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Dreamliner : Das Kreuz mit dem Weltflugzeug

Der Dreamliner kommt mindestens 14 Monate später als ursprünglich geplant Bild: AFP

Boeing hatte Großes vor. Für den Bau des Flugzeugs Dreamliner lagerte das Unternehmen die Arbeit an Zulieferer in aller Welt aus. Das Konzept aber ging bisher nicht auf. Das Vorhaben schlittert von einer Panne zur anderen - und das wird teuer.

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          Es war ein Höhepunkt in einer glanzvollen Zeremonie: Am 8. Juli vergangenen Jahres stellte der amerikanische Flugzeugbauer Boeing in seinem Werk in Everett bei Seattle zum ersten Mal sein mit Spannung erwartetes neues Modell 787 der Öffentlichkeit vor. Zur Präsentation des Flugzeugs mit dem Spitznamen Dreamliner gehörte eine ganze Serie von Live-Schaltungen, die von rund um den Globus kamen: Italien, Japan und zwei weitere amerikanische Orte. Dort sitzen Zulieferbetriebe für den 787, und von jedem einzelnen Standort wurde via Satellit ein Grußwort nach Everett übertragen, begleitet vom tosenden Jubel der jeweiligen versammelten Mitarbeiter. Boeing wollte mit diesem Teil der Show eine stolze Botschaft verbreiten: Der Dreamliner wird ein Weltflugzeug.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Boeing hat mit dem Dreamliner Bahnbrechendes versprochen: Die Maschine wurde als Energiesparmodell konzipiert, das aus leichterem Plastikverbundstoff anstelle von Aluminium besteht und nach Angaben von Boeing 20 Prozent weniger Treibstoff verbraucht als vorherige Flugzeuggenerationen. Eine Revolution sollte auch der Entstehungsprozess werden: Boeing lagerte einen großen Teil der Entwicklungs- und Fertigungsarbeiten an ein über die ganze Welt gespanntes Netz von Zulieferern aus, unter anderem um die Kosten für das Projekt nicht alleine schultern zu müssen. Zu den Partnern gehören Alenia aus Italien und die japanischen Unternehmen Mitsubishi, Kawasaki und Fuji. Im Gegensatz zu früheren Flugzeugprojekten sollen die Zulieferer beim Dreamliner nicht einfach nur Einzelteile liefern, die dann im Boeing-Werk zusammengebaut werden. Vielmehr soll bei den Zulieferern bereits ein nennenswerter Teil der Montagearbeiten stattfinden, und es werden größere Flugzeugkomponenten nach Everett geliefert, wo im Wesentlichen nur die Endmontage stattfindet.

          Auslagerung ist maßgeblich für Terminpannen verantwortlich

          Was auf dem Papier bestechend klingt, hat in der Praxis offenbar gehörige Tücken, mit denen Boeing nicht gerechnet hatte. Denn diese Auslagerung ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass Boeing den Zeitplan für den Dreamliner nun schon dreimal verschieben musste. Ursprünglich sollte die erste 787 im Mai dieses Jahres an den Startkunden, die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA), ausgeliefert werden. Im Oktober meldete Boeing erstmals eine Verzögerung und schob die Erstauslieferung auf Ende 2008. Bald danach war von Anfang 2009 die Rede. In der vergangenen Woche teilte Boeing nun mit, der erste Dreamliner werde im dritten Quartal 2009 ausgeliefert. Das heißt, die Maschine kommt mindestens 14 Monate später als ursprünglich geplant auf den Markt. Der einst für August 2007 in Aussicht gestellte Jungfernflug ist nun für das Schlussquartal dieses Jahres angesetzt. Die Verschiebungen beim Dreamliner erreichen schon fast die Dimensionen, wie sie dem europäischen Wettbewerber Airbus mit seinem Jumbo A380 passiert sind. Die erste Maschine dieses Typs wurde mit fast zwei Jahren Verspätung im vergangenen Oktober erstmals ausgeliefert, die Verzögerungen stürzten die Airbus-Muttergesellschaft EADS in eine schwere Krise.

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