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Druckmaschinen : Manroland will alleine wieder vorankommen

  • -Aktualisiert am

Korrekturen am Konzept: Manroland verzichtet auf Fusionen und setzt auf einen Konzernumbau. Bild: dpa/dpaweb

Der Druckmaschinen-Hersteller will sich gesundschrumpfen und so die Basis für Wachstum legen. 500 weitere Stellen sollen gestrichen, die Zentrale in Augsburg konzentriert werden. Fusionspläne mit Rivalen werden ad acta gelegt.

          Der Druckmaschinen-Konzern Manroland will sich in einem weiteren Kraftakt die Strukturen verschaffen, um auf dem heftig umkämpften Markt für Druckmaschinen wieder eine gute Auslastung und neues Wachstum insbesondere in den Schwellenländern anstreben zu können. Dazu hat der Vorstand größere Umbaumaßnahmen und einen weiteren Abbau von 500 Stellen vor allem in der Verwaltung beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Konzern – offenbar mit dem Segen des Mehrheitseigners Allianz Capital Partners (ACP) – allen Gedankenspielen zu Fusionen mit Heidelberger Druck oder Koenig & Bauer (KBA) eine Absage.

          Man haben sich „ auf eine Wachstumsstrategie zur Sicherung der langfristigen Eigenständigkeit verständigt“, heißt es in einer Mitteilung. In der IG Metall und in der Belegschaft des Konzerns wurden die Pläne mit Zurückhaltung und Skepsis kommentiert. Vor einer Bewertung müsse das Konzept erst einmal genau geprüft werden, sagte der erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Walter Vogt, dieser Zeitung. Es stelle sich aber die Frage, ob es nicht auch Alternativen zu den angekündigten Personalmaßnahmen gebe, fügte er hinzu.

          Belegschaft soll schrumpfen

          Mit dem Umbau will sich der Druckmaschinen-Hersteller auf ein Auftragvolumen von künftig 1,4 Milliarden Euro ausrichten – das entspreche 70 Prozent des Rekordwertes von 2007, hieß es. Dazu will Manroland die Geschäfte künftig klarer auf die drei Standorte Augsburg, Offenbach und Plauen verteilen. Demnach soll Augsburg für die Rollendrucksysteme zuständig sein, Offenbach für die Bereiche Bogendruck und Gießerei, während Plauen die Sparte Industrielle Fertigung verantwortet. Die Herstellung von kleinen Zeitungsdruckmaschinen wird von Plauen nach Augsburg verlagert. Zugleich soll in Augsburg ein neuer Geschäftsbereich technische Dienstleistungen mit 300 Mitarbeitern aufgebaut werden, der sich auf Beratung sowie den Verleih von qualifizierten Fachkräften an Dritte konzentriert. „Damit erschließen wir uns zusätzliche Geschäftspotenziale“, erklärte der Manroland-Chef Gerd Finkbeiner. Schmerzhaft für den Standort Offenbach dürfte das Vorhaben sein, die zentralen Funktionen des Konzerns in Augsburg zu bündeln. Das könnte am Main unter dem Strich zu einem Verlust von 300 Arbeitsplätzen führen, fürchtet man im Betriebsrat und der IG Metall. Manroland teilte mit, man wolle diesen Abbau „möglichst sozialvertraglich“ gestalten. Der Umbau soll bis Mitte 2012 abgeschlossen sein.

          Konzernweit hat Manroland noch 7300 Beschäftigte unter Vertrag. Die Belegschaft soll bis Ende 2012 auf 6000 Mitarbeiter schrumpfen. Die Kürzung von 800 dieser 1300 Stellen war schon beschlossen oder ergebe sich aus natürlicher Fluktuation, hieß es. 500 weitere Stellen kommen durch den Umbau nun hinzu. Das Management rechnet dafür dem Vernehmen nach mit einem einmaligem Aufwand von 50 Millionen Euro. Die daraus resultierende Kostenersparnis soll ebenfalls 50 Millionen Euro im Jahr betragen und erstmals 2013 vollständig verbucht werden können.

          Absatz rückläufig

          Der Druckmaschinen-Hersteller leidet, wie auch seine großen Konkurrenten, unter deutlich rückläufigen Absatzzahlen in Folge der globalen Wirtschaftskrise. Hinzu kommt die strukturelle Herausforderung, dass Werbung zunehmend von Papierprodukten ins Internet verlagert wird. Da Manroland im Mehrheitsbesitz des Finanzinvestors ACP (gut 75 Prozent) ist, werden keine Bilanzen veröffentlicht.

          Die Allianz hatte im vergangenen Jahr versucht, eine Fusion zwischen Manroland und dem größeren Rivalen Heidelberger Druck herbeizuführen, an dem der Versicherungskonzern ebenfalls mit 12 Prozent beteiligt ist. Der Plan war nach monatelangen Verhandlungen allerdings gescheitert, wobei sowohl die schwierige Geschäftslage in beiden Konzernen als auch kartellrechtliche Probleme und persönliche Differenzen auf Vorstandsebene eine Rolle gespielt haben. Vor einigen Monaten hatte es kurzzeitig auch Meldungen gegeben, wonach KBA über einen Zusammenschluss mit Manroland nachdenke. Marktbeobachter vermuten nun, dass die ACP warten will, bis Manroland sich gesundgeschrumpft hat, um den Konzern dann entweder an die Börse zu bringen oder an einen anderen Finanzinvestor zu veräußern.

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