https://www.faz.net/-gqe-70dw0

Drogeriekette : Schlecker-Gläubiger beschließen das endgültige Aus

Auch dieser Schlecker-Markt ist geschlossen. Bild: dpa

Bisher wurden im Insolvenzverfahren 665 Millionen Euro Forderungen angemeldet - auch von Meike und Lars Schlecker. Doch der Insolvenzverwalter verteidigt die Familie.

          2 Min.

          Das Ende der Drogeriemarktkette Schlecker ist nun auch von der Gläubigerversammlung besiegelt worden. „Die Stilllegung des Geschäftsbetriebs von Anton Schlecker e.K. ist mit großer Mehrheit beschlossen worden“, sagte der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach der Versammlung in Ulm, die von Protesten einiger hundert Schlecker-Mitarbeiter begleitet wurde.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Eine Fortführung wäre nicht zu vertreten gewesen, weil weiterhin Verluste aufgelaufen wären. Geiwitz sagte, seiner Schätzung nach könnten durch den Verkauf der verbliebenen Waren, der Immobilien sowie der übrigen Gesellschaften des Drogeriekonzerns etwa 500 bis 700 Millionen Euro erlöst werden. Die Höhe der bisher angemeldeten Forderungen bezifferte er auf 665 Millionen Euro.

          Die Schlecker-Familie meldet mehr als 120 Millionen Euro Forderungen an

          Größter Gläubiger ist der Kreditversicherer Euler Hermes mit rund 300 Millionen Euro Forderungen. Weitere Gläubiger sind die Agentur für Arbeit, das Finanzamt, aber auch zahlreiche Mitarbeiter, die noch auf die Vergütung von Überstunden warten. Die Kinder von Anton Schlecker, Lars und Meike Schlecker, sollen jeweils knapp 50 Millionen Euro Forderungen angemeldet haben, die familieneigene Logistikfirma LDG 76 Millionen Euro. Ausdrücklich verteidigte der Insolvenzverwalter die Familie Schlecker. Medienberichte, wonach Vermögen transferiert worden sei, um es vor dem Zugriff möglicher Gläubiger zu schützen, nannte er „reine Spekulation“.

          Planmäßig überprüfe man die Übertragungen vor allem in den vergangenen vier Jahren besonders genau, wobei sich der Firmengründer sehr kooperativ zeige. „Auch wenn die Prüfungen noch nicht endgültig abgeschlossen sind, lässt sich doch sagen, dass die Insolvenzverwaltung auf nichts gestoßen ist, was die Insolvenz hätte verhindern oder die Restrukturierung hätte sichern können.“ Kritiker könnten der Familie vieles vorwerfen - etwa, dass sie zu spät auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten reagiert habe. Geiwitz wies darauf hin, dass Anton Schlecker 460 Millionen Euro allein seit 2008 in sein Unternehmen gesteckt habe.

          Mit der Arbeitnehmerseite werde nun über einen Interessenausgleich gesprochen, kündigte Geiwitz an. Voraussichtlich Ende Juni würden mehr als 13.000 Kündigungen ausgesprochen. Die rund 5000 Mitarbeiter der Tochtergesellschaften „Ihr Platz“ sowie „Schlecker XL“ dürfen sich Hoffnung machen, ihren Arbeitsplatz zu behalten, weil der Münchener Investor Dubag die Geschäfte übernimmt, wie offenbar auch das Online-Geschäft.

          Allerdings warnte der Kreditversicherer Euler Hermes davor, zu früh Versprechungen zu machen. Tatsächlich muss die zwischen Insolvenzverwalter und Investor ausgehandelte Lösung von den Sicherungsgläubigern, mithin also von Euler Hermes, und vom Insolvenzgericht gebilligt werden, bevor sie wirklich realisiert wird. „Wichtig ist, dass es ein solides Konzept gibt und dass man sich finanziell einigt“, sagte ein Sprecher von Euler Hermes: „Die Verhandlungen laufen. Details werden nicht kommuniziert“, fügte er hinzu. Euler Hermes hat einen Teil seiner Forderungen durch Waren abgesichert, deren Werthaltigkeit offenbar unterschiedlich beurteilt wird.

          Weitere Themen

          Die Wirtschaft wird zweigeteilt

          Ifo-Index fällt : Die Wirtschaft wird zweigeteilt

          Die steigenden Corona-Neuinfektionen haben den Ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober um 0,5 auf 92,7 Zähler gedrückt. Der Dienstleitungssektor leidet besonders, anderswo sieht es schon wieder deutlich besser aus.

          Topmeldungen

          Auch im eigenen Heimatstaat Kentucky wird es knapp: Mitch McConnell

          Mitch McConnell : Der Architekt des Supreme Court

          Sollte der Senat heute für Amy Coney Barrett stimmen, hätte der republikanische Mehrheitsführer drei Richter an den Obersten Gerichtshof Amerikas gebracht. Das wäre sein politisches Vermächtnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.