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E-Auto statt Verbrennungsmotor : Daimler baut sein Stammwerk um

Konzernzentrale und Stammwerk: der Daimler-Standort in Untertürkheim Bild: dpa

400 Millionen Euro an Investitionen sollen Stuttgart-Untertürkheim ins Elektrozeitalter bringen. Statt Verbrenner-Großserie heißt es künftig: E-Auto-Campus und Batteriezellproduktion.

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          Das Mercedes-Stammwerk in Untertürkheim wird mit einem umfassenden Investitionsprogramm ins Zeitalter der Elektromobilität katapultiert. Wo bisher Verbrenner-Motoren für die Autos mit dem Stern gebaut werden, soll ein „Mercedes-Benz Drive Systems Campus“ entstehen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Der größte Produktionsstandort für Antriebskomponenten werde sich dabei „auf Forschung, Entwicklung und Produktionsanläufe von Antriebssystemen konzentrieren“ – was bei genauerer Betrachtung bedeutet: von Großserien-Produktion ist keine Rede mehr.

          Außerdem soll Untertürkheim künftig eine kleine Fabrik für die Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen erhalten, die zusammen mit einem Labor für Batterie-Sicherheit vor allem der Forschung im Bereich Batterietechnologie dienen soll. „Ein klarer Schwerpunkt unserer Aktivitäten liegt auf der Forschung und Verfahrenstechnik der Batterie- und Zelltechnologie“, zitiert die Mitteilung Daimler-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer. Insgesamt sollen in den Umbau mehr als 400 Millionen Euro investiert werden.  

          Mit der Ausrichtung auf „Electric First“ untermauere Mercedes die Strategie für den Weg zur CO2-Neutralität bis zum Jahr 2039. Er sei sich sicher, die Fokussierung des Kapitals auf CO2-neutrale Investitionen werde in Zukunft wichtiger denn je sein, sagt Schäfer. Das erfordere maximale Flexibilität und konsequentes Hinterfragen bestehender Strukturen.

          Am Auto hängen viele Arbeitsplätze

          Diese grundsätzliche Neuausrichtung am Standort Untertürkheim, wo sich auch die Zentrale des Daimler-Konzerns und nebenan gleich das Mercedes-Museum befinden, hat eine hohe emotionale Bedeutung, nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern auch für die Region. Dort hängen durch ein dichtes Netz von Zulieferern extrem viele Arbeitsplätze vom Auto ab. 

          Die Umstellung von der Serienproduktion komplexer Benzin- und Dieselmotoren und den zugehörigen Komponenten hin zu Elektroantrieben, die aus weniger Teilen bestehen, bedeutet automatisch, dass weniger Personal nötig ist. Entsprechend schwierig und langwierig waren die Verhandlungen zwischen der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat im Werk Untertürkheim, in dem 18.000 Mitarbeiter beschäftigt sind.  

          „Verantwortung zu tragen bedeutet auch, Strukturen anzupassen und zu modernisieren, um die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten“, wirbt nun Jörg Burzer, Produktionsvorstand der Mercedes-Benz AG um Verständnis.  Was das aber konkret für den notwendigen Arbeitsplatzabbau bedeutet, lässt das Unternehmen nicht erkennen. Es heißt lediglich, oberste Priorität sei, die Anpassungen sozialverträglich zu gestalten.

          Grundsätzlich können sich die Beschäftigten von Daimler in Deutschland dank einer entsprechenden Betriebsvereinbarung darauf verlassen, dass bis Ende des Jahrzehnts keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden. Allerdings müssen die Mitarbeiter flexibel sein. Es werde „mittelfristig zu Veränderungen von Beschäftigungsprofilen“ kommen, für die es aber Qualifizierungsmaßnahmen geben werde, heißt es.

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