https://www.faz.net/-gqe-8v03q

Wincor Nixdorf : Dieser Manager greift nochmal ab

Eckard Heidloff im November 2014 in Düsseldorf Bild: dpa

Die Übernahme durch einen Konkurrenten war schon angelaufen, da verlängerte Wincor Nixdorf den Vertrag des Chefs bis 2019. Nun geht er vorzeitig: mit 4 Millionen Euro Abfindung.

          3 Min.

          Der langjährige Chef des Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf (jetzt Diebold Nixdorf), Eckard Heidloff, tritt nach der Übernahme durch Diebold mit einer millionenschweren Abfindung ab. Ein Unternehmenssprecher bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung eine entsprechende Kalkulation auf Basis von Dokumenten an die amerikanische Börsenaufsicht SEC und des Vergütungsberichts. Im Kern geht es um beinahe zwei Jahresgehälter. Heidloff stehe eine Abfindung zu, die „etwa 4,3 Millionen Euro in Summe“ betrage, teilte das Unternehmen mit.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was an der Abfindung auffällt, ist nicht nur die Höhe. Vor allem die Umstände, wie die Ansprüche zustande kommen, dürfte Wasser auf die Mühlen jener sein, die Kritik an Managergehältern äußern - oder gleich an der Wirtschaftsordnung. Denn Wincor Nixdorf und Diebold hatten im Oktober 2015 bekanntgegeben, dass Diebold den Paderborner Konkurrenten übernehmen wolle. Im Februar vergangenen Jahres leiteten die Amerikaner die Übernahme ein: Sie unterbreiteten den Aktionären von Wincor Nixdorf die offizielle Offerte.

          Kurz darauf, im März, gab das Unternehmen bekannt, dass der Aufsichtsrat den Vertrag Heidloffs vorzeitig bis Februar 2019 verlängere. Sein Vertrag wäre sonst im Februar dieses Jahres ausgelaufen. Die Übernahme war also ausgemachte Sache, sie sollte schon nach damaligen Plänen in der zweiten Jahreshälfte 2016 abgeschlossen sein - und dennoch bekam Heidloff zwei Jahre Laufzeit zusätzlich. Das warf damals schon Fragen auf. Das Unternehmen teilte zu jener Zeit als Begründung mit, die Wincor Nixdorf AG bestehe auch nach der Fusion weiter und benötige deshalb auch weiterhin einen Vorstand. Die Vertragsverlängerung sei deshalb ein normaler Vorgang.

          Besonders günstiger Abtrittszeitpunkt

          Die Wincor Nixdorf AG heißt inzwischen Diebold Nixdorf AG und gehört zum amerikanischen Mutterkonzern namens Diebold Nixdorf Inc. Diese Woche gaben beide einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag bekannt. Der gewährleistet den Durchgriff des Mutterkonzerns.

          Einen Tag nach dieser Bekanntgabe kam dann die Nachricht, dass Heidloff abtritt: Er beende seine Tätigkeit für das Unternehmen zum 31. März. Der 60 Jahre alte Manager gibt damit sowohl sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Diebold Nixdorf AG ab als auch die Funktion des „President“ der Diebold Nixdorf Inc. „Mit Inkrafttreten des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages ist ein weiterer entscheidender Schritt für den Zusammenschluss zu einem neuen starken Unternehmen in unserer Branche vollzogen. Es ist ein guter Zeitpunkt für die Übergabe meiner Aufgaben an Jürgen Wunram“, ließ Heidloff wissen. Wunram ist der Finanzvorstand der Diebold Nixdorf AG.

          Bemerkenswert ist nun nicht nur, dass Heidloff im vergangenen Jahr die vorzeitige Verlängerung bis 2019 bekam. Mehr noch: Der jetzige Abtrittszeitpunkt ist für ihn jetzt besonders günstig. Denn in den SEC-Dokumenten auf Grundlage der Angaben im Geschäftsbericht ist festgehalten: Wenn sein Vertrag vorzeitig beendet wird, erhält er eine Zahlung, welche die Empfehlungen des deutschen Corporate-Governance-Kodex befolgt. Der sieht vor, dass solche Zahlungen begrenzt sind auf zwei Jahresgehälter.

          Geld soll in Stiftung fließen

          Nun ist Heidloff also so lange geblieben, dass er diese Grenze soeben ausschöpft, er tritt beinahe zwei Jahre - nämlich 23 Monate - vor Ende seines neuen Vertrages ab. Heidloff hatte im vergangenen Geschäftsjahr Einkommen inklusive kurz- und langfristiger Vergütungen von insgesamt 2,25 Millionen Euro. Darin sind Nebenleistungen enthalten, zum Beispiel, dass er einen Firmenwagen zur Verfügung gestellt bekam. Hieraus und aus der Restlaufzeit des Vertrags errechnet sich seine gesamte Auszahlung. „Daraus ergibt sich, dass ihm eine Abfindung in Höhe von 23/12 des Zieleinkommens zusteht“, teilte das Unternehmen mit. „Dieses sind etwa 4,3 Millionen Euro in Summe.“

          Heidloff nehme den Anspruch wahr, hieß es weiter. Zugleich ließ der Manager wissen, er werde eine gemeinnützige Stiftung einrichten, in die er die ihm zustehende Zahlung einbringen werde. Dies dürfte den Unmut über Heidloffs Zahlung mildern. Fakt bleibt: Der Aufsichtsrat hat Regelungen zugelassen, die bedeuten, dass das Unternehmen Heidloff jetzt die genannte Summe auszahlt.

          Das Ganze spielt sich vor dem Hintergrund der politischen Diskussion um Managergehälter ab. Im Bundestag lieferten sich die Parteien am Freitag einen Schlagabtausch über die Bezahlung von Deutschlands Konzernlenkern. Die Grünen hatten einen Gesetzesvorschlag zur Abstimmung vorgelegt, der die steuerliche Absetzbarkeit hoher Gehälter für Unternehmen begrenzen soll.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Notstand ausgerufen : In Venedig wächst die Wut

          Mehr als 80 Prozent der Stadt stehen zwischenzeitlich unter Wasser, die Bewohner sind entsetzt – und sauer auf die Politik: Diese gibt zwar jetzt Millionen Soforthilfe, habe beim Hochwasserschutz aber komplett versagt und stattdessen rücksichtslos den Tourismus gefördert.

          Altmunition im Meer : Sprengstoff im Fisch

          1,6 Millionen Tonnen Munitions- und Sprengstoffreste werden in der deutschen Nord- und Ostsee vermutet. Sie lösen sich langsam auf – und belasten schon jetzt stellenweise Tiere und Pflanzen.
          Der Stoff, aus dem sich viel mehr als eine leckere Suppe kochen lässt: Hokkaido-Kürbis

          Leckeres aus Kürbis kochen : Hitze tut ihm richtig gut

          Die Kürbissaison ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Aber was anstellen mit den Riesenbeeren? Köche sagen: in den Ofen schieben. Wir stellen ein Rezept von Johann Lafer vor und eines, das auf Paul Bocuse zurückgeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.