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F.A.Z. exklusiv : Remondis will Grünen Punkt kaufen

Nur ein duales System für die Entsorgung aus gelben Tonnen und Säcken fehlt Remondis noch. Bild: dpa

Die Müllbranche bangt: Remondis sondiert die Übernahme des Dualen Systems. Für die Verbraucher könnte das teuer werden.

          Die Preisvorstellungen liegen immer noch ein Stück auseinander. Aber das Entsorgungsunternehmen Remondis scheint guter Dinge, bei der Übernahme des Dualen Systems Deutschland (DSD) zum Zug zu kommen. Vor einem Jahr hatten die Fonds HIG Capital und Bluebay ihre Anteile am Grünen Punkt zum Verkauf gestellt, seitdem wird gefeilscht.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Parallel sondiert der Müllkonzern aus dem westfälischen Lünen aber bereits sehr konkret, wie die Chancen für die wettbewerbsrechtliche Genehmigung stehen. Mit dem Bundeskartellamt hat es dazu nach Informationen der F.A.Z. ein erstes Vorgespräch gegeben. Neben Remondis-Geschäftsführer Herwart Wilms hatten sich der Unternehmensjustitiar und ein renommierter Kartellanwalt dafür am 18. Dezember nach Bonn begeben und am Vormittag einen Termin mit der zuständigen Beschlussabteilung wahrgenommen. Remondis wollte sich weder zu diesem Treffen noch zum Stand der Kaufverhandlungen äußern. Das Kartellamt lehnte einen Kommentar ab.

          Höhere Müllgebühren möglich

          Brancheninsider rechnen damit, dass der Kaufvertrag in wenigen Wochen fertig sein könnte. Es ist eine Entwicklung, die Kommunalpolitiker und mittelständische Konkurrenten gleichermaßen beunruhigt. „Die zunehmende Konzentration auf dem Entsorgungsmarkt sehen wir sehr kritisch“, sagt Patrick Hasenkamp dieser Zeitung. Der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) erwartet steigende Müllgebühren und höhere Kosten für die Verpackungsentsorgung, sollte es zu der Fusion kommen.

          Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) befürchtet, dass seine Mitgliedsunternehmen dann vollends unter die Räder geraten. Wenn sich Remondis auch noch den Grünen Punkt einverleibe, sei dies ein „Existenzvernichtungsprogramm für kleinere und mittelständische Unternehmen“, sagt Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock.

          Kartellamt meistens machtlos

          Remondis ist jetzt schon der mit Abstand größte Abfallentsorger der Republik. Mit einer riesigen Flotte von 7000 Müllfahrzeugen, Hunderten von Entsorgungs-, Sortier- und Recyclinganlagen sowie mehr als 31.000 Mitarbeitern erwirtschaftet der Konzern rund 6,4 Milliarden Euro im Jahr. Nur ein duales System für die Entsorgung von Verpackungsabfall aus gelben Tonnen und Säcken fehlt noch.

          Mit dem Kölner DSD wären sie auch in diesem Segment auf einen Schlag Marktführer. Für rund 40 Prozent aller Verpackungen schließen Handel und Industrie Entsorgungsverträge mit dem Grünen Punkt ab. Der wiederum bezahlt aus den dafür fälligen Lizenzentgelten die Abholung der Tonnen und die Abfallverwertung. Mit dem DSD bekäme Remondis Zugriff auf die gesamte Kette: vom Handel bis zur Recyclinganlage.

          Auch andere Entsorger wie Alba oder Suez treten mit eigenen dualen Systemen als integrierte Anbieter auf. Allerdings verfügen sie längst nicht über eine so große Marktmacht wie der Branchenriese aus Lünen, der sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Konkurrenzunternehmen einverleibt hat. Das Kartellamt musste dem Treiben meistens machtlos zuschauen, weil die Umsätze in aller Regel unter den Aufgreifschwellen der Fusionskontrolle blieben.

          In einer Sektoruntersuchung versucht sich die Behörde inzwischen ein genaueres Bild zu verschaffen. Die Folgen des fehlenden Wettbewerbs bekommen die Kommunen zu spüren, wenn sie Aufträge für die Müllentsorgung ausschreiben. In einigen Regionen sei die Unternehmenslandschaft nach einer Welle von Übernahmen so ausgedünnt, dass sich „am Ende nur ein Bewerber auf eine Ausschreibung bewirbt – der dann natürlich die Bedingungen diktieren kann“, sagt VKU-Vize Hasenkamp. Auch deshalb nähmen manche Kommunen die Abfallentsorgung lieber wieder selbst in die Hand.

          Kommunale Abfallbetriebe und private Konkurrenten befürchten, dass Remondis mit einer DSD-Übernahme genauen Einblick in die Preise seiner Wettbewerber bekäme. Denn die Aufträge für die Abfuhr des Verpackungsmülls werden von den dualen Systemen ausgeschrieben. Die Aufträge für Sortierung und Verwertung könne Remondis sogar ohne Ausschreibung innerhalb des Konzerns vergeben, erläutert BVSE-Chef Rehbock. Bei einer Übernahme des DSD sei es deshalb nur eine Frage der Zeit, bis Remondis auch im Kunststoffrecycling zum marktbeherrschenden Unternehmen werde.

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