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Drogeriekette will sich wandeln : Die netten Schleckers von nebenan

  • -Aktualisiert am

So sehen also die Schleckers aus? Die Geschwister Lars und Meike Schlecker Bild: © Benno Kraehahn

Die Drogeriekette Schlecker leidet unter einem miesen Ruf. Jetzt zeigen die Kinder des Gründers Gesicht. Alles soll anders und besser werden.

          Früher klang Schlecker irgendwie anders. Einsilbig. Abweisend. Zwei Minuten dauerten Telefonate mit der Zwei-Mann-Pressestelle der Drogeriemarktkette. Denn deren Sprecher sagte einfach nichts. Er durfte auch gar nicht sprechen, über gar nichts.

          Nicht über die Bespitzelung von Kassiererinnen: „Verzeihung, dazu äußern wir uns nicht.“ Nicht über die Löhne unter Tarifniveau: „Dazu kann ich wirklich nichts sagen.“ Nicht über das Filialsterben, den Umsatzschwund, die Schelte von Ministern oder der Kanzlerin. „Ich bitte Sie um Verständnis...“

          Diese Zeiten liegen jetzt endgültig hinter Schlecker. Heute meldet sich eine frohgemute Stimme am Telefon. „Rufen Sie gerne jederzeit an, va bene, ciao!“, flötet der Schlecker-Sprecher am Ende eines langen Wortschwalls. Ein PR-Profi hat das Ruder übernommen in Ehingen bei Ulm.

          Anton Schlecker auf einem Archivbild aus dem Jahr 1999

          Was sehen die jungen Leute sympathisch aus

          Er darf eine Menge erzählen. Dass Schlecker an einer neuen Strategie feilt, sich ganz neu erfindet, mit neuem Logo, neuem Sortiment, neuem Design und neuerdings (ach was: längst!) gut bezahlten, zufriedenen Mitarbeitern. Als wäre das nicht Sensation genug, erzählt Familie Schlecker all dies jetzt sogar selbst.

          Zum allerersten Mal haben sich die Kinder des Schlecker-Gründers Anton der Öffentlichkeit vorgestellt. Und was sehen die jungen Leute sympathisch aus. Frisch, attraktiv, kompetent, freundlich wirken sie auf den Bildern in der milden Herbstsonne, vor goldenem Herbstlaub. Lars ist 39, Meike 37 Jahre jung. Ein Exklusiv-Interview im „Manager-Magazin“ ist ihr erster großer Auftritt in den Medien.

          So sehen also die Schleckers aus? Die Familie, die Kameras in ihren Läden anbringen ließ, um Kassiererinnen heimlich zu filmen? Die Schleckers, die Mitarbeiter feuerten, um sie für einen Stundenlohn unter 6 Euro bei der hauseigenen Zeitarbeitsfirma wieder einzustellen? Die Schleckers, deren Praktiken Arbeitsministerin Ursula von der Leyen an den „Wilden Westen“ erinnerten? Das kann doch nicht sein. Mit goldblondem Pferdeschwanz (sie) und dunklem Lockenschopf (er), mit verträumter Miene und gepflegtem Business-Outfit könnten die Geschwister auch Dirigenten in Bayreuth sein, oder Erfinder eines neuen Programms für Mikrokredite.

          Die Familie musste immer mehr Läden dicht machen

          Genau diese Reaktion wollten die Schlecker-Kinder wohl bewirken. Das unsoziale Image ihres Imperiums lässt den Umsatz bröckeln. Beim Ausbeuter Schlecker zu kaufen, das ist in manchen Kreisen so verwerflich, wie Eier aus Käfighaltung zu kaufen. Oder Atomstrom gut zu finden.

          Was die Kommunikation angeht, „sind wir in der Vergangenheit sicher sehr zurückhaltend gewesen, worunter auch unsere Reputation gelitten hat“, sagt Meike Schlecker. Seit sich außerdem bei den Kunden herumgesprochen hat, dass Schlecker nur billig aussieht, aber nicht billig ist, musste die Familie immer mehr Läden dicht machen. 100 Schließungen im Monat zählt die Gewerkschaft Verdi, 3000 in den vergangenen drei Jahren. In der Zeit habe Schlecker operativ 130 Millionen Euro Verlust gemacht, schätzt die „Lebensmittelzeitung“.

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