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Neuer Audi-Chef : Ein sauberer Neuanfang für Diess?

Wird Audi mit seinem neuen Chef sauber? (Symbolbild) Bild: EPA

Rupert Stadler sitzt im Knast, jetzt soll ihn ein ehemaliger BMW-Vorstand an der Spitze von Audi beerben. Der kommt ohne Skandal-Vergangenheit – und würde den VW-Chef stärken. Ein Kommentar.

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          Der Skandal um manipulierte Dieselmotoren im Volkswagenkonzern hat etliches zutage gefördert: Strafanzeigen, Strafverfahren und Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Doch gänzlich aufgearbeitet ist er noch nicht. Das hat auch damit zu tun, dass bei der VW-Tochtergesellschaft Audi mit Rupert Stadler ein Vorstandsvorsitzender schalten und walten durfte, unter dessen Regie jene Betrugssoftware für die Drei-Liter-Dieselmotoren entwickelt wurde, mit denen später auch die Marken Volkswagen und Porsche bei Abgastests auffällig geworden sind.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Da Stadler inzwischen in Untersuchungshaft sitzt, bietet sich VW-Konzernchef Herbert Diess endlich die Chance zum Neuanfang bei Audi. Dafür braucht er einen unbelasteten Manager, der nichts zu tun hat mit den elf Millionen Dieselautos, die von manipulativer Software gesteuert werden. Es liegt nahe, dass ein solcher Kandidat nur außerhalb des VW-Konzerns zu finden sein würde.

          Dass Diess, einst BMW-Vorstand, bei seinem alten Arbeitgeber fündig werden würde, ist irgendwie folgerichtig: Markus Duesmann war just in den Jahren, als die Audi-Ingenieure an den dreckigen Selbstzündern herumtricksten, Antriebsleiter bei BMW. Die Motoren der weiß-blauen Propellermarke sind sauber, jedenfalls sauberer als die manipulierte Konkurrenz.

          VW hat Markus Duesmann von BMW abgeworben.

          Der erst 49 Jahre alte Duesmann kann also für einen sauberen Neuanfang bei Audi stehen, und Diess hätte eine Baustelle im Konzern weniger. Dass Diess einen so wichtigen Posten obendrein mit einem Mann seines Vertrauens besetzen kann, stärkt seine Position in dem von unzähligen Seilschaften geprägten und im Eigentümerkreis zerrütteten VW-Konzern.

          VOLKSWAGEN VZ

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          In Wolfsburg hat die unheilvolle Verbindung von Kapital und Arbeit schon manchen Sündenfall hervorgebracht. Über Jahrzehnte konnte sich in Niedersachsen das „System VW“ entwickeln, jener Sonderweg mit Viertagewoche und Kohabitation von Management und Betriebsrat, ohne dass diese Konstellation je in ihren Grundfesten erschüttert worden wäre.

          Auch im Dieselskandal bröckelt das Machtgefüge im VW-Reich nicht. Konzernchef Diess muss nach wie vor mit einem mächtigen Betriebsrat paktieren und ist zugleich auf das Wohlwollen der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch angewiesen. Wie eine klare Aufsicht der Eigentümer aussieht, hat Diess bei BMW erlebt. In München machen die Familien Quandt und Klatten ihren Einfluss solide und überlegt geltend. Auf einen solch sauberen Neuanfang wird man in Wolfsburg indes noch lange warten dürfen.

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