https://www.faz.net/-gqe-u83m

EADS-Spitze : Demnächst nur noch Gallois?

  • Aktualisiert am

Bislang herrschen Enders und Gallois Seite an Seite bei EADS Bild: AP

Nach neuesten Aussagen aus der Bundesregierung scheint es nicht mehr so unwahrscheinlich, dass die Doppelspitze bei EADS abgeschafft werden könnte. Wird das Unternehmen in Zukunft nur noch von Louis Gallois geführt?

          2 Min.

          Die Bundesregierung hat sich offen für eine Abschaffung der Doppelspitze beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gezeigt. Er halte es für denkbar, dass die Struktur mit zwei Vorstandschefs durch eine gleichberechtigte Postenverteilung für deutsche und französische Manager auf den unteren Führungsebenen ersetzt werden könne, sagte der Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU), am Donnerstag im Bundestag. Derzeit wird der Airbus-Mutterkonzern vom Franzosen Louis Gallois und dem Deutschen Thomas Enders geführt, die sich den Vorstandsvorsitz teilen.

          Bei einer möglichen EADS-Kapitalerhöhung könnten die Altaktionäre nach Ansicht der Bundesregierung von einem Bezugsrecht für die neuen Aktien ausgeschlossen werden. So könne die deutsch-französische Machtbalance erhalten werden, sagte Hintze. EADS braucht nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren eine Finanzspritze von mindestens fünf Milliarden Euro. Die Tochter Airbus will für zehn Milliarden Euro das Langstreckenflugzeug A350 entwickeln.

          Strategische Fehler und schlechte Informationspolitik

          Grundsätzlich halte die Regierung eine Kapitalerhöhung aber für einen gangbaren Weg, sagte Hintze. Die Forderung des französischen Wirtschaftsministers Thierry Breton, das Kräfteverhältnis von 50:50 müsse zu Gunsten Frankreichs auf 60:40 verändert werden, wies Hintze zurück. Inzwischen hat aber das französische Finanzministerium dementiert, dass Thierry Breton eine Neugewichtung der Machtverhältnisse bei dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS überhaupt erst gefordert habe. Breton habe in einem Radio-Interview nicht gefordert, das Machtverhältnis von 50 zu 50 zwischen Frankreich und Deutschland zu Gunsten der Franzosen in 60 zu 40 zu ändern, teilte das Ministerium mit, sondern sich lediglich auf die Entstehung des Konzerns im Jahr 2000 bezogen.

          EADS : Airbus-Streit spitzt sich zu

          Der französische Staat, der anders als Deutschland direkt an EADS beteiligt ist, hatte mehrfach seine Bereitschaft signalisiert, bei einer Kapitalerhöhung seinen Anteil aufstocken zu wollen. Die EADS-Großaktionäre Daimler-Chrysler und Lagardère wollen dagegen nicht mitziehen. Frankreich kann seine Anteile gegen den Widerstand der übrigen Eigner nicht erhöhen. Dies schreibt der EADS-Aktionärspakt vor.

          Vertreter aller Parteien hielten der EADS-Konzernführung strategische Fehler und eine schlechte Informationspolitik vor. „Keiner dieser Fehler ist von den Arbeitnehmern, sondern vom Management gemacht worden“, sagte der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) kritisierte, dass der EADS-Vorstand bis heute die „innere Logik“ des Sanierungsprogramms „Power8“ nicht habe verdeutlichen können. Die Airbus-Mitarbeiter seien trotz voller Auftragsbücher verunsichert. Das Management dürfe sich keine weiteren groben Fehler leisten, sonst liege US-Konkurrent Boeing in fünf Jahren uneinholbar vorn.

          Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer (CDU), sagte, EADS habe seit 1999 Staatsaufträge von 13,5 Milliarden Euro bekommen. Der Konzern dürfe kein französisches Unternehmen werden. Die Grünen und die Linkspartei warfen EADS vor, sich auf Kosten der Beschäftigten zu sanieren. Der Linkspartei-Politiker Herbert Schui warnte die Regierung davor, sich auf den deutschen Großaktionär Daimler-Chrysler zu verlassen: „Wollen Sie so einem Konzern, der bei Fokker, Mitsubishi und Chrysler Milliarden in den Sand gesetzt hat, die deutsche Industriepolitik anvertrauen?“

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Die Zahl der Internet-Attacken nimmt zu.

          Cyber-Kriminalität : Im Netz der kaltblütigen Erpresser

          Hacker dringen mit ihren Angriffen in immer sensiblere Bereiche vor. Sie nehmen Daten als Geisel und Tote in Kauf. Treffen kann es jeden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.