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Druck auf Lufthansa : Ryanair hat für Frankfurt noch größere Pläne

Fraport gewährt der erstmals ab Frankfurt startenden Ryanair einen Neukundenrabatt, den die großen deutschen Fluggesellschaften nicht bekommen, da sie seit langem Frankfurt ansteuern. Bild: dpa

Der Frankfurter Flughafen öffnet sich für Billigflieger und gibt ihnen Rabatte. Deutsche Fluglinien wittern einen Skandal. Fraport bekommt derweil Deckung aus der Politik.

          Vier neue tägliche Flüge werden zum Zankapfel der deutschen Luftfahrt. Für sich genommen, klingt das erstaunlich. Weil aber der irische Billigflieger Ryanair die vier Flüge losschickt und das auch noch vom Frankfurter Flughafen, der Heimatbasis des nationalen Platzhirschen Deutsche Lufthansa, wird die Erregung nachvollziehbar. Zudem kommt die Gesellschaft in den Genuss von Rabatten bei den Flughafengebühren, während die deutschen Gesellschaften seit Jahren über die hohen Forderungen des Flughafenbetreibers Fraport klagen. Fraport gewährt der erstmals ab Frankfurt startenden Ryanair einen Neukundenrabatt, den die großen deutschen Fluggesellschaften nicht bekommen, da sie seit langem Frankfurt ansteuern.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die irische Billigfluggesellschaft mit 350 Flugzeugen macht zum kommenden Sommerflugplan Deutschlands größten Flughafen zu ihrer 85. Basis. Ryanair stationiert dort zwei Jets, wie die F.A.Z. gestern exklusiv berichtete. Ab Ende März 2017 werden sie täglich nach Palma de Mallorca, Alicante und Malaga in Spanien sowie ins portugiesische Faro fliegen. „Das ist nicht so bedeutend für die Banker in Frankfurt, sondern mehr für die Leute, die Sonne suchen“, sagte Ryanair-Manager Kenny Jacobs am Mittwoch in Frankfurt.

          Ryanair nutzt mit dem Schritt nach Frankfurt zunächst die Schwäche der angeschlagenen Air Berlin für sich. Die Gesellschaft steht vor einer Aufspaltung und könnte sich im Zuge dessen von Urlaubsverbindungen ab Frankfurt zurückziehen, darunter die Flüge nach Palma de Mallorca, dem zweitwichtigsten Zielflughafen im deutschen Feriengeschäft, der bei anhaltender Scheu vor Türkei-Reisen Antalya vom Spitzenplatz verdrängen könnte. Die aufkommensstarke Strecke ist auch interessant für die neue Ferienflugholding, die mit TUI fly und dem Air-Berlin-Großaktionär entstehen soll. Nun funken Ryanair und ihr Vorstandschef Michael O’Leary dazwischen.

          Für den Lufthansa-Konzern erscheint derweil absehbar, dass sich die Iren in Frankfurt nicht dauerhaft auf Urlauberstrecken konzentrieren werden. „Deutschland steht für uns im Fokus“, sagte Ryanair-Manager Kenny Jacobs am Mittwoch. Man hoffe, im neuen Jahr zur Vorstellung eines Flugplans für den Winter 2017/18 nach Frankfurt zu kommen, der viel größer sei, als der nun präsentierte Sommerflugplan. Und für alle neuen Verbindungen wird es Nachlässe bei den Flughafengebühren geben, sofern die neue Gebührenordnung genehmigt wird. Der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte rechnet für die nächsten zwei Wochen damit.

          Ab 2018 auch Eurowings in Frankfurt?

          Die deutschen Fluggesellschaften zeigen sich derweil erbost, dass ausgerechnet der größte Flughafen des Landes nun Ryanair auf diese Weise auf den Hof lässt. „Es kann nicht sein, dass Wettbewerbern mit unzulässigen Vorzugsbedingungen der rote Teppich ausgerollt wird, und diejenigen die Zeche für Herrn O’Leary zahlen sollen, die seit vielen Jahren mit hohen Entgelten den Infrastrukturausbau in Frankfurt finanzieren“, sagte Michael Engel, Geschäftsführer des deutschen Fluggesellschaftenverbands BDF dieser Zeitung. Condor-Chef Ralf Teckentrup schätzte den Nachlass über mehrere Jahre auf 15 bis 20 Prozent.

          Eine Bestätigung dieser Kalkulation gab es von Fraport nicht. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr sah sich am Mittwoch mit ironischen Worten Michael O’Leary gar zu Dank verpflichtet, dass der nun für sinkende Flughafengebühren in Frankfurt sorge. Spohr erwägt, ab 2018 auch seine Billigmarke Eurowings nach Frankfurt zu schicken. Unklar blieb, ob der Lufthansa-Tochtermarke Eurowings Nachlässe verweigert wurden, wie es Spohr andeutete. Fraport-Chef Schulte sagte, dass es mit Eurowings noch keine Verhandlungen gegeben habe.

          Der Flughafenchef wies alle Angriffe gegen das angestrebte Fraport-Gebührenmodell zurück. „Für jede Fluggesellschaft gilt das gleiche“, entgegnete er zu Vorwürfen, Ryanair würden Sonderkonditionen eingeräumt. Auch die Lufthansa werde Ermäßigungen beanspruchen können, wenn sie neue Strecken auflegt. Solche Nachlässe – Schulte sprach konsequent von „Incentives“ – seien an vielen Flughäfen üblich. „Es wird erwartet, dass wir Flughäfen uns an den Markteinführungskosten für neue Strecken beteiligen“, sagte er zum Verhältnis von Fluggesellschaften und Flughäfen.

          „Wir erwarten, dass sich der Trend weiter fortsetzt.“

          Gestützt wurden seine Worte vom hessischen Wirtschaftsministerium, das vom Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir geführt wird, der in der Vergangenheit mit einer skeptischen Haltung gegenüber den Flughafen auffiel. Das Ministerium, das den Fraport-Plan genehmigen muss, teilte mit, die angedachten Gebühren-Rabatte seien nicht gesetzlich verboten. Es sei bislang auch nicht zu erkennen, dass Fraport eine „Lex Ryanair“ schaffen wolle. Vorsorglich schloss Ryanair-Vorstand David O’Brien am Mittwoch aus, dass die Billigfluggesellschaft ihre Frankfurt-Offensive noch einmal überdenken könnte, falls die Rabatte doch nicht genehmigt würden. „Wir sind jetzt hier und wir werden nicht weggehen“, sagte er.

          Ryanair will nach seinen Worten seinen Marktanteil im deutschen Luftverkehr von aktuell 7 Prozent auf 20 Prozent ausbauen. Auf den Hunsrück-Flughafen Hahn, den Ryanair auch mit dem Namen Frankfurt bewirbt, solle die Frankfurt-Offensive keine Auswirkungen haben. In Frankfurt rechne man anfänglich mit 400.000 Passagieren, am Flughafen Hahn seien es mehr als zwei Millionen.

          Fraport-Chef Schulte verteidigte derweil die stärkere Öffnung des Flughafens für Billigfluggesellschaften, die in Frankfurt bislang kaum eine Rolle spielen. Deren Geschäft sei das am stärksten wachsende Segment in der Luftfahrt. „Wir erwarten, dass sich der Trend weiter fortsetzt.“ Für Fraport bestehe die Gefahr, dass sich das Einzugsgebiet für Deutschlands größten Flughafens verkleinere, da Billigfluggesellschaften für mehr Verbindungen an anderen Flughäfen gesorgt haben. „Wir sehen schon heute, dass Reisende aus Limburg und nördlich davon, sowie aus Karlsruhe andere Angebote sehen und seltener auf den Frankfurter Flughafen zurückgreifen“, sagte er.

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