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EADS : A400M bleibt trotz Staatshilfe ein Verlustgeschäft

Teurer Alleskönner: A 400M beim Jungfernflug in Sevilla im vergangenen Dezember Bild: dpa

Der Flugzeughersteller EADS und seine Kunden haben Frieden geschlossen. Der Bau des Militärtransporters A400M ist gesichert. Jetzt geht es darum, den Schaden nach den Kostensteigerungen zu begrenzen.

          Die Einigung im Streit zwischen EADS und sieben Nationen, die das Militärflugzeug A 400M bestellt haben, sichert zwar das Projekt. Beide Seiten akzeptieren höhere Lasten: Die Staaten zahlen 3,5 Milliarden Euro mehr, EADS erhöht die Rückstellungen. Doch Ruhe kehrt nicht ein.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          In den nächsten Wochen und Monaten steht Streit zwischen Airbus und seinen Zulieferern bevor, insbesondere dem Triebwerkskonsortium. Dort besteht wenig Bereitschaft, sich an den zusätzlichen Lasten für den Bau des Militärtransporters zu beteiligen. Zudem gibt es noch Klärungsbedarf zwischen den Ländern und Airbus über die „Eskalationsklausel“, die Beteiligung der Kunden an den gestiegenen Rohstoff- und Gehaltskosten. Darauf setzt EADS, die Staaten dürften dagegen kaum zu weiteren Beiträgen bereit sein.

          Am Fortbestand des fast vier Jahre verspäteten, teuersten europäischen Rüstungsprojektes wird nach der Einigung vom vergangenen Freitagnachmittag nicht mehr gezweifelt. Das Programm bleibe, es sei nun gesichert, heißt es aus dem Umfeld der EADS, bei der Daimler mit 15 Prozent Großaktionär ist. Damit scheinen auch die Arbeitsplätze gesichert. Allein in Deutschland sind 6000 Mitarbeiter mit dem Projekt beschäftigt, 2013 sollen es 10.000 werden. Der Konzern hat bereits am Freitagabend die Übereinkunft begrüßt: „EADS sieht diese Einigung als solide Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung des A400M-Programms.“

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          Die Staatssekretäre der sieben Bestellnationen sowie EADS hatten sich nach einem dreiviertel Jahr zum Teil schwieriger und kontroverser Verhandlungen auf eine finanzielle Lösung geeinigt. Die Länder zahlen für die bestellten Flugzeuge 2 Milliarden Euro mehr. Darüber hinaus gewähren sie Mittel über 1,5 Milliarden Euro, die durch etwaige künftige Exporterlöse aus Verkäufen des Militärtransporters zurückgezahlt werden sollen. Es handelt sich dabei nicht um einen Exportkredit.

          EADS muss 1,8 Milliarden Euro Rückstellungen übernehmen

          Mit den „Export Levy Facilities“ haben die Verhandlungspartner eine Konstruktion gefunden, die nicht als Subvention zu verstehen sei und den Regeln der Welthandelsorganisation entspreche. Die Käufer verzichten zudem auf Strafzahlungen, die wegen der Verspätung von vier Jahren fällig wären. Die Anzahlungen werden erhöht, um negative Effekte für den Mittelzufluss (Cashflow) der Unternehmens zu vermeiden.

          EADS muss mit Rückstellungen von 1,8 Milliarden Euro indes deutlich mehr Lasten übernehmen als die vom Unternehmen erhofften 800 Millionen Euro. Das zeichnete sich allerdings schon in den vergangenen Wochen ab. Mit den bereits getätigten Rückstellungen hat EADS insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro für das Projekt zurückgestellt. Der Konzern erwirtschaftet damit im Geschäftsjahr 2009 einen hohen Verlust, sowohl beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wie im Konzernergebnis. Details folgen am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Paris.

          Wenig Hoffnung auf ein profitables Projekt

          Trotz der zusätzlichen Zahlungen der Kunden wird der A400M voraussichtlich nicht profitabel gebaut: Angesichts der hohen Kosten wird das Projekt erst Ertrag abwerfen, wenn beträchtlich mehr als die bislang bestellten 180 Maschinen verkauft würden. Die Beteiligten können allenfalls auf profitable Zusatzeinnahmen aus Dienstleistung und Wartung hoffen.

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