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Sportartikelbranche : Droht Under Armour das Schicksal von Rebook?

Passanten vor einem Under-Armour-Laden in Manhattan. Der Sportartikelhersteller steht derzeit mächtig unter Druck. Bild: AFP

Der einstige Senkrechtstarter der Sportartikelbranche ist ins Straucheln geraten. Nun werden sogar Vergleiche mit Adidas’ schwächelnder Marke Reebok gezogen.

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          Ob Kevin Plank inzwischen bereut, was er vor drei Jahren über Adidas gesagt hat? Der als aggressiv und kampflustig bekannte Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Sportartikelherstellers Under Armour nannte die Deutschen damals seinen „dümmsten Wettbewerber“. Zu dieser Zeit galt Under Armour als Senkrechtstarter der Branche. Die Amerikaner lösten Adidas hinter Spitenreiter Nike zwischenzeitlich sogar als zweitgrößte Sportartikelmarke auf ihrem Heimatmarkt ab.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber die Verhältnisse haben sich zum Leidwesen von Under Armour wieder geändert. Wie sehr, ist in den vergangenen Tagen deutlich geworden. Adidas hat einmal mehr glänzende Geschäftszahlen vorgelegt, und insbesondere auf dem Heimatmarkt von Under Armour und Nike schlagen sich die Deutschen prächtig. Dagegen musste sich Under Armour vernichtende Worte von einem seiner wichtigsten Kunden aus dem Einzelhandel anhören.

          Ed Stack, der Vorstandsvorsitzende der großen amerikanischen Sportkette Dick’s Sporting Goods, sprach bei der Vorlage der Quartalszahlen von „erheblicher Schwäche“ bei Under Armour, wohingegen sich Adidas und andere Marken gut entwickelt hätten. In einem weiteren Seitenhieb sagte er, er sei mit Blick auf kommende Produkte von Adidas und auch von Nike „enthusiastisch“. Under Armour erwähnte er in diesem Zusammenhang mit keinem Wort.

          Verramscht

          Als Grund für die Schwäche von Under Armour führte Stack „die erweiterte Distribution“ und ein damit verbundenes „stark von Sonderangeboten geprägtes Umfeld“ an. Soll heißen: Die vormals so begehrte Marke ist zu einem gewöhnlichen Massenprodukt verkommen, das in billigeren Handelsketten verramscht wird.

          Under Armour hat beispielsweise vor geraumer Zeit angefangen, seine Produkte bei der Warenhauskette Kohl’s zu verkaufen, und Allianzen wie diese haben Bedenken geweckt, dass das Unternehmen seine Marke verwässert. Analyst Sam Poser von Susquehanna Financial stufte kürzlich die Aktie von Under Armour herab und verglich das Unternehmen dabei mit Reebok, der amerikanischen Marke, die seit 2006 zu Adidas gehört und den Deutschen bis heute Sorgen macht. Auch Reebok habe einst seine Distribution auf billigere Vertriebskanäle erweitert und damit seine Marke „fast tödlich beschädigt“. Under Armour drohe ein ähnliches Schicksal, wenn die Marke sich nicht wieder auf den gehobenen Handel zurückbesinne.

          Wie Adidas in dieser Woche mitteilte, ist der Umsatz von Reebok zwar im vergangenen Jahr um vier Prozent gewachsen, allerdings gab es auf dem nordamerikanischen Markt ein Minus. Insgesamt aber hat sich Adidas in der Region mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von 27 Prozent glänzend geschlagen.

          Under Armour

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          Under Armour meldete dagegen kürzlich für seinen Heimatmarkt einen Umsatzrückgang von fünf Prozent. Immerhin macht sich Großkunde Dick’s Sporting Goods Hoffnung, dass es für das Unternehmen wieder aufwärts gehen kann. „Ich denke, Under Armour wird wieder zurückkommen,“ sagte Vorstandschef Stack.

          Ein Lichtblick ist auch, dass die Geschäfte nicht überall schlecht laufen. Außerhalb Nordamerikas schaffte Under Armour im vergangenen Jahr ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 47 Prozent. Das ist allerdings nur ein recht kleiner Trost, denn Under Armour ist nicht annähernd so global aufgestellt wie Adidas oder Nike. Der Heimatmarkt steht noch immer für mehr als drei Viertel des Umsatzes.

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