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Dresdner Bank, Commerzbank und Postbank : Gedankenspiele über eine Dreierallianz

  • -Aktualisiert am

Bei der Dresdner Bank könnte sich bald wieder einiges ändern Bild: ddp

Die Allianz sucht fieberhaft nach einer Lösung für die angeschlagene Dresdner Bank. Unter den Banken wird nach Informationen der F.A.Z. erstmals ein „großer Wurf“ erwogen: eine Dreierallianz, bestehend aus Commerzbank, Dresdner Bank und der Postbank. Damit entstünde die größte deutsche Filialbank.

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          Noch ist es nur die Gerüchteküche, die in der deutschen Finanzbranche so stark brodelt wie schon lange nicht mehr. Doch bald könnte aus den von Investmentbankern und Medien durchexerzierten Sandkastenspielen rund um Fusionen und Übernahmen in der deutschen Bankbranche Realität werden. Denn der Münchener Finanzkonzern Allianz arbeitet fieberhaft an einer Lösung für die wenig erfolgreiche Dresdner Bank. Zu schmerzhaft sind die Milliardenabschreibungen bei der Investmentbanksparte Dresdner Kleinwort mittlerweile für den größten deutschen Versicherer. Die Allianz hat die Dresdner Bank vor sieben Jahren für mehr als 24 Milliarden Euro gekauft.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zu den zahlreichen Fusionsszenarien, die derzeit öffentlich diskutiert werden, gesellt sich nun eine weitere Variante: In der Bankbranche wird nach Informationen der F.A.Z. über einen lange Zeit undenkbaren „großen Wurf“ gesprochen: eine Dreierallianz, bestehend aus Commerzbank, Dresdner Bank und der Deutschen Postbank. Bislang sind es Planspiele, entsprechende Verhandlungen hat es noch nicht gegeben.

          Doch in der Allianz-Zentrale in München diskutieren Vorstandschef Michael Diekmann und seine Kollegen offenbar dieses Szenario, das die deutsche Bankenlandschaft grundlegend verändern würde. Das Modell würde vorsehen, die Dresdner Bank als Sacheinlage in die Commerzbank einzubringen. Das so neu formierte Institut würde mit der Allianz als Großaktionär anschließend eine Mehrheit an der demnächst zum Verkauf stehenden Postbank erwerben.

          Diekmann: „Es  ist schon länger klar, dass das Bankgeschäft entweder gestärkt oder abgestoßen wird”
          Diekmann: „Es ist schon länger klar, dass das Bankgeschäft entweder gestärkt oder abgestoßen wird” : Bild: ddp

          Die größte deutsche Filialbank könnte entstehen

          Dadurch würde eine zweite große Bankenmacht neben der Deutschen Bank und zugleich die mit mehr als 26 Millionen Kunden größte deutsche Filialbank entstehen. Der Allianz-Vorstand rund um Diekmann weiß, dass ein simples „Weiter so“ angesichts der wenig fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Dresdner Bank nicht möglich ist. „In der Allianz ist schon seit einem Jahr klar, dass das Bankgeschäft entweder gestärkt oder abgestoßen wird“, heißt es in Konzernkreisen. Für beide Varianten hat sich der Allianz-Konzern vor zwei Wochen gerüstet, indem er die Aufspaltung des Geldhauses in die Investmentbank Dresdner Kleinwort sowie den Privat- und Geschäftskundenbereich beschloss. Die Sparten sind künftig organisatorisch getrennt, und für beide wird über unterschiedliche Lösungsmodelle diskutiert.

          Am ambitioniertesten, weil mit einem enormen Kraftakt und einem riesigen Integrationsaufwand verbunden, wäre sicherlich ein Dreierbündnis. Schon vor acht Jahren, im Sommer 2000, ist der Versuch einer Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank gescheitert. Auch damals war die Allianz bereits involviert. Hinzu kommt dass die Allianz sowohl über die Filialen der Postbank als auch über die der Commerzbank ihre Versicherungspolicen nicht ohne weiteres verkaufen könnte. Die Postbank ist exklusiv und langfristig an Talanx und HUK-Coburg gebunden, die Comerzbank ist mit AMB Generali verbandelt. Die Konkurrenten müssten deshalb von der Allianz teuer ausgekauft werden.

          Bisher keine ernsthaften Gespräche zwischen den Banken

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