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Dr Pepper Snapple aufgekauft : Reimann-Familie baut ihr Imperium weiter aus

Aufgekauft von Kaffeeröster: Die Dr Pepper Snapple Group. Bild: AP

Sie gehören zu den verschwiegensten und reichsten Deutschen überhaupt. Nun hat das zur Reimann-Familie gehörende Kaffeeröster-Unternehmen Keurig Green Mountain die Übernahme des Getränkeherstellers Dr Pepper Snapple angekündigt – für 18,7 Milliarden Dollar.

          Die Kurpfälzer Industriellenfamilie Reimann setzt ihre Einkaufstour im Lebensmittelgeschäft weiter fort: Der zu ihrer Familienholding JAB gehörende Kaffeeröster Keurig Green Mountain hat am Montag die Übernahme des Getränkeherstellers Dr Pepper Snapple angekündigt. Die Transaktion ist mit einer Barzahlung von insgesamt 18,7 Milliarden Dollar verbunden, außerdem sollen die bisherigen Aktionäre von Dr Pepper Snapple 13 Prozent des kombinierten Unternehmens halten, das den Namen „Keurig Dr Pepper“ tragen soll. Die in Luxemburg beheimatete Mutterholding JAB wird die Kontrolle an dem fusionierten Konzern halten, und sie will zusammen mit anderen Investoren neun Milliarden Dollar zur Finanzierung beitragen. Die jetzt verkündete Übernahme ist anders strukturiert als der knapp 14 Milliarden Dollar teure Kauf von Keurig vor zwei Jahren, der dazu führte, dass der Kaffeeröster von der Börse genommen wurde. Keurig Dr Pepper soll börsennotiert sein, auch wenn die Reimann-Holding das Unternehmen kontrolliert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Die Reimanns gehören zu den verschwiegensten und reichsten Deutschen überhaupt. Das Vermögen der verbliebenen vier Erben des ehemaligen Ludwigshafener Chemieunternehmen Joh. A. Benckiser wird auf mehr als 30 Milliarden Euro geschätzt. In milliardenschweren Transaktionen hat die Familie ein wahres Imperium aus Kaffeeproduzenten, Café- und Bäckereiketten, Parfüm- und Kosmetikanbietern aufgebaut. Dazu gehört Jacobs Douwe Egberts mit seinen Marken Senseo, Jacobs und Tassimo genauso wie die im Vorjahr für 7,5 Milliarden Dollar übernommene amerikanische Bäckereikette Panera Bread. Auch der Kosmetikkonzern Coty, der vor geraumer Zeit die deutsche Haarpflegemarke Wella erworben hat, ist unter dem Dach der Reimann-Holding. Alle vier Erben der Familie sollen mit ihren Kindern im Ausland leben und sich nicht ins operative Geschäft einmischen. Mit knapp 10 Prozent an der Familienholding beteiligt sind die eigentlichen Macher dieser Erfolgsgeschichte: der langjährige Reimann-Stratege Peter Harf, der ehemalige Reckitt-Benckiser-Chef Bart Becht und der Franzose Olivier Goudet, einst Finanzvorstand des amerikanischen Konsumgüterhersteller Mars. Auch sie hat ihr Engagement bei den Reimanns zu Milliardären gemacht.

          Das Reimann-Reich hat in den vergangenen Jahren seine Gestalt erheblich verändert. Die Holding setzte den Schwerpunkt immer mehr auf den Kaffee- und Gastronomiemarkt, dafür fuhr sie das Luxusgeschäft zurück und verkaufte zum Beispiel die Schuhmarke Jimmy Choo. Mit der Übernahme von Dr Pepper Snapple wird nun der Kurs der vergangenen Jahre fortgesetzt, wenngleich damit nun eine andere Getränkekategorie erschlossen wird. Dr Pepper Snapple ist vor allem auf Limonaden sowie Saft- und Teegetränke spezialisiert, mit Marken wie Dr Pepper, Snapple, 7Up und Schweppes. Keurig ist vor allem für Kaffeemaschinen und zugehörige Kapseln bekannt.

          Die neun Milliarden Dollar Barmittel, die Teil der jetzt vereinbarten Transaktion sind, werden nicht nur von der JAB-Holding selbst kommen. Mit im Boot ist abermals ein Freundeskreis von reichen Industriellen, der sein Geld im „JAB Consumer Fund“ bündelt. Namen nennt JAB nicht, bei früheren Transaktionen war Warren Buffett beteiligt, der amerikanischen Milliardär Alejandro Santo Domingo, der belgische Großinvestor Albert Frère und der kanadische Industriellenclan Desmarais. Eine Schlüsselrolle kommt der verschwiegenen amerikanischen Investmentfirma BDT zu, eine Gründung des Buffet-Vertrauten Byron Tott. Ebenfalls beteiligt: Frère und Desmarais. In Deutschland kümmert sich der ehemalige BHF-Bank-Chef Björn Robens für BDT um vermögende Investoren. Mit BDT verbundene Firmen werden auch diesmal als Mit-Investoren genannt, Details dazu gibt es nicht. Die milliardenschweren Berater haben noch nicht einmal eine Homepage.

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