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EADS-Rüstungssparte : Europäische Drohne steht vor dem Durchbruch 

  • Aktualisiert am

Maßstab für Europas Standard-Drohne: Der „Global Hawk“ des amerikanischen Herstellers Northrop Grumman Bild: AFP

Die EADS-Rüstungssparte Cassidian leidet unter knappen Wehretats. Ihr Vorstandsvorsitzender Stefan Zoller spricht mit der F.A.Z. über Chancen in Asien und die überraschende Wende im Projekt für unbemannte Flugkörper.

          Airbus will künftig in den Vereinigten Staaten produzieren, um unabhängiger von Dollarkurs-Schwankungen zu werden. Ist das ein Trend, dem auch Cassidian folgen muss?

          Bei uns ist die Situation anders gelagert als bei Airbus. Wir erzielen immer noch 80 Prozent unseres Umsatzes in Europa. Nur rund ein Fünftel setzen wir außerhalb des Euroraums um.

          Was aber kaum so bleiben wird . . .

          Unser Auftragseingang verschiebt sich schon in die Richtung, dass wir künftig mindestens 50 Prozent außerhalb Europas erlösen werden.

          Dennoch bleibt Nordamerika trotz stark schrumpfender Budgets ein wichtiger Rüstungsmarkt.

          Korrekt. Wir sind dort mit nationalen Partnern bei diversen Projekten wie Grenzsicherung, Drohnen oder Radarsystemen für Schiffe engagiert.

          Das wird nicht reichen, um die Abhängigkeit von den europäischen Auftraggebern zu verringern.

          In Europa haben wir es angesichts der angespannten Verteidigungsetats mit einer stagnierenden Entwicklung wie in Deutschland, in nicht wenigen Ländern wie Spanien und Großbritannien sogar mit sinkenden Aufträgen zu tun, selbst wenn wir im Bereich der zivilen Sicherheit wie auch in der zunehmend bedeutsamen Cyber-Sicherheit Wachstum beobachten. Wir werden Ende des Jahrzehnts uns auch so ausgerichtet haben, dass nur noch die Hälfte des Umsatzes aus dem Militärbereich kommt, der andere Teil aus der Sicherheit. Aber in anderen Regionen dieser Welt verzeichnen wir extremes Wachstum in der Verteidigung, etwa in Indien, Brasilien und Nahost.

          Auf diese Märkte ist Ihr Fokus gerichtet?

          Bei den schrumpfenden Verteidigungsbudgets in Europa können wir die Entwicklung der auch hier geforderten Technologien nicht mehr allein finanzieren. Europa wird zusammengenommen nicht mehr die Mittel haben, diese Hochtechnologien voranzutreiben, die Europa aber auch weiterhin verlangt und nachfragen wird. Das Modell hat sich geändert.

          Heißt das, die Mittel für neue Entwicklungen müssen aus den neuen Märkten kommen?

          Die Globalisierung hat auch unsere Branche erfasst. Wir können nicht nur in Europa produzieren und von hier aus in andere Länder exportieren, die dann die Rechnung zu bezahlen haben. Heute erheben die heranwachsenden, neuen mächtigen Staaten auf diesem Globus natürlich den Anspruch, Fertigung und Entwicklung auch in ihr Land zu holen. Das, was wir bisher gestemmt haben - auf nationaler oder europäischer Ebene -, schultern wir jetzt mit anderen Nationen. Und diese entwickelten Technologien machen wir ja dann wieder für Europa zugänglich.

          Mit der Neuorientierung hapert es allerdings mit Blick auf Indien: Cassidian hatte in der Ausschreibung um neue Kampfflugzeuge mit seinem Eurofighter in der ersten Vorentscheidung zugunsten des französischen Konkurrenten Rafale von Dassault das Nachsehen.

          Die Kampagne läuft weiter und ist offen. Dieser Prozess ist noch längst nicht zu Ende. Wir rechnen uns nach wie vor faire Chancen aus, weil wir ein sehr gutes Angebot abgegeben haben. Es wäre der größte Eurofighter-Auftrag. Derzeit wird das Angebot von Dassault von Regierungs- und Parlamentskommissionen geprüft. Es geht um 127 Flugzeuge mit einer Option auf die Erhöhung auf 200 Stück, mit Wartungsverträgen über Jahrzehnte, mit Technologietransfers. Das ist ein hochkomplexer Vorgang. Und es wird noch lange bis zur endgültigen Entscheidung dauern. Die Inder gehen bei der Auswahl hochprofessionell vor und ziehen das kompetent durch. Ich schließe dennoch eine neue Ausschreibung und damit einen Neubeginn des Verfahrens nicht aus.

          Das lässt vermuten, dass es in den Ausschreibungen zu Regelverstößen oder zu Unregelmäßigkeiten in den Verhandlungen gekommen ist ?

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