen der University of California in San Diego und des Karlsruhe Institute for Technology zwischen Dezember und Februar gut 1000 Amerikaner.

          Wie viele von den rund 4400 Edeka-Nord-Mitarbeitern unter die impfberechtigten Personen fallen und sich impfen lassen wollen, ist nicht bekannt. Der Einzelhändler will damit vor allem seiner „Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nachkommen und die Impfstrategie des Landes unterstützen“.

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