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Interview Edeka-Chef Frenk : „Wir heizen Aldi und Lidl ganz gewaltig ein“

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„Wir wollen jedes Jahr 300 neue Märkte eröffnen” Bild: Holde Schneider - F.A.Z.

Es war ein richtig großer Coup: Edeka hat sich gegen den Rivalen Rewe durchgesetzt und die Bieterschlacht um den Discounter Plus gewonnen. Edeka-Chef Frenk spricht im Interview über den neuen Großdiscounter, über Milchpreise und schizophrene Kunden.

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          Es war ein richtig großer Coup: Edeka hat sich gegen den Rivalen Rewe durchgesetzt und die Bieterschlacht um den Discounter Plus gewonnen. Edeka-Chef Alfons Frenk spricht im Interview über den neuen Großdiscounter, über Milchpreise, schizophrene Kunden.

          Herr Frenk, wer kauft bei Ihnen ein? Sie oder Ihre Frau?
          Beide gemeinsam, zweimal die Woche. Meine Frau führt das Kommando, ich schiebe den Wagen und checke den Laden – Preise, Neuheiten, Ordnung in den Regalen.

          Bei was werden Sie schwach?
          Bei den Konfitüren. Mein Favorit ist Frutissima von Schwartau: Extrem fruchtig, steht aber, das muss man wissen, im Kühlregal.

          Was zählt beim gewöhnlichen Kunden: Preis oder Qualität?
          Zu oft leider der Preis. Die Deutschen sind schizophren: Sie kaufen sich die teuersten Küchen der Welt, um dann eine Discountpizza in den Hightech-Ofen zu schieben. Das ist keine Esskultur.

          Das sagen gerade Sie?
          Bei Edeka haben wir die simple Schweinebauch-Masche nie mitgemacht. Wir setzen auf Genuss, Einkaufsfreude und die starke Qualität unseres Sortiments.

          Hinter Edeka verbirgt sich künftig aber auch der drittgrößte Discounter des Landes: Netto gehört Ihnen schon, jetzt kaufen Sie Plus – damit wagen Sie einen frontalen Angriff auf Aldi und Lidl.
          Wir werden dem Discount-Markt ganz gewaltig einheizen, da haben Sie recht. Die Kunden können sich freuen. Die neue Gesellschaft Netto Marken-Discount soll im Frühsommer mit mehr als 4100 Geschäften und elf Milliarden Euro Umsatz an den Start gehen. Das ist die größte Transaktion im Einzelhandel, die je getätigt wurde. Und es ist erst der Anfang einer großen Wachstumsgeschichte.

          Sie werden keine Plus-Filialen schließen, keine Mitarbeiter entlassen?
          Ganz im Gegenteil. Natürlich kann es hier oder dort Umstrukturierungen geben. Insgesamt aber werden wir zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen. Wir wollen jedes Jahr 300 neue Märkte eröffnen und den Umsatz schnellstmöglich ausbauen – in Milliardenhöhe.

          Wollen Sie Aldi und Lidl mit Ihrer Kampfansage nervös machen?
          Ich habe die beiden bisher nicht als nervöse Mitspieler kennengelernt.

          Wie nervös sind Sie, da die Übernahme noch vom Kartellamt genehmigt werden muss: Fürchten Sie als eh schon größter Einzelhändler Auflagen?
          Ich bin ein gelassener Mensch, das Kartellamt soll in Ruhe prüfen. Günstig aus unserer Sicht ist, dass Netto und Plus sich regional hervorragend ergänzen. Es gibt kaum Überschneidungen. Das Kartellamt hat eine Frist bis April, dann wissen wir mehr.

          Dessen Segen vorausgesetzt, wird der Name Plus dann verschwinden?
          Nein, das war Herrn Haub von Tengelmann sehr wichtig. Die Plus-Märkte übernehmen das Netto-Konzept, aber die kleinen Märkte in den Stadtzentren werden weiter Plus heißen.

          Wie hoch war der Preis, den Sie Tengelmann bezahlen?
          Natürlich hätten wir gerne ein paar Euro weniger bezahlt, aber es war ein fairer Preis.

          Ihrem Mitbieter Rewe war er zu hoch. Haben Sie sich in dem Poker um Plus nach oben treiben lassen?
          Wir tun nie etwas Unvernünftiges. Wir hatten ja einige Trümpfe in der Hand. Die Familie Haub behält nicht einfach 30 Prozent an Plus, sondern wird mit 30 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Zudem haben wir eine Einkaufskooperation für Edeka und die Kaiser’s Tengelmann-Geschäfte vereinbart.

          Haben Sie keine Angst, das Edeka-Image durch die Verbindung mit dem Discounter zu schädigen?
          Nein, wir grenzen Edeka ganz aktiv vom Discount-Geschäft ab, setzen noch mehr auf Frischwaren und Markenprodukte und werden bis 2010 weitere 500 Supermärkte an selbständige Unternehmer übertragen.

          Wo verdienen Sie mehr: im Discounter oder im gutbestückten Supermarkt?
          Bei uns sind beide Konzepte profitabel. Die Edeka-Gruppe erwirtschaftet eine Rendite von 3,5 Prozent vom Umsatz.

          Ist das auch die Vorgabe für Plus? Der Filialist macht in diesem Jahr angeblich Verluste.
          Das operative Ergebnis von Plus ist schwarz. Wir arbeiten natürlich auf die 3,5 Prozent hin, die wir bei Netto bereits haben. Und das soll nicht als Obergrenze verstanden werden. Wir wollen darüber hinaus. Das mag allerdings ein, zwei Jahre dauern.

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