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Drogeriekette DM : Das Gute gewinnt

DM-Filiale im Frankfurter Nord-West-Zentrum Bild: Kien Hoang Le

DM ist anders. Beseelt von einem anthroposophischen Weltbild eilt die Drogeriemarktkette seit Jahren von Erfolg zu Erfolg. Der Schub aus der Schlecker-Pleite werde überschätzt, sagt Geschäftsführer Erich Harsch.

          Erich Harsch hat es geahnt. Schon im April äußerte er Zweifel, ob der österreichische Unternehmer Rudolf Haberleitner die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker unter dem Namen Dayli in Deutschland zu neuem Leben erwecken könne. Jetzt, nachdem Haberleitner Insolvenz anmelden musste, sieht sich der Geschäftsführer der größten deutschen Drogeriemarktkette DM bestätigt. Nein, das Aus habe ihn nicht überrascht, sagt er. „Dayli hatte kein wettbewerbsfähiges Konzept“ - der Investor sei von Anfang an viel zu optimistisch herangegangen.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Noch im Frühjahr hatte Haberleitner angekündigt, in diesem Jahr 400 Filialen in Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zu eröffnen. Daraus wird nun nichts. Trotzdem sagt Harsch, die Insolvenz habe keine Auswirkungen auf sein Unternehmen. DM konzentriere sich auf die eigenen Stärken und sei schon vor der Schlecker-Pleite aus eigener Kraft jährlich zweistellig gewachsen. Tatsächlich hatte die Marktbedeutung von Schlecker im reinen Drogerieartikelmarkt über die Jahre abgenommen. Dennoch haben die drei verbliebenen großen Wettbewerber DM, Rossmann und Müller von dem Aus profitiert: Immerhin sind alleine in Deutschland 7000 Schlecker-Verkaufsstellen weggefallen.

          Groß und innerstädtisch, statt klein und dunkel

          Die Umsätze von DM legten in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres um 16,2 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro zu. Etwa ein Drittel dieses Wachstums habe Schlecker verursacht, schätzt Harsch. Auch der Ausbau des Filialnetzes hat durch die Pleite des Konkurrenten Fahrt aufgenommen: Wenn in einer ländlichen Gegend mehrere kleine Schlecker-Filialen fehlen, werde DM von Vermietern angesprochen, um einen neuen, zentralen Standort zu eröffnen. 130 neue Märkte, „vielleicht mehr“ will DM in diesem Jahr in Deutschland eröffnen, 1417 sind es zurzeit. Etwa dieselbe Zahl kommt in Österreich und den Balkan-Ländern hinzu. Gruppenweit nähere sich die Zahl der Mitarbeiter der Marke von 50.000. In diesem Jahr will DM erstmals mehr als 7,5 Milliarden Euro umsetzen - im Vorjahr waren es 6,87 Milliarden Euro.

          Das Scheitern von Schlecker hat den rasanten Aufstieg von DM ohne Frage beschleunigt, ursächlich dafür war er aber nicht. Der Niedergang der kleinen, meist als dunkel und wenig attraktiv empfundenen Schlecker-Läden und der Aufstieg der großen, oft innerstädtisch gelegenen Märkte - nicht nur von DM, sondern auch von Rossmann und Müller - folgen einem langen Trend. Dabei hat sich DM stets als Antipode von Schlecker verstanden, als Kämpfer des Guten gegen das Böse. Hier die von dem Anthroposophen Götz Werner gegründete DM, wo Haltung angeblich wichtiger ist als Gewinn. Ein Unternehmen, das sich als soziale Einheit versteht, mit dem Ziel, den Kundennutzen zu maximieren. Das die Mitarbeiter mit Theaterkursen schult, ihnen nach eigenem Bekunden Spielräume bei der Festlegung von Gehalt und Zielen lässt und auch sonst viele Freiheiten. Und dort der öffentlichkeitsscheue Großkrämer Anton Schlecker, der seine Mitarbeiter überwacht, in dunklen Läden ohne Telefon kaserniert, sich mit Gewerkschaften streitet und dabei nicht einmal Erfolg hat. Ein Zerrbild ist das fürwahr, und doch hat es manch Wahres.

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