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DuMont : „Konstantingate“ in der Verlegerdynastie

Neue Eskalationsstufe: Alfred Neven DuMont entbindet seinen Sohn Konstantin von allen Posten Bild: Daniel Pilar

Der Kölner Zeitungspatriarch Alfred Neven DuMont entbindet seinen Sohn Konstantin von allen Herausgeber-Posten. Damit erreicht der Familienstreit eine neue Eskalationsstufe. Für den Verleger-Vater geht es um die Zukunft seines Unternehmens.

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          Wie schwierig die Staffelübergabe in Familienunternehmen sein kann, welche Tragödien oft damit verbunden sind, ist spätestens seit Thomas Manns „Buddenbrooks“ weitläufig bekannt. Nun hat die Verlegerdynastie Neven DuMont den Schauplatz von Lübeck nach Köln verlegt. Denn was sich seit Wochen am Rhein abspielt, steht der hanseatischen Familiensaga in nichts nach.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Zwischen dem 83 Jahre alten Verlagspatriarchen Alfred Neven DuMont und seinem 41 Jahre alten Sohn Konstantin ist ein Familienstreit entbrannt, der am Dienstag eine neue Eskalationsstufe erreichte: Der Aufsichtsrat setzte den Verlegersohn, der sich selbst als „auf eigenen Wunsch beurlaubt“ sah, von sämtlichen Herausgeber-Posten ab („Kölner Stadt-Anzeiger“, „Express“, „Mitteldeutsche Zeitung“). Die Begründung für diese drastische Maßnahme lässt das dahinter stehende Drama erahnen. „Seit mehreren Wochen äußert er sich in abträglicher und geschäftsschädigender Weise über das eigene Unternehmen in der Öffentlichkeit, einschließlich in Konkurrenzblättern“, heißt es in der Mitteilung in eigener Sache.

          Noch kein Nachfolger benannt

          Alfred Neven DuMont ist in diesen turbulenten Tagen tatsächlich im Urlaub – weilt auf Mallorca, weil er womöglich die Attacken seines Sohnes aus nächster Nähe nicht länger ertragen konnte. Konstantin gab in den vergangenen Wochen fast täglich irgendwelche Interviews, bevorzugt in der „Bild“-Zeitung. Darin hatte er seinem Vater erst vorgehalten, die Nachfolge nicht geregelt zu haben. Dann drohte er, seine eigenen Firmenanteile zu verkaufen. Schließlich forderte er gar sein Erbteil, das er auf 15 bis 20 Millionen Euro bezifferte. Und nicht erst seit diesen mitunter peinlich zu lesenden Interviews fragten sich manche Kölner, was den „Jeck“ wohl geritten haben könnte.

          Engagierter Blogger: Konstantin Neven DuMont äußerte sich in der Öffentlichkeit mehrfach abträglich über das eigene Unternehmen

          Für den Verleger Alfred Neven DuMont, schon 1995 tief getroffen durch den Tod seines ältesten Sohnes Markus, stellt sich die Frage viel existentieller. Er wird sich selbst vorwerfen müssen, warum um Himmels willen der Aufsichtsrat die Katastrophe nicht früher bemerkt hat, die nun durch den Rauswurf des rebellierenden Sohnes Konstantin auch nicht mehr zu beheben ist. Denn höchstwahrscheinlich wird der verhinderte Nachwuchsverleger schon bald das nächste Interview mit neuen Vorwürfen gegen die Familie geben. Und einen Nachfolger hat Alfred Neven DuMont bis heute nicht benannt.

          Engagierter Blogger

          Entzündet hat sich die Führungskrise im viertgrößten deutschen Verlagshaus an einer vermeintlich harmlosen Internetaffäre. Konstantin fiel durch sehr engagiertes Bloggen in Internetforen auf und soll unter mehreren Pseudonymen im Blog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier teils irre Kommentare abgegeben haben. Konstantin erklärte, die Beiträge stammten von „zwei Personen, die meinen Rechner mitnutzen“. Seither witzeln Blogger im Internet über die „Konstantingate“-Affäre im Hause DuMont.

          Eine Weile schwieg der machtbewusste Vater. Alfred Neven DuMont wird in Köln zwar nicht geliebt, aber geachtet. Er ist Ehrenbürger. Manche Kölner sagen nur halb im Scherz, dass der Verleger den Oberbürgermeister kürt und dass er bestimmt, wer beim 1. FC Köln Präsident wird. Vor seiner Lebensleistung haben sie Respekt am Rhein – und erst recht in der Verlagsbranche.

          Der Traum eines Zeitungsimperiums

          Alfred Neven DuMont, 1927 als Sohn des Zeitungsverlegers Kurt Neven DuMont in Köln geboren, entstammt einer alten Patrizierfamilie. Der Stammbaum der Familie weist bis ins 17. Jahrhundert zurück, der Verlag selbst wurde 1802 gegründet. Er hat in München und Chicago Philosophie, Geschichte und Journalismus studiert, übte sich sogar mal als Schauspieler, bis er 1953 in den elterlichen Verlag eintrat. Früh gründete er die Boulevardzeitung „Express“ und sammelte einige Regionaltitel ein.

          Doch erst spät wagte er sich an seinen Traum eines bundesweiten Zeitungsimperiums, das es mit der WAZ-Gruppe und dem Springer-Verlag aufnehmen sollte. Vor vier Jahren kaufte Alfred Neven DuMont die „Frankfurter Rundschau“. Im vergangenen Jahr übernahm er dann von der Mecom-Holding des britischen Finanzinvestors David Montgomery die Mehrheitsbeteiligungen an der „Berliner Zeitung“, der „Hamburger Morgenpost“ und der „Netzeitung“.

          Karrierende selbst heraufbeschworen

          In all diesen Entscheidungen war der Junior nur eine Randfigur. Mit seinen 41 Jahren hat Konstantin zwar längst das Alter, um einen Verlag zu führen, dessen Titel eine Gesamtauflage von 1,3 Millionen Exemplaren haben. Aber in der Branche wurde der als „philosophischen Grundsatzfragen zugetaner Freigeist und Ästhet“ beschriebene Konstantin stets für zu leicht befunden. Jetzt hat er sein Karriereende im eigenen Unternehmen selbst heraufbeschworen – so wie Hanno Buddenbrook den berühmten Schlussstrich unter den Familienstammbaum zieht, weil er dachte, es kommt nichts mehr.

          Welches Schicksal das Zeitungshaus in Zeiten des Auflagenschwunds und im Wettbewerb mit den digitalen Medien erleidet, ist ungewiss. Alfred Neven DuMont, ein Verleger der alten Schule, muss nicht nur um seinen guten Buddenbrook-Ruf fürchten. Es geht um die Zukunft seines Unternehmens.

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