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Druckmaschinen : Heideldruck und Manroland rücken zusammen

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In der Krise: Der Druckmaschinenmarkt Bild: dpa

Die Druckmaschinenbauer Heideldruck und Manroland leiden gleichermaßen unter der Krise. Das treibt die Konkurrenten aufeinander zu. Es gibt intensive Gespräche auf höchster Ebene. Das Ziel ist ein Zusammenschluss der Unternehmen.

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          Die Fusion der beiden Druckmaschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen AG und Manroland AG rückt unter dem Druck der internationalen Absatzkrise offenbar immer näher. Die Gespräche über einen Zusammenschluss beider Unternehmen würden inzwischen „auf höchster Ebene und mit Ernsthaftigkeit“ geführt, heißt es im Umfeld der Konzerne.

          Die vermeintlich höchste Hürde könnte sich dabei als durchaus überwindbar herausstellen. Im Geschäftsfeld Bogendruck kämen die Unternehmen zusammen auf einen Weltmarktanteil von rund 65 Prozent, was ein Veto der Wettbewerbshüter vermuten ließe. In den beiden Konzernzentralen in Heidelberg und Offenbach geht man aber offenbar davon aus, dass die EU-Generaldirektion Wettbewerb, die für den Fall zuständig wäre, der Fusion unter Auflagen zustimmen würde. Manroland hat angeblich bereits die Deutsche Bank als Berater engagiert, Heideldruck setze auf die Dienste der Investmentbank Merrill Lynch.

          Der Handlungsdruck ist gewachsen

          Der krisenbedingte Verfall des Druckmaschinenmarktes erhöht den Handlungsdruck auf die Akteure. Das Fusionsprojekt, das schon in früheren Schwächephasen durchgespielt worden war, wird nun im Licht der dramatischen Verwerfungen im Druckmaschinenmarkt neu bewertet. Heidelberger Druckmaschinen, die Nummer 1 im globalen Druckgeschäft, hat im Geschäftsjahr 2008/09 knapp 3 Milliarden Euro umgesetzt und einen Nettoverlust von 250 Millionen Euro verbucht. Der Vorstand kündigte an, ein Viertel der 20.000 Stellen zu streichen. Zum Jahresauftakt hat sich die Misere fortgesetzt, das Unternehmen berichtet wie Manroland von 50 Prozent Auftragsrückgängen. Manroland hatte im vergangenen Jahr mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz zwar noch einen Betriebsgewinn erwirtschaftet, im laufenden Jahr ist das Unternehmen aber ebenfalls deutlich in die Verlustzone gerutscht.

          Heideldruck ist zwar gut doppelt so groß wie Manroland, die finanzielle Verfassung aber ist schlechter. Während Manroland mit den finanzstarken Großaktionären Allianz Capital Partner und MAN im Rücken bislang ohne Staatshilfe ausgekommen ist, hat Heideldruck nur mit 850 Millionen Euro Hilfen der öffentlichen Hand überlebt. Ein Zusammenschluss würde vermutlich eine Menge Arbeitsplätze kosten. Der Politik dürfte deshalb eine Schlüsselrolle zufallen, wurde doch die millionenschwere Staatsbürgschaft mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen begründet. Befürworter werben deshalb schon jetzt damit, dass die Fusion immerhin einen neuen großen deutschen Marktführer schaffe, ein weiterer Kapazitätsabbau in der Industrie sei ohnehin nicht zu vermeiden.

          Zurückhaltung in Baden-Württemberg

          Das Land Baden-Württemberg, das für den Großteil einer 500-Millionen-Euro-Bürgschaft an Heideldruck geradesteht, äußerte sich sehr zurückhaltend zu den Fusionsüberlegungen. Falls die Kreditlinie, die über die Landesbürgschaft abgesichert wird, im Falle einer Fusion noch nicht getilgt ist oder die Bürgschaft noch nicht zurückgegeben worden sei, müsste die öffentliche Hand als Sicherungsgeber der Übernahme der Bürgschaft zustimmen, erklärte das Wirtschaftsministerium auf Anfrage. Nur dann würde die Großbürgschaft zu Gunsten der neuen Firma weiter als Kreditsicherung wirken. „Ob dies im Falle von Manroland der Fall sein könnte, kann erst nach einer sorgfältigen Abwägung insbesondere mit Blick auf die Arbeitsplätze erfolgen, was im Moment nicht angesagt oder spruchreif ist.“ Der von der bundeseigenen Förderbank KfW gewährte 300-Millionen-Euro-Sonderkredit ist dagegen nach Darstellungen der Bank nicht an Arbeitsmarkteffekte geknüpft. Er würde auf den neuen Eigentümer übergehen.

          Für Unruhe hat bei der Manroland-Belegschaft das Gerücht gesorgt, wonach das Bogendruck-Werk in Offenbach, in dem 2500 Menschen beschäftigt sind, einer solchen Fusion zum Opfer fallen könnte. Eine Werksschließung sei überhaupt kein Thema, sagen jedoch Beobachter, die mit der Materie vertraut sind. Dies ließe sich mit der IG Metall, die sich bislang auffallend zurückhaltend gezeigt hat, auch nicht durchführen. Ebenso wenig stehe nach einem Zusammenschluss der Vertrieb des kleineren Partners Manroland auf der Streichliste, heißt es.

          Die Debatte um den zu erwartenden Abbau von Personal und Kapazitäten als Folge einer Fusion deutet allerdings auf einen der beiden größten Stolpersteine hin. Eine Fusion werde es nur „auf Augenhöhe“ geben, heißt es in Offenbach. Dies zu akzeptieren dürfte jedoch vor allem der Führungsebene des größeren Konzerns Heideldruck schwerfallen. Ein weiteres Problem wäre die rechtliche Durchführung: Heidelberger Druck ist an der Börse notiert, während Manroland zu 65 Prozent der Allianz-Tochtergesellschaft Allianz Capital Partners gehört und zu 35 Prozent dem MAN-Konzern. Die Allianz hält auch 12 Prozent an Heideldruck und hat nach Meinung vieler Marktbeobachter deshalb das größte Interesse an einer Fusion. Diese müsste jedoch den anderen Heideldruck-Aktionären erst einmal schmackhaft gemacht werden, zum Beispiel mit Anteilsscheinen an einer neu zu bildenden Holding oder einem Abfindungsangebot. Allein in der Frage der Bewertung der beiden Konzerne dürfte jede Menge Zündstoff liegen, der das Projekt wieder platzen lassen könnte, heißt es.

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