https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/e-auto-statt-verbrennungsmotor-daimler-baut-sein-stammwerk-um-17229848.html

E-Auto statt Verbrennungsmotor : Daimler baut sein Stammwerk um

Konzernzentrale und Stammwerk: der Daimler-Standort in Untertürkheim Bild: dpa

400 Millionen Euro an Investitionen sollen Stuttgart-Untertürkheim ins Elektrozeitalter bringen. Statt Verbrenner-Großserie heißt es künftig: E-Auto-Campus und Batteriezellproduktion.

          2 Min.

          Das Mercedes-Stammwerk in Untertürkheim wird mit einem umfassenden Investitionsprogramm ins Zeitalter der Elektromobilität katapultiert. Wo bisher Verbrenner-Motoren für die Autos mit dem Stern gebaut werden, soll ein „Mercedes-Benz Drive Systems Campus“ entstehen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Der größte Produktionsstandort für Antriebskomponenten werde sich dabei „auf Forschung, Entwicklung und Produktionsanläufe von Antriebssystemen konzentrieren“ – was bei genauerer Betrachtung bedeutet: von Großserien-Produktion ist keine Rede mehr.

          Außerdem soll Untertürkheim künftig eine kleine Fabrik für die Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen erhalten, die zusammen mit einem Labor für Batterie-Sicherheit vor allem der Forschung im Bereich Batterietechnologie dienen soll. „Ein klarer Schwerpunkt unserer Aktivitäten liegt auf der Forschung und Verfahrenstechnik der Batterie- und Zelltechnologie“, zitiert die Mitteilung Daimler-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer. Insgesamt sollen in den Umbau mehr als 400 Millionen Euro investiert werden.  

          Mit der Ausrichtung auf „Electric First“ untermauere Mercedes die Strategie für den Weg zur CO2-Neutralität bis zum Jahr 2039. Er sei sich sicher, die Fokussierung des Kapitals auf CO2-neutrale Investitionen werde in Zukunft wichtiger denn je sein, sagt Schäfer. Das erfordere maximale Flexibilität und konsequentes Hinterfragen bestehender Strukturen.

          Am Auto hängen viele Arbeitsplätze

          Diese grundsätzliche Neuausrichtung am Standort Untertürkheim, wo sich auch die Zentrale des Daimler-Konzerns und nebenan gleich das Mercedes-Museum befinden, hat eine hohe emotionale Bedeutung, nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern auch für die Region. Dort hängen durch ein dichtes Netz von Zulieferern extrem viele Arbeitsplätze vom Auto ab. 

          Die Umstellung von der Serienproduktion komplexer Benzin- und Dieselmotoren und den zugehörigen Komponenten hin zu Elektroantrieben, die aus weniger Teilen bestehen, bedeutet automatisch, dass weniger Personal nötig ist. Entsprechend schwierig und langwierig waren die Verhandlungen zwischen der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat im Werk Untertürkheim, in dem 18.000 Mitarbeiter beschäftigt sind.  

          „Verantwortung zu tragen bedeutet auch, Strukturen anzupassen und zu modernisieren, um die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten“, wirbt nun Jörg Burzer, Produktionsvorstand der Mercedes-Benz AG um Verständnis.  Was das aber konkret für den notwendigen Arbeitsplatzabbau bedeutet, lässt das Unternehmen nicht erkennen. Es heißt lediglich, oberste Priorität sei, die Anpassungen sozialverträglich zu gestalten.

          Grundsätzlich können sich die Beschäftigten von Daimler in Deutschland dank einer entsprechenden Betriebsvereinbarung darauf verlassen, dass bis Ende des Jahrzehnts keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden. Allerdings müssen die Mitarbeiter flexibel sein. Es werde „mittelfristig zu Veränderungen von Beschäftigungsprofilen“ kommen, für die es aber Qualifizierungsmaßnahmen geben werde, heißt es.

          Weitere Themen

          Noch Luft nach unten

          FAZ Plus Artikel: Soziale Lage : Noch Luft nach unten

          Die Inflation tut vielen weh. Aber von einem neuen Prekariat kann deshalb keine Rede sein. Auch die Pandemie hat die soziale Lage wenig verschlimmert. Dennoch sind langfristig Reformen nötig.

          Topmeldungen

          Teurer Einkauf: In der Bevölkerung fragen sich Millionen, wie sie bis zum Monatsende über die Runden kommen sollen.

          Geldpolitik unter Druck : Verspielen die Notenbanken das Vertrauen der Briten?

          Im April kletterte die Inflation im Vereinigten Königreich auf 9 Prozent. Liegt die Teuerung wirklich zu achtzig Prozent jenseits der Kontrolle der Notenbank? Es droht ein epochales Versagen durch zu lockere Geldpolitik.
          Symbolpolitik – Palästinenser in Bethlehem vor einem Wandbild der am 11. Mai getöteten Al-Jazeera-Journalistin Shireen Abu Akleh.

          In Jenin getötete Reporterin : Eine Tote wird vereinnahmt

          Am 11. Mai wurde die Reporterin Shireen Abu Akleh im Westjordanland erschossen. Vielleicht wird nie aufgeklärt werden, wer sie getötet hat. Die palästinensische Führung hat sie als Symbol israelischer Gewalt vereinnahmt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung im Projektmanagement