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EADS zückt den Taschenrechner : Bieten oder nicht bieten für den Air-Force-Auftrag?

  • Aktualisiert am

Das Pentagon ermuntert EADS, ein neues Gebot für den Air-Force-Auftrag abzugeben Bild: AFP

Im Rennen um den Milliarden-Auftrag für amerikanische Tankflugzeuge haben die Vereinigten Staaten dem europäischen Rüstungskonzern EADS eine Verlängerung der Bewerbungsfrist bis zum 9. Juli angeboten. Aber muss die Airbus-Mutter bieten?

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          Eigentlich kann EADS sich jetzt nicht mehr drücken. Washington hat dem Druck Europas nachgegeben und die Bietfrist für den Milliardenauftrag für 179 Tankflugzeuge verlängert. Der französische Staatschef Nicolas Sarkozy hatte bei seinem Amerika-Besuch erklärt, wenn Barack Obama ihm ein transparentes und loyales Auswahlverfahren garantiere, könne er „ihm versichern, dass EADS sich bewerben“ werde. Daraufhin hatte der amerikanische Präsident erklärt, das Auswahlverfahren werde „frei und fair“ sein. Kann der Airbus-Konzern da noch „nein“ sagen?

          Er kann, und er überlegt es sich. „Wir denken darüber nach“, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag. Entscheidend dürften am Ende zwei Faktoren sein: die Kosten - und nach Angaben Pariser Experten auch die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, EADS in Militärgeheimnisse einzuweihen.

          Unterstützer von Boeing kritisierten das neue Angebot des Verteidigungsministeriums heftig. Es sei empörend, dass die Washington gegenüber den Europäern eingeknickt sei, sagte der republikanische Abgeordnete Todd Tiahrt aus Kansas. In dem Bundesstaat hat Boeing ein großes Werk.

          Airbus-Chef Thomas Enders will nicht um jeden Preis bieten
          Airbus-Chef Thomas Enders will nicht um jeden Preis bieten : Bild: AFP

          Der Airbus-Konzern will sich nur als Hauptanbieter bewerben, dem alle Anforderungen offen gelegt werden. Dann kann er sich nämlich unnötige Entwicklungen sparen. Bisher war EADS Juniorpartner des amerikanischen Konzerns Northrop Grumman. Mit den Northrop-Experten konnten die Offiziere der Air Force offen über ihre Einsatzstrategien sprechen, aus denen sich die Anforderungen an die Lufttanker ergeben. Würden sie ebenso offen mit Europäern reden? Die Bereitschaft sei da, sagen Experten. Beim amerikanischen Hubschrauberprogramm sei EADS schon „prime contractor“.

          Tom Enders will kein „Dumpingangebot“ machen

          Bleiben die Kosten. Die Wirtschaftlichkeit habe Vorrang, erklärte Airbus-Chef Thomas Enders. „Ein Dumpingangebot wird es mit mir nicht geben.“ Nach den Milliarden-Mehrkosten beim Militärtransporter A400M und beim Super-Airbus A380 will Enders kein weiteres Milliardenrisiko eingehen. In der neuen Ausschreibung spielt der Preis aber die entscheidende Rolle. Denn Washington ist wegen der Finanzkrise und der teuren Kriege in Mittelasien klamm und 35 Milliarden Dollar sind auch für die Vereinigten Staaten kein Pappenstiel.

          Bisher war klar: Boeings Tanker ist kleiner und hat schlechtere Frachtereigenschaften als der Airbus-Tanker, ist dafür aber deutlich billiger. EADS hat also unter dem Preisaspekt keine Chance. Doch Boeing hat sein auf der alten 767 basierendes Modell technisch aufgepeppt. Der Tanker bekommt Elektronik aus dem 787-Zeitalter und neue Betankungsbäume. Er wird damit aber auch deutlich teurer. EADS muss dagegen die A330-MRTT kaum verändern, die bereits in mehrere Staaten verkauft wurde. Außerdem fiele der Gewinnanteil für Northrop Grumman weg.

          Strategisch über das Geschäft hinaus

          Es lohne sich also für EADS, den Taschenrechner rauszuholen und alle Kosten noch einmal durchzugehen, meinen Experten. Zumal der Auftrag über das eigentliche Geschäft hinaus strategisch wichtig wäre. EADS will für die Tanker nämlich ein eigenes Werk in den Vereinigten Staaten bauen und dort gleich auch die A330-Frachter fertigen. Damit hätte der Konzern einen großen Schritt in den Dollarraum getan, der von Währungsschwankungen unabhängiger macht. Und er hätte seine Position als „heimischer“ Hersteller in den Vereinigten Staaten gefestigt, was den Schutz gegen Protektionismus und die Chance auf weitere Aufträge erhöht.

          Allerdings lassen die Amerikaner den Europäern wenig Zeit. Statt um drei Monate wollen sie die Bietfrist nur vom 10. Mai auf den 9. Juli verlängern. Bis dahin müssten die 20.000 bis 30.000 dem amerikanischen Recht entsprechenden Seiten eingereicht sein.

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