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Drittes Reich : Opportunisten des Geldes: Bankiers unter dem Hakenkreuz

Ein Jahrhundertbanker: Hermann Josef Abs Bild: picture-alliance / dpa

Sie biederten sich bei den Nazis an. Und profitierten. Vier prominente Bankiers aus dem Dritten Reich - unter ihnen einige, die auch nach dem Krieg Karriere machten.

          3 Min.

          Sie biederten sich bei den Nazis an. Und profitierten. Das neue Buch des Historikers Christopher Kopper beschäftigt sich mit der Rolle der Bankiers im Nationalsozialismus. Vier prominente Bankiers aus dem Dritten Reich - unter ihnen einige, die auch in Nachkriegsdeutschland Karriere machten.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Karl Blessing

          Die Blessings bilden schon fast eine kleine Bankiersdynastie. Karl Blessing (1900 bis 1971) war Führungsmitglied der Reichsbank und Präsident der Deutschen Bundesbank, sein Sohn Werner Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, und dessen Sohn Martin gehört heute zur Führung der Commerzbank.

          Zwischen Opportunismus und Widerstand: Karl Blessing
          Zwischen Opportunismus und Widerstand: Karl Blessing : Bild: picture-alliance / dpa

          Karl Blessing gelang ohne Studium, aber mit Unterstützung des wichtigsten deutschen Finanzmannes der Weimarer Republik und des Dritten Reichs, Hjalmar Schacht, ein steiler Aufstieg.

          1937 wurde das NS-Mitglied ins Direktorium der Reichsbank berufen, aus dem ihn Hitler zwei Jahre später mit Schacht und anderen wegen eines aufmüpfigen Briefs an den Führer feuerte. Blessing wechselte zu der Margarine-Union, die der holländischen Unilever gehörte, und näherte sich gleichzeitig der SS an. Nach der Besetzung Hollands wurde Blessing zum Verwalter des Unilever-Konzerns ernannt, bald aber wegen des Verdachts entlassen, er denke mehr an das Wohl des Unternehmens als an das Wohl des Dritten Reichs.

          Das Schwanken zwischen opportunistischer Regimetreue und halbherzigem Auflehnen setzte sich fort. Mit Billigung Görings tritt Blessing 1941 in die Kontinentale Öl AG ein, sucht aber 1943 Kontakte zum Widerstand. Wegen seiner guten politischen Kontakte fand kein Prozeß gegen Blessing statt. Nach dem Krieg ernennt die Unilever den Manager wieder zu ihrem Statthalter in Deutschland, ehe er 1959 zum Präsidenten der Bundesbank berufen wird.

          Emil Georg von Stauss

          Ein Netzwerker von hohen Graden war dieser Deutschbanker (1877 bis 1942), der tatkräftig half, Beziehungen zwischen Nazi-Größen und der Wirtschaft herzustellen. Dazu war von Stauss nicht nur als Mitglied des Vorstands und danach des Aufsichtsrats der Deutschen Bank gut plaziert: Er war auch der Vater der Fusion von Daimler und Benz und hielt den Aufsichtsratsvorsitz der Ufa sowie von Daimler-Benz, BMW und der Lufthansa.

          Daneben verfolgte der Württemberger eine politische Karriere, zunächst als Reichstagsmitglied der konservativen DVP mit Sympathien für die Nazis, später als parteiloser Vizepräsident in Hitlers Alibiparlament ("teuerster Männergesangsverein der Welt"). In der Deutschen Bank wurde diese Annäherung an Hitler und Göring bis 1933 eher distanziert gesehen; danach profitierte die Bank durchaus von den guten Kontakten von Stauss, der allerdings niemals der NSDAP beitrat.

          Karl Rasche

          "Wer marschiert hinter dem ersten Tank? Das ist der Dr. Rasche von der Dresdner Bank!" hieß es seit Anfang der vierziger Jahre halb anerkennend, halb spöttisch bei den Kunden der Dresdner. Karl Rasche (1892 bis 1951) war nach den Worten Koppers "Motor des Arisierungsgeschäfts in Deutschland und dem besetzten Ostmitteleuropa" und ein williges "Werkzeug nationalsozialistischer Konzernpolitik".

          Der promovierte Jurist Rasche begann seine Karriere nach dem Ersten Weltkrieg im Ruhrgebiet, die ihn 1934 in den Vorstand der damals schwächelnden Dresdner Bank führte. Dort profitierte er von seinen guten Beziehungen zu Hermann Göring, der dafür sorgte, daß die Dresdner Hausbank seines Lieblingsunternehmens, des Montankonzerns Reichswerke AG, wurde. So half Rasche bei der Übernahme von Beteiligungen für die Reichswerke in Österreich 1938 (gegen Abs). Über die Arisierung der Wiener Bank S.M. von Rothschild erhielt der Banker Zugriff auf Industriebeteiligungen in der Tschechoslowakei, die er für die Reichswerke und die Dresdner akquirierte.

          Dabei war Rasche eher Karrierist und Opportunist als politischer Überzeugungstäter. Er stand zwar schon früh politisch rechts und lernte als Banker prominente Nazis kennen, aber nach seinem Beitritt in die NSDAP 1933 zahlte er keine Beiträge und wurde aus der Mitgliederkartei gestrichen. Erst 1938 trat er in die SS ein.

          Rasche wurde 1945 festgenommen, 1947 zu sieben Jahren Haft verurteilt, aber schon 1950 freigelassen. Die Dresdner Bank nahm ihn nicht mehr auf, eine Laufbahn als Unternehmensberater endete mit seinem plötzlichen Tod 1951.

          Hermann Josef Abs

          Wie das Verhalten des vielleicht bedeutendsten deutschen Bankers des 20. Jahrhunderts im Dritten Reich zu bewerten ist, darüber gehen die Ansichten noch heute auseinander. Fest steht, daß Hermann Josef Abs (1901 bis 1992) nach einer steilen Karriere beim Bankhaus Delbrück und der Deutschen Bank eine Position erreicht hatte, die ihm die Gelegenheit bot, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Bei den Arisierungen in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre bescheinigt Kopper Abs, "daß er trotz der zunehmenden Anfeindungen gegen die jüdischen Deutschen vorurteilslos und fair mit jüdischen Bankiers zusammenarbeitete".

          Bekannt waren in der Berliner Bankenwelt damals auch Abs' ausgeprägter Katholizismus und seine wirtschaftsliberalen Neigungen, die den zur Eitelkeit neigenden, blitzgescheiten Banker davon abhielten, sich dem Nationalsozialismus innerlich anzunähern.

          Nach Ausbruch des Krieges war auch Abs in fragwürdige Geschäfte verwickelt. So kaufte er 1940 in Görings Auftrag deutsche Auslandsanleihen im neutralen Schweden mit erbeutetem Gold aus der Niederländischen und der Belgischen Notenbank - wofür ihm Göring 293.000 Reichsmark auszahlte. Abs war Aufsichtsratsmitglied der IG Farben, die KZ-Häftlinge beschäftigte, und machte Bankgeschäfte in besetzten Gebieten. Andererseits stand er mit dem deutschen Widerstand in Kontakt, auch wenn er sich weigerte, dort aktiv zu werden. Seine umstrittene Rolle im Dritten Reich hindert Abs nicht an einer steilen Karriere im Nachkriegsdeutschland.

          Die Bankiers und die Nazis

          Eine politische Tradition in Deutschland sieht die Manager großer Banken als überaus mächtige Menschen, die über das finanzielle Schicksal von Unternehmen und Privatpersonen entscheiden. Doch als Hitler 1933 an die Macht kam, waren die deutschen Geldmanager schwach und ausgelaugt von der Bankenkrise des Jahres 1933, schreibt der Historiker Christopher Kopper in seinem neuen Buch.

          So waren sie, selbst wenn sie es gewollt hätten, nicht in der Lage, gegen die braune Flut Widerstand zu leisten. Im Gegenteil: Entweder als Karrieristen oder als Gesinnungstäter spielten sie das Spiel der Nazis oder tolerierten es zumindest. Koppers Buch enthält nach einer einleitenden Schilderung der damaligen Lage der Banken eine Reihe knapp, aber inhaltsreich geschriebener Porträts ihrer führenden Vertreter. Nicht wenige wie Hermann Josef Abs kamen in der späteren Bundesrepublik zu hohen Ehren.

          Die Bankgeschichte des Dritten Reichs ist das Spezialgebiet Christopher Koppers. Der Sohn des ehemaligen Deutsche-Bank-Chefs Hilmar Kopper lehrte einige Jahre im Ausland und gehört seit 2004 der Universität Bielefeld an.

          Christopher Kopper: Bankiers unterm Hakenkreuz. Hanser-Verlag. München 2005. 24,90 Euro

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