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E-Autos : Rennen um Markt für Elektroauto-Batterien

  • -Aktualisiert am

Unter Strom: Weltweit fließt momentan viel Geld in die Entwicklung von Elektroautos Bild: dpa

Die Batterie ist die zentrale Komponente für den Antrieb eines E-Autos. Nischenhersteller und die etablierten Autokonzerne wetteifern darum, wer als erster damit zur Stelle ist. Der Startschuss für die Serienproduktion fällt im Jahr 2011.

          Angetrieben von üppigen staatlichen Subventionen, liefert sich die Autoindustrie derzeit ein Rennen um die Markteinführung von Elektroautos. Nischenhersteller und etablierte Autokonzerne konkurrieren mit den Zulieferern um den neu entstehenden Markt für die Batterien als zentrale Komponente der neuartigen Antriebe. Der Startschuss für die Serienproduktion fällt zwar erst 2011. Aber schon jetzt investiert die Branche Milliarden in neue Batteriefabriken, die rund um den Globus wie Pilze aus dem Boden schießen.

          Jüngste Beispiele dafür sind die Pläne für die Errichtung neuer Produktionsstandorte in Amerika und Europa des kleinen kalifornischen Autoherstellers Coda sowie des amerikanisch-französischen BatterieherstellersJohnson-Controls Saft und des kanadischen Zulieferers Magna. „Wir errichten bis Januar 2011 ein neues Werk für Lithium-Ionen-Batterien in der Stadt New Holland im Bundesstaat Michigan“, sagt Christian Rosenkranz, Vertriebschef von Johnson Controls-Saft. „Beliefert wird hauptsächlich Ford, und die Kapazität wird zunächst bei jährlich etwa 100.000 Batterien für ganz oder teilweise elektrisch betriebene Autos liegen.“ Der Elektrotransporter Ford Transit wird derzeit in einem Pilotprojekt in Köln getestet.

          Bislang fehlt in Deutschland die staatliche Förderung

          Johnson Controls-Saft erhält in Amerika laut Rosenkranz eine staatliche Förderung von rund 300 Millionen Dollar für den Bau der neuen Fabrik. Auch in China gebe es intensive Gespräche mit mehreren potentiellen Partnern. Bisher produzierte Johnson Controls-Saft mit 60 Beschäftigten nur einige 10000 Batteriesysteme am französischen Standort Nersac in der Nähe von Bordeaux. Obwohl von dort aus vor allem Batterien für große und mittelgroße Hybridmodelle der deutschen Oberklassehersteller BMW und Daimler geliefert werden, ist bislang kein Werk in Deutschland geplant.

          „Wenn es in Deutschland eine entsprechende staatliche Förderung wie in vielen anderen Ländern gäbe, würden wir den Bau einer Fabrik aber erwägen“, sagt Rosenkranz. Hierzulande gibt es bisher nur den kleinen sächsischen Batteriehersteller Li-Tec, ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und dem Chemiekonzern Evonik. Viel schneller kommt die Entwicklung des Marktes für Elektroautos in China voran. Dort investiert die Regierung in einem kaum mit Deutschland vergleichbaren Ausmaß in die Förderung der Elektromobilität.

          Nach Angaben des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg bringen die drei in Privatbesitz befindlichen chinesischen Fahrzeughersteller BYD (Build Your Dreams), Cherry und Geely binnen der nächsten zwei Jahre insgesamt fünfzehn neue Elektromodelle auf den Markt.

          In China habe die staatliche Nationale Entwicklungskommission das Ziel ausgegeben, bis 2012 eine Million Elektroautos auf Chinas Straßen zu bringen. Dasselbe Ziel will die Bundesregierung erst in zehn Jahren für Deutschland erreicht haben. Schon 2015 soll es in China 2,7 Millionen Elektroautos geben, für 2020 sind 4 Millionen Stück geplant.

          Werk in Ohio mit chinesischer Technik

          Auch in Amerika wird die Errichtung von Batteriefabriken deutlich stärker gefördert. Der noch junge kalifornische Elektroautohersteller Coda Automotive plant den Bau eines Werks mit mehr als 1000 Beschäftigten in Ohio. Das Unternehmen will chinesische Technik nutzen, um Lithium-Ionen-Batterien für ein Elektroauto zu produzieren, das 2011 auf den Markt kommen soll. Damit bezieht erstmals ein amerikanischer Autohersteller fortgeschrittene Technik von einem chinesischen Unternehmen.

          Der kanadische Autozulieferer Magna rüstet sich mit Investitionen von umgerechnet etwa 400 Millionen Euro für das Elektroauto. Der viertgrößte Zulieferer der Welt wolle in Amerika und in der Europäischen Union je ein Werk für Batterien errichten, sagt Magnas Europa-Chef Siegfried Wolf. Die Kosten für ein Werk beziffert er auf rund 200 Millionen Euro. Lithium-Batterien für vollelektrische Autos, die mit einer Ladung gewöhnlich rund 150 Kilometer weit kommen, kosten bei den meisten Herstellern derzeit noch um die 16000 Euro. „Wir streben aber binnen fünf Jahren eine Halbierung der Kosten an“, sagt Johnson-Controls-Fachmann Rosenkranz.

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