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Drogeriekette will sich wandeln : Die netten Schleckers von nebenan

  • -Aktualisiert am

Lange hat die Familie, die stets ohne Bankkredite auskam, den Verlusten zugesehen, jetzt will sie das Steuer herumreißen und 230 Millionen Euro in ein neues Image und eine neue Strategie investieren. Und dazu gehört, das haben die Kinder durchgesetzt, sich freundlich und offen zu zeigen - so ziemlich das Gegenteil der Strategie von Papa Anton, den Verdi schon mal als „Tyrann mit frühkapitalistischen Allüren“ charakterisierte.

Jetzt hat er gleich drei Beratungsfirmen angeheuert

Der 66 Jahre alte Schwabe gibt selten Interviews, schon gar nicht im Fernsehen, und nie Pressekonferenzen. Fotos von ihm sind eine Rarität. Dass er gern Versace-Hemden trägt, rasante Autos fährt und seine Frau vor 40 Jahren beim Tanztee in Göppingen traf, diese Informationsbrocken klauben Berichterstatter aus den Archiven zusammen, wenn Schlecker Geburtstag feiert oder ein neuer Skandal ansteht. Außerdem gewährt der Drogeriekönig seinem Hausblatt, der Ulmer „Südwestpresse“, regelmäßig Interviews und streut dabei ein paar Unternehmenszahlen ein. Zum Abschreiben für die anderen Schreiberlinge.

Jetzt hat dieser Mann, der immer als beratungsresistent galt, drei Beratungsfirmen angeheuert: Eine Mittelstandsberatung für die Strategie, eine Werbeagentur für das Marketing und eine österreichische Beratung für das Design der Läden. Seit Monaten werde der Strategiewechsel vorbereitet, sagt sein Sprecher.

Von seinen Kindern, die an renommierten Business-Schools in Berlin und Barcelona studiert haben, hat der Vater in seinen Interviews oft berichtet. Sie arbeiteten fleißig mit, pflegte er zu sagen, aber hätten „keine direkte Ressortzuständigkeit, weil sie als Generalisten geschult werden sollen“. Auch jetzt ist noch nicht klar, wie viel die Schlecker-Sprösslinge wirklich zu melden haben, ob sie auch offiziell Führungspositionen innehaben. „Solche Fragen stellen sich doch bei einem Familienunternehmen nicht“, sagt der Sprecher. Da redeten alle über alles.

Schlecker setzte später 1 Million Mark als Belohnung auf die Entführer aus

Das Ressort „Schutz und Schild für Anton Schlecker“ haben seine Kinder jedenfalls übernommen. „Er ist ein Geschäftsmann, kein Unmensch“, verteidigt Lars Schlecker seinen Vater. Und die Schwester findet: „Wir haben zu lange auf uns einprügeln lassen.“ Schon als Kinder habe der Vater sie mitgenommen in die Zentrale, ihnen „alles gezeigt“. Jeden Montag setze man sich zusammen, berichtet Meike. Die ganze Familie arbeite auf einem Flur. „Die Wege sind sehr kurz. Da ruft man schon mal kurz ins andere Büro.“

Die Familie wirkt harmonisch, wohl auch zusammengeschweißt durch ein furchtbares Erlebnis: Ende 1987 wurden die Schleckers nach der Rückkehr von einer Weihnachtsfeier in ihrer eigenen Villa von drei Gangstern überfallen. Die Kinder wurden als Geiseln in eine abgelegene Hütte verschleppt, während Vater Schlecker das Lösegeld auftreiben sollte. Die Polizei konnte Anton nicht rufen, dafür gelang es dem schwäbischen Kaufmann, das Lösegeld zu drücken - von 18 auf 9,6 Millionen Mark, genau die Summe, mit der er versichert war.

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