https://www.faz.net/-gqe-70bcy

Drogerie-Pleite : Insolvenzverwalter: Anton Schlecker war nicht zu Rettungsbeitrag bereit

  • Aktualisiert am

Ein Kassenschluss-Schild bei Schlecker. Bild: dapd

Der Schlecker-Patriarch hat zuletzt kein Geld für die Rettung der insolventen Drogeriekette gegeben, sagt der Insolvenzverwalter. Jetzt bringt die Pleite nicht nur ihm Verluste, sondern auch seinen Kindern. Hoffnung gibt es für die Filialen von „Ihr Platz“ und „Schlecker XL“: Sie könnten vom gleichen Käufer übernommen werden.

          3 Min.

          Die bevorstehende Zerschlagung der Drogeriemarktkette Schlecker wird auch die Gründerfamilie finanziell stark belasten. Anton Schlecker und seine Angehörigen waren zuletzt offenbar nicht mehr zu einem Rettungsbeitrag bereit, wie Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz laut „ Spiegel“ sagte. Für die Marke Ihr Platz und die sogenannten XL-Filialen gibt es unterdessen nach einem Zeitungsbericht offenbar einen möglichen Käufer.

          Die Gründerfamilie werde voraussichtlich einen großen Teil ihres Vermögens verlieren, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Alexander Güttler, der Nachrichtenagentur dapd. Anton Schlecker hatte das Unternehmen als eingetragener Kaufmann geführt und muss mit seinem gesamten Privatvermögen dafür einstehen. „Die Familie wird sehr genau auf Übertragungen untersucht“, sagte Güttler. Das Anwesen der Familie in Ehingen soll beispielsweise im Besitz von Anton Schleckers Frau Christa sein. Wie und wann es übertragen wurde, ist nicht bekannt.

          Nach dem Aus für die Drogeriemarktkette Schlecker steht nun die Abwicklung der einzelnen Unternehmensteile an. Für die Marke Ihr Platz und die sogenannten XL-Filialen gibt es nach einem Zeitungsbericht vom Samstag einen Interessenten. Die Familie von Unternehmensgründer Anton Schlecker wird nach der Zerschlagung voraussichtlich einen großen Teil ihres Vermögens verlieren, wie der Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, Alexander Güttler, der Nachrichtenagentur dapd sagte.

          Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz

          Die Firma LDG der Kinder Lars und Meike Schlecker wird ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ haben die beiden über das Logistikunternehmen ein Darlehen von insgesamt rund 70 Millionen Euro an die Drogeriekette vergeben. Da das Darlehen dem Vernehmen nach nicht an besondere Sicherheiten gebunden sei, könnten sie nur einen Bruchteil der Summe im Gläubigerverfahren zurückerhalten.

          Geiwitz sagte dem „Spiegel“, noch kurz vor dem Beschluss über die Zerschlagung am Freitag habe er die Familie Schlecker gebeten, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Anton Schlecker sei zwar offiziell vermögenslos. „Aber die Familie hat noch Vermögen, und ich habe gefragt, ob sie bereit sei, eine Verlustfinanzierung zu leisten.“ Es sei um sieben bis neun Millionen Euro für den Monat Juni gegangen. Doch die Familie „war entweder nicht bereit oder nicht in der Lage“, diese Summe zu zahlen.

          Finanzinvestor will die Schlecker-XL-Filialen und „Ihr Platz“ übernehmen

          Die Drogeriemarktkette Ihr Platz und die 342 Schlecker XL-Filialen werden möglicherweise vom Münchner Finanzinvestor Dubag übernommen, berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Ihr Platz habe Dubag bereits gekauft, sagte Ihr-Platz-Insolvenzverwalter Werner Schneider. Der Übernahme müssten allerdings noch die Schlecker-Gläubiger und das zuständige Insolvenzgericht, das Amtsgericht Ulm, zustimmen. Daneben interessiere sich Dubag auch für die XL-Filialen.

          Die Mitarbeiter der ehemaligen Schlecker-Filialen müssen dagegen mit der Entlassung rechnen. Auch der Konkurrent Rossmann machte den Mitarbeitern wenig Hoffnung auf Einstellung. Höchstens 50 bis 80 Märkte seien interessant für die Kette, sagte Firmenchef Dirk Roßmann. Politiker streiten jetzt über eine Transfergesellschaft.

          Die Schlecker-Zerschlagung wird von der Interessenvertretung „Die Familienunternehmer“ unterstützt. „Die Kunden haben sich gegen einen Einzelhändler und sein Geschäftsmodell entschieden“, sagte Präsident Lutz Goebel. „Das muss die Politik als Marktentscheidung mündiger Verbraucher akzeptieren.“ Die von Verdi-Chef Frank Bsirske geforderte Transfergesellschaft würde nur Arbeitsplätze bei Schlecker-Wettbewerbern kosten, sagte Goebel.

          Der Umsatz von Schlecker war zuletzt offenbar erheblich zurückgegangen. Zwischen März und April hätten sich die Erlöse halbiert, berichtete das Nachrichtenmagazin „Focus“ unter Berufung auf neue Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Dabei seien Ende März nur gut 2.000 der vormals 5.400 Filialen geschlossen worden. Das Minus von 56 Prozent ging dem Bericht zufolge auf vorherige Ausverkaufs-Aktionen in den Märkten zurück.

          Am Freitag hatte der Gläubigerausschuss die Zerschlagung von Schlecker beschlossen. Die Drogeriekette macht nach dem Ausverkauf von 2.800 Märkten dicht. Die Zahl der betroffenen Mitarbeiterinnen, die noch im Juni gekündigt werden sollen, ging bei der Insolvenzverwaltung auseinander. Geiwitz sprach von 13.762 Mitarbeiterinnen, in der offiziellen Mitteilung war von 13.200 die Rede. Geiwitz-Sprecher Güttler zufolge stammt die erste Zahl aus der letzten offiziellen Prüfung im Unternehmen. Die zweite Zahl stellt die im Juni vermutete Beschäftigtenzahl dar, die sich beispielsweise durch freiwillige Kündigungen immer weiter reduziert.

          Weitere Themen

          Regierung beschließt weitere Wohngelderhöhung

          Um 10 Prozent : Regierung beschließt weitere Wohngelderhöhung

          Durch das Klimapaket werden die Heizkosten künftig steigen. Die Bundesregierung will Geringverdiener entlasten und das Wohlgeld im Durchschnitt um 15 Euro ab 2021 erhöhen. Eine erste Erhöhung ab 2020 wurde schon letzte Woche beschlossen.

          Topmeldungen

          Tesla-Fabrik in Deutschland : Angriff im Heimatmarkt

          Für die deutschen Autohersteller wird der Wettbewerb noch schwieriger, wenn Tesla in Brandenburg eine große Fabrik baut. Ein Selbstläufer ist das Projekt allerdings nicht – Tesla muss sich auf einen harten Wettkampf einstellen.
          Die Köpfe hinter der Marke: Porsche-Design-Geschäftsführer Jan Becker (rechts) und Design-Chef Roland Heiler

          Porsche-Design-Chefs : Wann ist ein Mann ein Mann?

          Porsche Design steht für Männlichkeit, Geld und Stil. Im Interview sprechen die Chefs der Marke über neue Rollenbilder, gläserne Garagen – und anderen Luxus, den die Welt nicht braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.