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Drogeriekette DM : Das Gute gewinnt

Man kann das Weltbild von DM naiv nennen oder verlogen: Schließlich verspricht auf Dauer nur mehr Gewinn auch mehr Wachstum und Beschäftigung. Man kann es auch zynisch nennen, denn natürlich verdient eine Filialleiterin nicht so viel wie der Vorsitzende der Geschäftsführung. Erfolglos aber ist das Konzept nicht. Seit zehn Jahren schon wächst die Kette im Durchschnitt um jeweils etwa 10 Prozent, und die Kundenzufriedenheit ist hoch.

Schlecker ist Geschichte, der Aufstieg von DM aber, so sieht es Harsch, wird weitergehen. Vor allem sehe er keinen Grund, warum der langjährige Megatrend nun plötzlich vorbei sein sollte, sagt er. Der Megatrend in der Brache, das ist der stetig wachsende Marktanteil der Fachmärkte. Vor fünfzehn Jahren lag ihr Anteil am Verkauf von Drogeriemarktartikeln noch bei 25 Prozent, heute sind es nach Harschs Worten 40 Prozent. Und es gebe gute Gründe, dass sich dieser Trend fortsetze, schließlich suchten die Kunden nach wie vor Beratung und ein breites Sortiment.

In der Tat haben von der Schlecker-Pleite vor allem die großen drei Ketten profitiert - bis jetzt. Nach Beobachtungen der „Lebensmittel-Zeitung“ bauen nämlich auch sogenannte Vollsortimenter wie Rewe und Edeka ihre Drogeriemarktabteilungen „in Richtung Wohlfühlwelten“ aus, um Marktanteile zu gewinnen. Für die marktmächtigen Discounter Aldi und Lidl habe sich der Schlecker-Ausfall bislang nicht ausgezahlt, im Gegenteil: Im zweiten Halbjahr 2012 seien deren Drogeriewaren-Umsätze sogar leicht gefallen. Doch auch damit dürfte es bald vorbei sein. Rossmann-Gründer Dirk Roßmann sagte Ende Juni dieser Zeitung, die Wettbewerber seien „sehr aktiv“. Als Beispiel nannte er Aldi, wo es seit kurzem auch Markenprodukte von Nivea im Sortiment gebe. Auch der Edeka-Konzern, Deutschlands größter Einzelhändler für Lebensmittel, will nach seinen Worten noch stärker auf dieses Feld vordringen. „Man darf sich nicht in früheren Erfolgen sonnen.“

Eine Rendite zwischen 1 und 2 Prozent gilt DM als ausreichend

Roßmann befürchtet, dass der stärkere Wettbewerb die Margen belastet und die Umsatzrendite seines Unternehmens vor Steuern von 4 auf immer noch beachtliche 3,5 Prozent sinken könnte. Für DM wäre das nach eigenem Bekunden noch immer mehr als genug. Die Haltung von DM ist seit Jahren dieselbe. Eine Rendite zwischen 1 und 2 Prozent sei ausreichend. Wenn man vor Ende des Geschäftsjahres feststelle, dass es mehr werden könne, dann investiere man das Geld lieber. Obwohl nicht alle Landesgesellschaften Gewinn erwirtschaften, betrug die Rendite der DM-Gruppe im Vorjahr 1,9 Prozent. Dass Gründer Götz Werner mittlerweile für sein Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens wirbt und seine Anteile in eine Stiftung eingebracht hat, kommentierte Harsch schon vor zwei Jahren mit den Worten: Die Stiftung sei so veranlagt, dass DM weiter an der Gewinnminimierung arbeiten dürfe.

Die Drogeriemarktkette stellt sich jedenfalls auf weiteres Wachstum ein. Gerade hat die Gruppe am Stammsitz Karlsruhe von der Stadt die Freigabe für den Bau einer neuer Unternehmenszentrale erhalten. Zwischen 50 und 100 Millionen Euro will das Unternehmen investieren. Damit soll Platz geschaffen werden für mehr als 1000 Mitarbeiter.

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