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Europäische Luftfahrtbehörde : EASA sperrt europäischen Luftraum für Boeing 737 Max 8

  • Aktualisiert am

Eine Boeing 737 Max 8 der Fluglinie Air Canada landet am Heathrow International Airport in London. Bild: Picture-Alliance

Nach zahlreichen Flugverboten auf nationaler Ebene reagiert nun auch die europäische Luftfahrtbehörde und sperrt den Luftraum über Europa für die Boeing 737 Max 8 und 9. Auch einige Unternehmen ziehen erste Konsequenzen.

          Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat den europäischen Luftraum für Maschinen des Typs Boeing 737 Max gesperrt. Die Ankündigung am Dienstagabend kam nur wenige Stunden, nachdem bereits mehrere EU-Länder ihren Luftraum für die Boeing-Maschinen gesperrt hatten, darunter auch Deutschland und Großbritannien. Das Verbot, das ab 20 Uhr (MEZ) in Kraft tritt, gelte als „Vorsichtsmaßnahme“ für die Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 und Boeing 737 Max 9, erklärte die EASA. Als Grund führte die Behörde den Absturz einer Boeing 737 Max 8 am Sonntag in Äthiopien an. Dabei kamen 157 Menschen ums Leben. Ein Flugzeug des gleichen Typs war bereits im Oktober in Indonesien abgestürzt.

          Die Sperre des deutschen Luftraums für zwei Typen des Boeing-Modells 737 Max gilt für drei Monate. Bis einschließlich 12. Juni dürfe kein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 8 und Max 9 über der Bundesrepublik fliegen, erklärte die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt am Dienstagabend. Die Anordnung gelte ab 18.30 Uhr. Nur Flugzeuge, die sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch im deutschen Luftraum befänden, dürfen den Flug bis zum Ausflug beziehungsweise bis zur Landung fortsetzen.

          Auch zahlreiche Airlines legten die Maschinen wegen Zweifeln an der Sicherheit der Baureihe 737 Max bis auf Weiteres still. Damit ist inzwischen etwa die Hälfte der seit 2017 ausgelieferten rund 350 Flugzeuge aus dem Verkehr gezogen. Es drohen zahlreiche Flugausfälle. Die 737-Max-Serie ist der gefragteste Flugzeugtyp des Airbus-Rivalen. Bei andauernden Problemen könnten auch massive Umrüstungskosten und Geschäftseinbußen drohen.

          Boeing beharrt indes auf der Sicherheit der nach zwei Abstürzen innerhalb eines halben Jahres stark in die Kritik geratenen Baureihe. „Wir haben volles Vertrauen in die Sicherheit“, teilte der Konzern am Dienstag mit. Boeing verwies abermals darauf, dass die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA derzeit keine weiteren Maßnahmen fordere. In den kommenden Wochen will der Konzern jedoch ein wichtiges Software-Update für die Baureihe anbieten. Die Devise laute, „ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer machen“, versprach Boeing.

          Scheuer: „Sicherheit geht absolut vor“

          Beim Absturz einer Maschine der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines in der Nähe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba waren am Sonntag 157 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch fünf Deutsche.

          Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte dem Sender NTV: „Sicherheit geht absolut vor. Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, habe ich veranlasst, dass der deutsche Luftraum für die Boeing 737 Max ab sofort gesperrt wird.“ Die Dauer des Flugverbots hänge von der Analyse der Unfälle ab, so Scheuer. „Bis die Auswertung dieser Unfälle nicht vollständig vollzogen ist (...), ist es die richtige Entscheidung“, sagte der CSU-Politiker am Dienstag

          Deutsche Fluggesellschaften nutzen dem Verkehrsministerium zufolge keine Boeing 737 Max 8. Das weitgehende Flugverbot hat nach Einschätzung des Verbandes ADV keine allzu großen Auswirkungen auf den Betrieb an den deutschen Flughäfen. „Bei uns herrscht keine Krisenstimmung wegen dieses Fliegers“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralf Beisel. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA kündigte eine neue Bewertung der Lage an. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomber berichtet, die EASA bereite ebenfalls ein Flugverbot für die 737 Max vor.

          Der Reisekonzern TUI erklärte am Dienstag, alle Flüge des Typs 737 Max 8 würden eingestellt. TUI setzt das Modell zurzeit nur im Ausland ein, nicht in Deutschland. Ab Mitte April wollte TUI das Modell allerdings auch in Deutschland verwenden. Auch die Billigfluggesellschaft Norwegian wird ihre 18 Maschinen vorerst außer Betrieb nehmen. Ebenso stoppte die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines die Nutzung von Maschinen dieses Typs. Von diesem Mittwoch an blieben die zwölf Flugzeuge der Flotte bis aus Weiteres am Boden, teilte die türkische Fluggesellschaft am Dienstag mit. Auch die südafrikanische Comair, die Cayman Airways, die brasilianische Gol Airlines und Aeroméxico lassen die 737 MAX 8 vorerst nicht mehr starten. Die argentinische Airline Aerolíneas Argentinas setzt Flüge mit seinen fünf 737 MAX 8 ebenfalls aus. Zuvor hatten sich Piloten geweigert, mit dem Modell zu starten.

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