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DZ Bank und Kirch : Das Vorläuferinstiut DG Bank war Kirchs Hausbank und in den achtziger Jahren selbst bei Sat1 engagiert

Die Verbindungen von Leo Kirch in das deutsche Genossenschaftswesen reichen weit. In den achtziger Jahren war die DG Bank die Hausbank des Filmhändlers. Dieser plante einen Medienverbund mit Springer.

          Die Verbindungen von Leo Kirch in das deutsche Genossenschaftswesen reichen weit. In den achtziger Jahren war die DG Bank die Hausbank des Filmhändlers. Dieser plante einen Medienverbund mit Springer. Der gerade im Aufbau befindliche Privatfernsehsender Sat.1, an dem beide Medienhäuser beteiligt waren, wurde zum Zankapfel. Betroffen war auch die DG Bank, deren Vorstandsvorsitzender Helmut Guthardt selbst Mitglied im Aufsichtsrat von Sat.1 war. Er scheiterte daran, den offen ausgetragenen Streit zwischen Kirchs Vertreter und dem damaligen Springer-Chef Peter Tamm zum Wohl von Sat.1 - oder zum Wohl seines Kreditkunden Kirch - zu schlichten. Entnervt trat Guthardt 1990 aus dem Aufsichtsrat zurück. Wenig später war Guthardts Zeit auch bei der DG Bank vorbei, als diese durch einen Devisenskandal zum Sanierungsfall wurde. Damit war auch das Medienengagement der DG Bank im wesentlichen beendet.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die DG Bank war nicht nur Hauptfinanzier von Kirch, sondern hielt selbst zeitweise 40 Prozent an Sat.1 über ihre Beteiligung an der Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS), die größter Aktionär von Sat.1 war. An der PKS wiederum war Kirchs Beta/Taurus Gruppe mit zeitweise 49 Prozent beteiligt. Guthardt begründete das Engagement der DG Bank an Sat.1 damit, sie wolle mittelständischen Kunden helfen, die am Aufbau interner Informations- und Kommunikationssysteme, interessiert seien. Auch die Beteiligung an Mannesmann in der Telekommunikation wurde so begründet. Guthardt legte in der Öffentlichkeit stets Wert auf die Feststellung, daß die DG Bank keine Anteile an Springer halte. Die DG Bank engagierte sich aber zum Beispiel mit fünf anderen Banken bei der Sendung "Telebörse", die damals von Sat.1 ausgestrahlt wurde.

          Die Kontakte zur Medienbranche und zu Kirch sind heute sicher nicht mehr so intensiv, aber intakt. Bernd Thiemann, Nachfolger von Guthardt, hat das 1991 vorgefundene Kreditvolumen in den Folgejahren zurückgeführt. Doch als Thiemann im April 2001 bei der DG Bank ausschied, übernahm er zügig den Vorsitz im Aufsichtsrat beim angeschlagenen Medienunternehmen EM.TV - und das zu einem Zeitpunkt, als Kirch dort noch einsteigen wollte.

          Ulrich Brixner, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank, dem Nachfolgeinstitut der DG Bank, bezeichnete vor wenigen Wochen die Kredite an Kirch als "nicht auffällig" (F.A.Z. vom 13. Dezember). Immerhin soll die DZ Bank noch Kredite im Volumen von 400 Millionen Euro bei Kirch ausstehen haben. Mit Brixner an der Spitze, der mit der Vergangenheit der DG Bank gerade völlig bricht, ist die DZ Bank für Kirch kein leicht kalkulierbarer Partner mehr. Zumal Rewe Kirch Hilfe angeboten hat. Rewe ist nicht nur Aktionär der DZ Bank mit rund 2 Prozent der Anteile, sondern gilt als einer ihrer drei größten Kreditkunden. Sollte Rewe Kirch finanziell helfen, könnte das für die DZ Bank ein Grund sein, Kredite von Rewe oder von Kirch zu kündigen, um ihre Risiken im "Fall Kirch" zu begrenzen.

          Den ersten Kredit soll Leo Kirch von der Allgemeinen Deutschen Credit Anstalt (Adca) erhalten haben. Später war Ludwig Poullain, Vorstandschef der West LB, Kirchs Hausbankier. Als der Sparkassenbanker Poullain 1977 ausschied, fand Kirch im Genossen Guthardt von der DG Bank seinen Förderer. Das ist insofern pikant, als sich Poullain über Genossenschaftsbanken despektierlich geäußert haben soll: "Das Geld des Dorfes dem Dorfe", gilt als einer seiner zahlreichen Sprüche über sie.

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