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Drogerien : DM verkauft jetzt auch Medikamente

  • Aktualisiert am

Neuer Anlauf gegen das Apotheker-Monopol: DM versucht es in 80 Geschäften Bild: dpa

Die Drogeriekette DM legt sich wieder mit den Apotheken an und lanciert einen Bestellservice für Medikamente. Möglich wird das Angebot durch die Kooperation mit einer Apotheke in Holland. Zunächst gibt es den Service in 80 Geschäften.

          Nach jahrelangem Rechtsstreit steigt in Deutschland erstmals eine Drogeriekette in großem Umfang in das lukrative Medikamentengeschäft ein. Der bundesweit zweitgrößte Drogerie-Betreiber DM in Karlsruhe wird in zunächst 80 Filialen in Nordrhein-Westfalen apothekenpflichtige Medikamente abgeben. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Größte Drogeriekette in Deutschland ist mit großem Abstand Schlecker (siehe Kasten).

          Der Service, den DM nun anbieten will, ist eine Kooperation mit einer niederländischen Versandapotheke in Venlo. Ein Test in acht Filialen im Rheinland sei erfolgreich gewesen, das Angebot solle nun nach und nach bundesweit ausgedehnt werden.

          Die Justiz macht es möglich

          Möglich wurde die Medikamentenabgabe durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) für Nordrhein-Westfalen in Münster (Az.: 13 A 1314/06). Das Vertriebskonzept verstoße weder gegen das Arzneimittel- noch gegen das Apothekenrecht, hatte das Gericht im vergangenen November befunden und keine Revision zugelassen. Die Apotheker-Organisationen hatten bestürzt auf das Urteil reagiert.

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          „Bei der Zusammenarbeit mit der Europa Apotheek Venlo erbringt DM eine logistische Dienstleistung“, erklärte DM-Geschäftsführerin Petra Schäfer am Mittwoch. Bei nicht rezeptpflichtigen Produkten sei eine Kostenersparnis von bis zu 40 Prozent möglich. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten garantiere die Versandapotheke einen Bonus von mindestens 2,50 Euro und maximal 15 Euro pro Präparat. Die Patienten müssen allerdings bis zu drei Tage auf ihre Medikamente warten. Der Bestell- und Abholservice richtet sich vor allem an chronisch kranke Menschen, die ihren Medikamentenbedarf absehen können.

          Kein Verkauf an der Kasse

          Für den persönlichen Verkauf der Medikamente haben die herkömmlichen Apotheken weiterhin das Monopol. Daher können die Arzneimittel in den DM-Märkten weder an der Kasse bezahlt werden, noch dürfen die Drogerie-Mitarbeiter Auskünfte zu den Medikamenten erteilen. Die Bezahlung erfolgt per Überweisung oder Bankeinzug. Die DM-Märkte, bei denen eine Medikamentenbestellung möglich ist, hat das Unternehmen durch einen „Pharma-Punkt“ gekennzeichnet. Sie liegen derzeit in den Ballungsgebieten um Düsseldorf, Duisburg, Essen und Oberhausen.

          Die Drogeriemarktkette hatte im Juni 2004 damit begonnen, in acht Testfilialen in Düsseldorf, Krefeld, Mönchengladbach und Viersen den Bestell- und Abholservice anzubieten. Die Stadt Düsseldorf hatte dies zunächst verboten, weil sie darin einen Verstoß gegen das Arzneimittelrecht sah. Das Verbot war dann durch das OVG-Urteil aufgehoben worden. Das Unternehmen erzielte nach eigenen Angaben mit rund 16.000 Beschäftigten im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2006/07 einen Umsatz von 1,47 Milliarden Euro.

          In Deutschland betreibt die Kette rund 900 Filialen. Hinzu kommen in etwa noch einmal so viele im Ausland - vor allem in Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und in Balkan-Ländern.

          Die größten Drogerieketten in Deutschland:

          Schlecker mit 10.800 Filialen und 5,6 Milliarden Euro Umsatz

          DM-Drogeriemärkte mit 869 Filialen in Detuschland und 2,7 Milliarden Euro Umsatz

          Rossmann mit 1225 Filialen und 2,2 Milliarden Euro Umsatz

          Müller mit 387 Filialen und 1,8 Milliarden Euro Umsatz

          Ihr Platz mit 683 Filialen und 695 Millionen Euro Umsatz

          Kloppenburg mit 161 Filialen und 286 Millionen Euro Umsatz

          Budni mit 105 Filialen und 288 Millionene Euro Umsatz

          (Stand: Ende 2006, Quelle: Lebensmittel-Zeitung)

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