https://www.faz.net/-gqe-8hd37

Amerikanisches Unternehmen : Dropbox wagt sich nach Deutschland

Dropbox-CEO Drew Houston Bild: AFP

Der Online-Speicherdienst Dropbox eröffnet seine erste Niederlassung in Deutschland. Und hat ein großes Ziel im Blick.

          Vor kurzem hat der Online-Speicherdienst Dropbox die Marke von 500 Millionen Nutzern geknackt, doch Oliver Blüher findet, da ist noch Luft nach oben. Schließlich gebe es gut zwei Milliarden mobile Internetnutzer, drei Viertel von denen habe man also noch gar nicht erreicht. Gerade in Regionen mit einer schwachen Infrastruktur wachse die Zahl der Internetnutzer drastisch – und mit geringen Bandbreiten, also einer langsamen Internetverbindung, würde der Speicherdienst trotzdem zuverlässig funktionieren.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Blüher muss das sagen, schließlich arbeitet er für das Unternehmen, allerdings nicht in einem Entwicklungsland, sondern in Hamburg. Blüher ist Geschäftsführer für Deutschland, Österreich, die Schweiz sowie Skandinavien und eröffnet an diesem Montag die erste Niederlassung von Dropbox in Deutschland. Hierzulande hat nach Unternehmensangaben zwar bereits jeder dritte Internetnutzer einen Dropbox-Account, doch offenbar sieht der Online-Speicherdienst hier Wachstumspotential. 75 Prozent der Nutzer kommen nach Angaben von Dropbox von außerhalb der Vereinigten Staaten, in Europa Filialen aufzubauen erscheint daher logisch.

          „Für uns sind alle Daten gleich schützenswert“

          Der Markt um die Datenspeicherung ist allerdings hart umkämpft, ein Großteil der Dropbox-Nutzer ist zudem ausschließlich für kostenlose Konten angemeldet. Bei Bezahlanwendungen konkurriert Dropbox etwa mit Anbietern wie Box.com, Zahlen zur Verteilung der Nutzer gibt das Unternehmen nicht heraus. Genauso wenig zu Gewinnen, der Umsatz für das vergangene Jahr wird auf 500 Millionen Dollar geschätzt. Dropbox wird mit 10 Milliarden Dollar bewertet.

          Rasant gewachsen ist das Unternehmen jedenfalls, 2007 gegründet, hat es nach fünf Jahren 100 Millionen Nutzer gezählt, nun innerhalb von neun Monaten die gleiche Anzahl dazugewonnen. Dabei geholfen hat die virale Verbreitung: Wer Dropbox empfiehlt, bekommt gratis Speicherplatz, wer etwa bestimmte Android-Geräte benutzt, auch. Eine Zeitlang warb Dropbox damit, dass man mehr Platz in der Wolke bekommt, wenn man sein Konto besser schützt, mit einer sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung.

          Unsicherheit wurde dem Unternehmen oft vorgeworfen, auch, weil die Server vor allem in den Vereinigten Staaten stehen. Mit besonderen Sicherheits-Zertifikaten arbeitet das Unternehmen dagegen, Ende des Jahres können deutsche Unternehmenskunden ihre Daten auch auf Servern in Deutschland speichern, Dropbox arbeitet dort mit den Webservern des Online-Händlers Amazon.com zusammen. Einen Sicherheits-Unterschied zwischen den Daten von zahlenden Kunden und Umsonstnutzern mache man nicht: „Für uns sind alle Daten gleich schützenswert“, sagt Adrienne Gormley, die sich von Dublin aus um die Nutzerzufriedenheit kümmert. Obwohl das Unternehmen angibt, nicht zu wissen, welche Inhalte gespeichert werden, misst Dropbox ziemlich genau, welche Dateien es sind. Zwar ist das Unternehmen unter Privatnutzern vermutlich vor allem für die Ablage von Fotos bekannt, doch 75 Prozent der gespeicherten Dateien sind nach Angaben des Unternehmens Arbeitsdokumente, vor allem Excel-Tabellen. Daher drängt Dropbox in den Markt mit Firmenkunden. „Dropbox ist keine Ablage, sondern ein Netzwerk“, sagt Blüher im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Doch genau gegen dieses Image kämpft der Online-Speicherdienst noch. Zwar bietet auch Dropbox an, dass man in der Cloud gemeinsam Dokumente bearbeiten kann, doch hat Google mit seinen Dokumenten dort eine größere Bekanntheit. Zudem zeigt eine aktuelle Auswertung von Skyhigh Networks – einen Unternehmen, das auswertet, welche Online-Dienste Unternehmen nutzen –, dass die Office-Programme von Microsoft derzeit besonders schnell wachsen. Dropbox hat den Trumpf, dass viele der Gratis-Kunden den Cloud-Service privat nutzen – dass das auch ganzen Unternehmen nutzen kann, davon muss Blüher sie nun überzeugen. Immerhin ist Dropbox nun näher an den Geschäftskunden dran.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Anschläge auf Sri Lanka : „Er war doch noch so jung“

          Einen Tag nach den Anschlägen auf Sri Lanka werden die Trümmer weggeräumt, und die Angehörigen der Opfer trauern um die Toten. Fragen nach dem Sinn werden mit betretenem Schweigen beantwortet. Ein Besuch in einem Urlaubsparadies, dessen Bevölkerung gespalten ist.
          Mikroskopische Aufnahme von kristallinen Nanobändern aus schwarzem Phosphor. Die Dicke der Bänder variiert zwischen  einer (links) und fünf Atomlagen (rechts).

          2D-Materialien : Konkurrenz für das Wundermaterial?

          Graphen gilt als das perfekte 2D-Material. Seine Eigenschaften sind unschlagbar. Doch filigrane Nanobänder aus Phosphor könnten den dünnen Kohlenstoff-Schichten bald den Rang ablaufen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.