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Ebay-Mitarbeiter vor Gericht : Kakerlaken mit der Post

Bestreitet Verwicklungen: der ehemalige Ebay-Chef Devin Wenig Bild: AFP

Sechs frühere Ebay-Mitarbeiter sollen kritische Blogger terrorisiert haben – nun stehen sie vor Gericht. Auch der ehemalige Chef des Online-Marktplatzes sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert.

          2 Min.

          Die Vorwürfe sind ungeheuerlich: Sechs frühere Mitarbeiter von Ebay sollen zwei unliebsame Betreiber einer kritischen Online-Publikation auf verstörende Weise terrorisiert haben, zum Beispiel indem sie ihnen lebende Kakerlaken schickten. Es soll sich dabei zum Teil um ranghohe Manager des Online-Händlers gehandelt haben, die für Sicherheit im Unternehmen zuständig waren. Die sechs Mitarbeiter sind jetzt strafrechtlich angeklagt worden, ihnen drohen mehrjährige Gefängnisstrafen. Die Episode wirft auch ein wenig schmeichelhaftes Licht auf den früheren Vorstandsvorsitzenden Devin Wenig. Er wird zwar nicht direkt mit dem Komplott in Verbindung gebracht und wurde auch nicht angeklagt. Allerdings legen die Ermittler der Bundespolizei FBI nahe, dass er zumindest Stimmung gegen beide Kritiker geschürt hat.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Bei den Opfern handelt es sich um ein Ehepaar aus dem amerikanischen Bundesstaat Massachusetts, das zusammen die Online-Publikation „Ecommerce Bytes“ herausgibt. Darin ist oft kritisch über Ebay geschrieben worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die Ebay-Manager im Sommer vergangenen Jahres damit begonnen haben, das Paar auf verschiedene Arten zu belästigen. Zunächst seien „anonyme und verstörende Lieferungen“ an das Haus des Paares arrangiert worden.

          Spinnen vor der Haustür, Wanzen im Auto

          An einem Tag im August seien dort mehrere Pakete angekommen, in denen lebende Kakerlaken, Spinnen und Fliegenlarven gewesen seien. Am Tag danach sei ein Trauerkranz geliefert worden. Außerdem seien eine Halloween-Maske in der Form eines blutigen Schweinekopfes und Pornographie an das Paar geschickt worden. Die beiden hätten auch eine E-Mail bekommen, wonach ein „konservierter Schweinefötus“ geliefert werde, der allerdings dann offenbar nicht ankam. Neben diesen Lieferungen sollen die Ebay-Mitarbeiter auf Twitter in persönlichen Nachrichten und öffentlichen Einträgen damit gedroht haben, das Paar in Massachusetts aufzusuchen. Sie sollen auch geplant haben, die Adresse ihrer Opfer zu veröffentlichen.

          Zudem habe es die Überlegung gegeben, dass einer der Mitarbeiter, der früher für die Polizei gearbeitet habe, dem Paar Hilfe anbietet, die Belästigung zu stoppen. Damit sei die Hoffnung verbunden gewesen, dass das Paar eine bessere Meinung von Ebay bekomme und sich dies in der Berichterstattung niederschlage. Zu der Kampagne der Ebay-Mitarbeiter habe auch die Überwachung der Opfer gehört. Zwei der Angeklagten seien wiederholt zum Haus des Paares gefahren. Es sei sogar geplant gewesen, in die Garage einzubrechen und ein Gerät im Auto zu installieren, das den jeweiligen Standort preisgibt. Das Ehepaar habe dann allerdings die Überwachung bemerkt und die Polizei benachrichtigt, die dann Ermittlungen aufgenommen habe.

          Ebay teilte jetzt mit, von Strafverfolgungsbehörden im August 2019 über die Ermittlungen informiert worden zu sein. Das Unternehmen habe dann selbst interne Untersuchungen eingeleitet und alle Mitarbeiter entlassen. Ebay entschuldigte sich bei dem Paar und sagte, solches Verhalten werde nicht toleriert. In seinen internen Ermittlungen ist der Online-Händler nach eigenen Angaben auch der Frage nachgegangen, welche Rolle der damalige Vorstandschef Devin Wenig gespielt habe. Dabei seien keine Hinweise gefunden worden, dass er von dem Komplott gewusst oder es gar autorisiert habe, allerdings habe er „unangemessen“ kommuniziert.

          Damit sind womöglich Nachrichten gemeint, die in einer eidesstattlichen Erklärung des FBI erwähnt werden, ohne allerdings den Autor zu nennen. In der Erklärung ist nur von einem „Executive 1“ – also „Manager 1“ – die Rede, der in einer Nachricht davon gesprochen habe, die Ehefrau unschädlich zu machen („Take her down“). Medienberichten zufolge soll Wenig dies geschrieben haben. Wenig hat im September vergangenen Jahres abrupt seinen Posten als Vorstandschef verlassen. Zur Begründung hieß es damals nur vage, dies habe mit „einer Reihe von Erwägungen“ zu tun. Wenig sagte jetzt in einer Stellungnahme, er habe von den Aktionen gegen das Paar nichts gewusst und sie nicht angewiesen, er habe zudem in seiner Karriere immer Pressefreiheit verteidigt. Die Anschuldigungen seien „unerhört“.

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