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Ende der Verhandlungen : EADS erhält neuen Aktionärspakt

  • Aktualisiert am

Das EADS-Tochterunternehmen Airbus baut unter anderem den A380. Bild: dpa

Frankreich und Deutschland sichern sich jeweils zwölf Prozent der EADS-Anteile, Spanien wird künftig noch vier Prozent an dem Luft- und Raumfahrtkonzern halten. Darauf haben sich die Länder geeinigt.

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          Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS erhält einen grundlegend neuen Zuschnitt seines Aktionärskreises. Am Mittwochabend einigten sich Vertreter der deutschen, französischen und spanischen Regierung mit den Industriekonzernen Daimler, Lagardère und EADS in Paris auf einen neuen Aktionärspakt. Dieser soll Frankreich und Deutschland jeweils zwölf Prozent der EADS-Anteile sichern. Spanien wird dann noch vier Prozent an dem Konzern halten. Vorgesehen ist auch, dass kein Einzelaktionär künftig mehr als 15 Prozent der Stimmen auf sich vereinen darf.

          Abgesegnet werden soll der neue Pakt auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im ersten Halbjahr 2013. Der französische Staatspräsident François Hollande lobte die Vereinbarung. Er wies darauf hin, dass der operative Sitz von EADS nach Toulouse kommen wird. Die Hauptquartiere von Astrium (Raumfahrt), Airbus (Luftfahrt) und Eurocopter (Hubschrauber) blieben zudem in Frankreich. Der Sitz von Cassidian (Rüstung) werde sich weiterhin in Deutschland befinden. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, die Bundesregierung sei überzeugt, „dass die Erfolgsgeschichte dieses bedeutenden deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekts fortgeschrieben werden kann“.

          Daimler trennt sich von 7,5 Prozent

          Die langwierigen Verhandlungen waren notwendig geworden, weil der Stuttgarter Autokonzern Daimler AG sich noch in diesem Jahr von knapp 7,5 Prozent seiner insgesamt 15 Prozent an EADS trennen will. Wie EADS mitteilte, wird die deutsche Förderbank KfW im Auftrag des Bundes aus dem Daimler-Paket 2,76 Prozent erwerben. Zudem übernimmt die KfW ein Paket von 7,44 Prozent an EADS, das bislang vom sogenannten Dedalus-Konsortium gehalten wird. Dedalus wird von der KfW, mehreren Großbanken und einigen öffentlichen Finanzinstituten gebildet. Insbesondere die privaten Banken wollen schon seit längerem aus dem EADS-Engagement aussteigen, während einige der öffentlichen Institute an Bord bleiben wollen. Ihre Aktien werden gemäß dem neuen Pakt dann dem Bund zugerechnet.

          Das Dedalus-Paket und der Direktkauf bei Daimler ergeben für Deutschland einen Anteil von 10,2 Prozent an EADS. Dies entspreche zwölf Prozent am heutigen Aktionariat, weil EADS die Zahl seiner Anteilsscheine durch ein großes Rückkaufprogramm von bis zu 15 Prozent der ausstehenden Papiere reduzieren will. Eine erste Tranche von 7,5 Prozent stehe allen Aktionären offen, eine zweite Tranche soll vor allem Lagardère nutzen können.

          Gleichgewicht zwischen Frankreich und Deutschland gewahrt

          Gemäß diesen Vereinbarungen müsste Daimler daher weitere knapp 4,7 Prozent nun rasch am Markt verkaufen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Marktbeobachter erwarten, dass Daimler die Aktien in Bälde über Nacht in einem beschleunigten Verfahren an institutionelle Investoren abgibt. Der Kaufpreis würde sich am Schlusskurs des entsprechenden Handelstages orientieren, wobei große Investoren meist einen Abschlag verlangen. Dieser Preis wäre dann auch für den Aktienerwerb der KfW maßgeblich. Wann Daimler anschließend seine restlichen 7,5 Prozent an EADS veräußert, ist noch offen. Allzu schnell dürfte das aber wohl nicht erfolgen, hieß es. Durch den neuen Pakt wird der EADS-Streubesitz von 49 auf mehr als 70 Prozent steigen.

          Mit dem neuen Pakt wird das Gleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich gewahrt, das seit der Gründung des Konzerns vor 13 Jahren immer wieder vor allem von Frankreich herausgefordert worden ist. Der politische Einfluss Frankreichs war aus der Sicht des bisherigen Großaktionärs Daimler eine „Kröte“, die anlässlich der Gründung der EADS geschluckt werden musste. Zwischenzeitliche Hoffnungen, der französische Staat könne sich zurückziehen, hatten immer wieder getrogen. Um spezielle nationale Sicherheitsinteressen Frankreichs und Deutschlands zu sichern, werden unter dem Dach der EADS künftig sogenannte „nationale Verteidigungsunternehmen“ geschaffen, die sensible militärische Programme verwalten sollen. Nach dem gescheiterten Versuch einer Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAe bleibt das Verteidigungsgeschäft der EADS in seiner Bedeutung allerdings weit hinter jener der im Unternehmen Airbus gebündelten zivilen Luftfahrt zurück. EADS stellt zudem Hubschrauber und Weltraumraketen (Ariane) her.

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