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Luft- und Raumfahrt : EADS dringt auf europäische Industriepolitik

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Airbus-Chef Enders: Wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher Bild: AFP

Der Dollar schwach, die Auslieferungsziele für den A380 verfehlt: EADS hat 2009 den stärksten Umsatzeinbruch seit dem Börsengang vor zehn Jahren verzeichnet. Jetzt erhöht der Luft- und Raumfahrtkonzern den Druck auf seine Kunden.

          Im Milliardenpoker um die Finanzierung des Militärtransporters A400M droht Airbus den sieben Kundenstaaten mit harten Konsequenzen, ohne aber offen von einem Programmabbruch zu sprechen. „Schon jetzt machen wir mit den ersten 180 Flugzeugen 2,4 Milliarden Euro Verlust“, sagte EADS-Konzernchef Louis Gallois am Dienstag in Sevilla. Dazu kämen hohe Risiken der Produktentwicklung. „Wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher.“ Bis zum Monatsende müsse es eine grundsätzliche Einigung geben. „Wir werden dann Mitte 2010 wissen, was wir tun.“

          Sollte das Flugzeug wie derzeit verabredet gebaut und finanziert werden, sei die Existenz von Airbus bedroht, sagte Airbus-Chef Thomas Enders. Diesen Weg werde er nicht mitgehen. „Wir sind bereit, den Großteil der finanziellen Lasten zu tragen“, sagte Enders. „Aber die Regierungen müssen jetzt einen beträchtlichen Beitrag leisten.“ Jeden Monat investiere Airbus mehr als 100 Millionen Euro in das Projekt. Die Chancen auf eine Einigung mit Deutschland, Frankreich und den anderen Staaten sehe er weiter bei 50:50. Gallois wollte die Erfolgschancen nicht beziffern.

          Angesichts der Dollarschwäche und des heftigen Streits über den A400M fordert EADS eine europäische Industriepolitik. Ein vereintes Europa, das seine Fähigkeiten bündele, wäre „unschlagbar“, sagte Konzernchef Gallois. „Wir sind Europäer und werden unsere Wurzeln behalten.“ Doch EADS werde „mit Sicherheit globaler“ werden. „Europa muss sicherstellen, dass die Bedingungen für die Industrie gut sind. Ich fordere eine europäische Industriepolitik.“

          Schwacher Dollar, schwieriges Jahr

          Ein großes Problem ist für EADS auch die Dollarschwäche. Der Konzern plane für 2010 mit einem Dollar, der zehn Cent billiger sei als 2009. „Wir beginnen das Jahr mit einem (rechnerischen) Ausfall von einer Milliarde Euro. Wir müssen die Abhängigkeit vom Dollarkurs senken.“ Gallois fügte hinzu: „Ich kann nur auf die G8 und die G20 dringen, auf die Wechselkurse zu fokussieren.“

          Um die Abhängigkeit vom Dollar zu senken, verlangen EADS und Airbus von europäischen Lieferanten immer mehr Verträge in Dollar. Außerdem werde mehr Produktion nach außerhalb Europas verlegt. „Wir haben keine andere Wahl“, sagte Gallois. EADS müsse drei Gleichgewichte neu austarieren: zwischen Zivil- und Militärbereich, Produktionsplattformen und Dienstleistungen sowie Europa und dem Dollarraum. Dabei habe die Innovation Vorrang für die Zukunftssicherung. 2009 habe der Konzern fast drei Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert; für 2010 sei dieselbe Größenordnung geplant.

          EADS hat im vergangenen Jahr den stärksten Umsatzeinbruch seit dem Börsengang vor zehn Jahren verzeichnet. Dem multinationalen Konzern macht der schwache Dollar zu schaffen, zudem hat er die Auslieferungsziele für das Großflugzeug A380 verfehlt. Der Umsatz im Jahr 2009 lag bei 41,7 Milliarden Euro, im Vergleich zu 43,27 Milliarden Euro ein Jahr zuvor, erklärte Gallois. Seit EADS 1998 geschaffen wurde, hat das Unternehmen erst zweimal einen Umsatzrückgang erlebt. Genaue Zahlen für 2009 will EADS, inzwischen der weltgrößte Hersteller von Verkehrsflugzeugen, im März vorstellen.

          „Fähigkeit zu Wachstum und Innovation gewahrt“

          Das Jahr sei schwierig gewesen, sagte Gallois in Sevilla. „Doch dank unseres breiten Portfolios, Zuwächsen im Verteidigungs- und Regierungsgeschäft sowie einer soliden Nettoliquidität haben wir die Fähigkeit zu Wachstum und Innovation gewahrt.“

          Zu EADS gehören vor allem auch der Hubschrauberhersteller Eurocopter, die Verteidigungssparte DS sowie der Satelliten- und Raketenbauer Astrium. Weil das Geschäft bei DS und Eurocopter stagnierte und Astrium kräftig wuchs, vermuten Experten hinter dem Umsatzrückgang Preiszugeständnisse. Das Hauptproblem für EADS ist kurzfristig aber nicht die Nachfrage, sondern die Unsicherheit bei der Finanzierung des Airbus-Militärtransporters A400M.

          Größter Umsatzbringer ist die Airbus-Sparte, die Flugzeuge vom Kurzstreckenjet A320 bis hin zum Großraumflugzeug A380 mit Platz für mehr als 500 Passagiere fertigt. Vergangenes Jahr lieferte Airbus zehn A380-Maschinen an Kunden aus, eine weniger als geplant. Für dieses Jahr hat die Sparte rund doppelt so viele A380-Auslieferungen ins Auge gefasst.

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