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Steeldrums : Eckhard Schulz stellt sie noch her

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Eckhard Schulz verwandelt Ölfässer in Instrumente. Bild: ECS Steeldrums

Der Dortmunder ist ein Urgestein des Instrumentenbaus. Er erzählt, wie es dazu kam, dass er Steeldrums baut und die inzwischen so angesagten Handpans.

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          Die Steeldrum oder Steelpan ist das Nationalinstrument Trinidads. Erfunden wurde sie in den dreißiger Jahren. Die britischen Kolonialherren hatten den Bewohnern das Spielen auf afrikanischen Trommeln untersagt. Diese fanden jedoch einen Weg, Musik zu machen. Im Land gab es eine große Erdölproduktion – man baute alte Ölfässer zu Instrumenten um.

          In Deutschland gibt es nur noch einen Hersteller, der die melodisch klingenden Instrumente herstellt: Eckhard C. Schulz aus Dortmund. Andere Produzenten gibt es in der Schweiz und in England. Er habe schon 25.000 Instrumente mit der Hand gebaut, sagt Schulz, darunter Steeldrums und Handpans.

          Die meisten seien allerdings Kid-Drums gewesen, von denen er rund 20.000 verkauft habe. Er hat sie aber nicht mehr im Sortiment. Steeldrums werden mit Sticks und Handpans mit der Hand gespielt. Frühere Hersteller von Steeldrums hätten sich für Handpans entschieden, die derzeit sehr im Trend lägen, sagt Schulz.

          Ein Blechdeckel, der ihm gefiel

          Die erste Steeldrum sah er vor rund vierzig Jahren auf einer Party. Es war nur ein verformter Blechdeckel – der ihm sehr gefiel. 1985 gründete Schulz dann E.C.S. Steeldrums. Er habe das Instrument jahrelang selbst gespielt, jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr. „Wer so lange gearbeitet hat wie ich, kann nicht mehr so schnell schlagen.“ Die Schnelligkeit und die Muskeln seien wichtig beim Spielen. „Was mich von den anderen Pan-Bauern unterscheidet, ist, dass ich durch das Spielen talentierter und besser beim Bau geworden bin. Es gibt Pan-Bauer, die ihre Instrumente nicht mal selbst spielen können.“

          Die Preise der Steeldrums reichen von 1100 bis 2200 Euro. Für den Bau braucht Schulz nur ein Ölfass und Werkzeuge. Das Fass kostet rund 50 Euro. „Die Mühe macht das Geld“, sagt Schulz. Im Monat verkaufe man etwa zehn Instrumente. Der Betrieb mit zwei und bald drei Mitarbeitern erziele einen monatlichen Umsatz von rund 16.000 Euro.

          „Ich verkaufe keine billigen Dinger. Alle meine Instrumente sind in professioneller Handarbeit gemacht und ihren Preis zu 100 Prozent wert.“ Er gebe „nichts raus, das nicht ewig hält“. Man könne gut davon leben „und ich bin gesund und munter mit 73 Jahren“. Das Steeldrum-Geschäft laufe gerade sehr gut.

          Auch in der Musiktherapie

          1945 soll die erste Steel-Band in Trinidad und Tobago aufgetreten sein. Sie soll „God Save the King“ als erstes Lied gespielt haben. Heute gebe es allein in Dortmund mehr als 300 Steeldrum-Spieler, berichtet Schulz. Das Instrument wird auch in der Musiktherapie und der Musikpädagogik eingesetzt.

          Schulz verkauft zur Hälfte Steeldrums und zur Hälfte Handpans. Das Grundprinzip der Erarbeitung von Handpans und Steeldrums sei gleich. Beide bestehen aus Blech. Jedoch sind Handpans konvex und Steeldrums konkav. Ein großes rundes Stück Blech wird sehr dünn geformt und dann entweder nach außen (Handpan) oder nach innen (Steeldrum) gewölbt.

          Die Ölfässer stellt das Unternehmen Siepe her; es baut Einzelstücke für Schulz. Zunächst wird das Fass streckgezogen. Dann werden die unterschiedlich großen Tonfelder eingezeichnet und geformt. Danach werden sie graviert, und das ganze Instrument wird ausgeglättet.

          Töne nach eigenen Vorstellungen

          Es sei schon schwer, das Blech beim Glätten nicht zum Reißen zu bringen, aber das Schwierigste sei es, die Töne nach den eigenen Vorstellungen erklingen zu lassen, sagt Schulz, der sich alles zum Bau der Instrumente selbst beigebracht hat. Er probiert zuerst Töne auf dem Klavier aus; dann produziert er eine Steelpan, die die Töne genauso erklingen lässt.

          Seine Kunden kommen aus ganz Europa. Schulz hat die größte Pan der Welt gebaut; sie befindet sich auf dem Gelände eines Klinikzentrums im norwegischen Trondheim. Die beiden Becken mit 115 Zentimeter Durchmesser stehen auf vier Meter hohen Säulen und werden mit Wasser beschossen, um den karibischen Klang zu erzeugen. Nun will Schulz eine Pan bauen, die einen Durchmesser von 3 Metern hat.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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