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Managergehälter : Mehr Geld für Dax-Vorstände

Linde-Manager Steve Angel Bild: REUTERS

Spitzenmanager verdienen im Durchschnitt das 53-Fache ihrer Mitarbeiter. Diese Spreizung ist im vergangenen Jahr wieder größer geworden.

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          Nach drei Jahren Rückgang in Folge, sind die Managergehälter der Vorstände in den Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr erstmals wieder gestiegen – und zwar deutlich. Im Schnitt haben die Vorstände der im Dax gelisteten Unternehmen 2021 rund 24 Prozent mehr verdient als im Jahr zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Vergleichsstudie der Technischen Universität München und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Durchschnittlich haben die Dax-Vorstände demnach im vergangenen Jahr rund 3,9 Millionen Euro verdient. Angestiegen sind die Managergehälter vor allem, weil auch die Gewinne der Unternehmen im vergangenen Jahr – nach dem ersten Corona-Einbruch ein Jahr zuvor – wieder deutlich gestiegen sind. 2021 war für viele Unternehmen tatsächlich ein Rekordjahr. Hinzu kommt – aber von eher geringer Bedeutung – dass im ersten Corona-Jahr 2020 viele Vorstände freiwillig auf einen kleinen Teil ihrer Vergütung verzichtet hatten, 2021 war das nicht mehr der Fall.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zugenommen hat im vergangenen Jahr auch wieder die Spreizung der Gehälter innerhalb der Unternehmen – also der Unterschied zwischen der Bezahlung der Spitzenmanager im Vorstand und den durchschnittlichen Mitarbeitern des Unternehmens. Im Schnitt verdienten laut der Untersuchung Vorstände das 53-Fache ihrer Mitarbeiter, im Jahr zuvor war es lediglich das 47-Fache. Hierbei gibt es freilich erhebliche Unterschiede zwischen den Unternehmen, die stark davon abhängen, ob der Großteil der normalen Mitarbeiter gut verdienende IT-Spezialisten sind, wie etwa bei SAP, oder eher einfache Angestellte wie bei Delivery Hero (Faktor 84) oder der Deutschen Post (Faktor 76). Am größten sind die Gehaltsunterschiede zwischen dem Vorstand und den Normalmitarbeitern laut der Vergütungsstudie aber bei Adidas (wo die Vorstände das 114-Fache der Mitarbeiter erhalten).

          In der Rangliste der Spitzenverdiener ganz oben stehen die Manager des Industriegaseherstellers Linde, der sich nach der Fusion mit dem amerikanischen Rivalen Praxair im Jahr 2018 den überaus üppigen amerikanischen Gehaltsgepflogenheiten angepasst hat. Im Schnitt erhielten die Linde-Vorstände rund 8,8 Millionen Euro. Allein dem bisherigen Linde-Chef Steve Angel, der mittlerweile an die Spitze des Verwaltungsrats gewechselt ist, wurde laut der DSW-Studie im vergangenen Jahr ein Gehalt von 19 Millionen Euro gewährt. Einbezogen sind hierbei nur Gehaltsbestandteile, die ihm für das vergangene Jahr zugeteilt wurden. Tatsächlich zugeflossen ist ihm im vergangenen Jahr noch deutlich mehr Geld, weil auch eine aktienbasierte Langfristvergütung – die über mehrere Jahre lief – zur Auszahlung kam. Nach Berechnungen der Vergütungsberatung hkp hat Linde Steve Angel in dessen letztem Jahr an der Spitze des Konzerns eine Gesamtvergütung in Höhe von rund 57 Millionen Euro ausgezahlt, einschließlich der Leistungen für die Altersversorgung.

          Aktienoptionen oft entscheidend

          Gut verdient haben neben Steve Angel der bisherige Volkswagen-Chef Herbert Diess mit 12 Millionen Euro und der SAP-Vorstandsvorsitzende Christian Klein mit 9 Millionen Euro.

          Am Ende der jetzt vorgestellten Gehaltsrangliste der DSW stehen die Vorstandsvorsitzenden des Online-Modehändlers Zalando. Sie erhalten vom Unternehmen lediglich ein Festgehalt mit Nebenleistungen in Höhe von jährlich 78.000 Euro. Allerdings mussten auch sie nicht darben: Denn neben ihrer normalen Vergütung haben die Berliner Pioniere des Onlinehandels auch sehr üppige Zuwendungen (für die beiden Gründer und Ko-Vorstandschefs Robert Gentz und David Schneider gab es jeweils mehr als 40 Millionen Euro) bekommen, allerdings nicht direkt aus der Unternehmenskasse, sondern über Aktienoptionen, die den Gründern schon im Jahr 2013, also vor dem Börsengang im Oktober 2014, zugeteilt wurden (F.A.Z. vom 8. April 2022).

          Solche langfristig angelegten Vergütungsbestandteile machen die Vergleichbarkeit der Managergehälter immer schwieriger. Je nach Methodik schwanken die ermittelten Gehälter für Spitzenmanager extrem stark. Hinzu kommt, dass Unternehmen seit dem vergangenen Jahr die Vergütung ihres Spitzenpersonals nicht mehr in Form der sogenannten Mustertabellen nach dem Deutschen Corporate Governance Kodex darstellen müssen. „Wir sehen uns einem kaum durchschaubarer Datendschungel gegenüber, den ein verständiger Durchschnittsaktionär sicher nicht mehr durchblickt“, klagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie. Viele Begriffe würden von den Unternehmen jetzt sehr unterschiedlich interpretiert. Die Vergütungsberichte der Unternehmen würden zwar immer dicker, aber leider nicht transparenter.

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