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Augsburger Puppenkiste : Dort hängt das Leben am seidenen Faden

  • -Aktualisiert am

Kinder-Helden: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer Bild: dpa

Jim Knopf, Urmel und Sandmännchen: Die Augsburger Puppenkiste fasziniert seit Generationen kleine und große Zuschauer. Warum ist sie nicht mehr im Fernsehen zu sehen?

          Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen, weiten Meer. Mit vier Tunnels und Geleisen und dem Eisenbahnverkehr. Nun, wie mag die Insel heißen? Ringsherum ist schöner Strand. Jeder sollte einmal reisen. In das schöne Lummerland!“ Ein Liedtext, den viele kennen. Dieser Ausschnitt aus dem Lummerlandlied von Jim Knopf weckt Erinnerungen bei Groß und Klein.

          Die Geschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer wurde von einem Dutzend Verlage abgelehnt, bis sie von der Augsburger Puppenkiste 1961 in Schwarzweiß und fünfzehn Jahre später in Farbe verfilmt wurde, erzählt Michael Neumeir, Büroassistent der Augsburger Puppenkiste. Und es gibt noch viel mehr berühmte Produktionen der Augsburger, zum Beispiel „Lilalu im Schepperland“, „Urmel aus dem Eis“ und „Kater Mikesch“.

          Der Räuber Hotzenplotz

          Die Produktionen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: zum einen in die Theaterproduktion und zum anderen in die Fernseh- und Kinoproduktion. Schon am 26. Februar 1948 fand die erste Aufführung der Augsburger Puppenkiste statt. „Der gestiefelte Kater“ wurde im Heilig-Geist-Spital in Augsburg unter der Leitung des Gründers Walter Oehmichen gezeigt. Bis heute sind mehr als 20.000 Vorstellungen von rund 300 Inszenierungen aufgeführt worden; etwa 5 Millionen Besucher haben sie gesehen.

          Bei jeder Aufführung fallen Lizenzen und Tantiemen für Bearbeiter, Komponisten und Verlage an. Die Auslastung der inszenierten Stücke liegt nach eigenen Angaben bei 95 Prozent, wobei in der Weihnachtszeit eine Auslastung von mehr als 100 Prozent nicht unüblich sei, sagt Klaus Marschall, der Enkel des Gründers Walter Oehmichen; er ist der Leiter und Inhaber der Augsburger Puppenkiste. Eine Auslastung, die über 100 Prozent liegt, ist durch die Doppelbelegung von Sitzplätzen möglich, denn Kinder bis zu drei Jahren und unter einem Meter dürfen auf dem Schoß der Eltern sitzen.

          Um zum Beispiel für den „Räuber Hotzenplotz“, eines der erfolgreichsten Stücke der Augsburger, Karten erstehen zu können, muss man diese meist drei Monate vor dem Besuch besorgen. Der Preis der Karten, der in den Anfängen des Marionettentheaters eine Zigarette für zehn Sitzplätze betrug, liegt heute zwischen 9,50 und 25 Euro je Ticket. Doch nicht nur Kindertheater werden in der Augsburger Puppenkiste aufgeführt. Jedes Jahr an Silvester wird ein Satireprogramm für Erwachsene präsentiert. Die 220 Sitzplätze in dem Theatersaal seien dann meistens ausverkauft, berichtet Neumeir. Insgesamt reicht die Altersspanne der Besucher von sehr jung bis sehr alt; am wenigsten vertreten sind Jugendliche.

          „Preise flach halten“

          Fast vierzig Mitarbeiter hat das Marionettentheater der Augsburger Puppenkiste. Siebzehn davon sind Puppenspieler; für die Aufführung eines Stückes braucht man laut Marschall etwa acht. Die Umsätze des Theaters sind insgesamt stabil. Im vergangenen Jahr hätten sie knapp über 2 Millionen Euro gelegen. Allerdings machte die Augsburger Puppenkiste 2017 trotz stabiler Erlöse Verlust. Das habe daran gelegen, dass die Zuschüsse der Stadt und des Freistaats Bayern, die zusammen rund 500.000 Euro betragen, und die Preise für die Eintrittskarten nicht entsprechend der Inflation erhöht worden seien.

          Ein weiterer Grund seien die Personalkosten, mit einem Anteil von fast 70 Prozent der größte Ausgabenposten. Der Augsburger Puppenkiste sei es ein Anliegen, „die Preise möglichst flach zu halten“, erklärt Theaterleiter Marschall. Man wolle Familien aus allen Einkommensschichten einen Besuch ermöglichen. Doch werden sie in naher Zukunft angehoben werden müssen.

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