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Volks- und Raiffeisenbanken : Keine deutsche Bank verdient mehr als die DZ Bank

Die Doppelspitze der DZ Bank: Uwe Fröhlich (links) und Cornelius Riese Bild: Wonge Bergmann

Das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken verdoppelt 2019 seinen Gewinn. Der Erfolg fußt maßgeblich auf zwei Faktoren.

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          Die DZ Bank setzt einen scharfen Kontrast zu dem hohen Jahresverlust der Deutschen Bank und dem Gewinnrückgang der Commerzbank. Das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken hat 2019 seinen Gewinn verdoppelt. Mit 2,7 (Vorjahr: 1,4) Milliarden Euro vor Steuern und 1,9 (0,9) Milliarden Euro nach Steuern dürfte keine andere deutsche Bank mehr verdient haben als die DZ Bank – allenfalls noch die staatliche KFW, die am 2. April ihren Gewinn mitteilt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Uwe Fröhlich und Cornelius Riese, die seit Anfang 2019 als offensichtlich gut harmonierende Doppelspitze im Vorstand die DZ Bank leiten, dämpften am Donnerstag für 2020 die Erwartungen. Der Jahresstart sei gut verlaufen. Allerdings erwarten sie stark schwankende Kapitalmärkte und mehr Wertberichtigungsbedarf auf Kredite. „Wir rechnen 2020 mit einem Ergebnis innerhalb unserer nachhaltigen Ergebnisspanne von 1,5 bis 2 Milliarden Euro vor Steuern – allerdings eher am unteren Ende.“ Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass die neue Vorstandsspitze tiefstapelt. Obwohl der Konzern schon im ersten Halbjahr 2019 fast 1,5 Milliarden Euro verdient hatte, erhöhte sie erst im November die Prognose.

          Im Kern mit der Helaba vergleichbar

          Dass die DZ Bank 2019 den höchsten Konzerngewinn seit der 2016 vollzogenen Fusion mit der WGZ-Bank erreichte, liegt an ihrer breiten Aufstellung: Als Geschäfts- und Verbundbank, die allein (mit großen Unternehmen) Kredit- und Kapitalmarktgeschäft betreibt und gemeinsam mit den VR-Banken (an kleinere Unternehmen) Kredite ausreicht, ist die DZ Bank mit Sparkassenzentralbanken wie der Helaba vergleichbar. Dem Ziel, im inländischen Firmenkundengeschäft einen Marktanteil von 25 Prozent zu erreichen ist sie mit inzwischen 22 Prozent näher gekommen. Das Ziel soll durch weitere Digitalisierung der Kreditprozesse geschafft werden. Verbesserungspotential bestehe im gemeinsamen Kreditgeschäft mit VR-Banken, das erst 14 Milliarden Euro ausmacht. Nachdem die DZ Bank ihren Zahlungsverkehr an Equens ausgelagert hatte, ist nun das WGZ-Zahlungssystem für Echtzeitzahlungen ertüchtigt worden. Es kommt „perspektivisch auch für das Auslandsgeschäft“ in Frage, sagte Fröhlich.

          Schöne Töchter bringen viel Gewinn

          Zudem ist die DZ Bank Steuerungsholding für neun Tochtergesellschaften. Davon trug der Versicherer R+V mit 1117 (413) Millionen Euro den Löwenanteil zum Konzernvorsteuergewinn bei, gefolgt von der Fondsgesellschaft Union mit 648 (502) Millionen Euro. Einen herben Gewinnrückgang um 36 Prozent auf 189 Millionen Euro erlitt dagegen Schwäbisch Hall. Die Bausparkasse leidet am stärksten von allen DZ-Tochtergesellschaften unter der Niedrigzinsphase, wie Riese berichtete. Es werde gegengesteuert mit Kostensenkungen, einer Drosselung des Bauspargeschäftes und einem Ausbau des Baukreditgeschäfts. Der Zinsüberschuss werde noch zwei, drei Jahre sinken, Schwäbisch Hall aber nicht in die Verlustzone rutschen, erwartet Riese. Dort steckte 2019 der Verkehrsfinanzierer DVB mit 108 (130 Millionen Euro), der nun in Eigenregie abgewickelt wird.

          2019 verdiente die DZ Bank AG 293 (362) Millionen Euro, was einer Eigenkapitalrendite zwischen 5 und 6 Prozent entspricht. Damit ist die DZ Bank ähnlich profitabel wie die Helaba, deren Konzerngewinn aber großteils vom Immobiliengeschäft getragen wird. Dieses wird im DZ-Konzern von der eigenen Immobiliengesellschaft DZ Hyp betrieben, die immerhin 687 (232) Millionen Euro zum Konzerngewinn beitrug.

          Erstmals weist die DZ Bank den Aufwand, den ihr die Steuerung des Konzerns verursacht, separat aus: 258 (281) Millionen Euro, darunter Zinsaufwand und Bankenabgabe. Die den Eignern der WZG-Bank eigentlich zugesagte juristische Trennung in Holding und Geschäftsbank ist wohl vom Tisch. Es sei fast schwieriger, Banken zu spalten als zu fusionieren, sagte Riese und verwies auf einen einmaligen dreistelligen Millionenbetrag und laufende zweistellige Millionenbeträge an Kosten. Auch durch die „virtuelle“ Trennung sei nun eine „produktive Transparenz“ geschaffen.

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