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Zwei Vorfälle im November : Trump ordnet Flugverbot für Boeing 737 Max in Vereinigten Staaten an

Eine Boeing 737 Max-8 landet am 12. März 2019 in Miami, Florida. Bild: Bloomberg

Auch in Amerika hatten Piloten Probleme mit der Boeing 737 Max 8. Erst als sie den Autopiloten ausschalteten, bekamen sie das Flugzeug wieder in den Griff. Nun hat auch der Präsident reagiert.

          Die schlechten Nachrichten für Boeing rund um die 737 Max reißen nicht ab: Amerikas Präsident Donald Trump hat angeordnet, alle Maschinen des umstrittenen Flugzeugtyps Boeing 737 Max in den Vereinigten Staaten am Boden zu lassen. Die Order gelte ab sofort, teilte der Präsident am Mittwoch mit. Zudem verkündete der kanadische Verkehrsminister, ein Flugverbot für die Maschine in seinem Land zu verhängen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Unterdessen wurde bekannt, dass zwei Piloten kurz nach dem Abheben im November in den Vereinigten Staaten auf Flügen mit den Boeing-Maschinen des Typs 737 Max 8 ein Warnsignal bekommen haben. „Don’t sink, don’t sink“ wurde den Piloten angezeigt. Anschließend neigte sich das Flugzeug  nach unten. In beiden Fällen war der Autopilot der Maschinen aktiviert, und erst als er ausgeschaltet wurde, stiegen die Flugzeuge wieder nach oben und konnten die Flüge normal fortsetzen.

          Diese Vorfälle ereigneten sich nur wenige Wochen nachdem in Indonesien eine 737 Max 8 der Fluggesellschaft Lion Air kurz nach dem Start abstürzte, bei dem Unglück starben 189 Menschen. Ein von Ethiopian Airlines betriebenes Flugzeug desselben Typs stürzte am vergangenen Sonntag ebenfalls kurz nach dem Abheben in Äthiopien ab, dabei gab es 157 Todesopfer. Bei den beiden Flügen in Amerika im November blieb es bei einer Schrecksekunde. Aber die Piloten meldeten die Vorkommnisse in einer von der Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa betriebenen Datenbank.

          Ratlose Piloten

          Diese Datenbank gibt Piloten die Gelegenheit, etwaige Schwierigkeiten mit Flugzeugen anonym zu melden. Einer der Piloten zeigte sich mit Blick auf den Störfall während seines Fluges ratlos: „Ich kann mir keinen Grund vorstellen, warum ein Flugzeug die Nase so aggressiv senken sollte.“ In der Datenbank, über die die Zeitung „Dallas Morning News“ zuerst berichtete, beklagten sich Piloten auch über unzureichende Schulungen und Anweisungen für die 737 Max 8. Ein Pilot nannte es „unzumutbar“, dass Boeing, die amerikanische Aufsichtsbehörde FAA und Fluglinien Piloten die Jets „ohne adäquates Training“ fliegen lassen. Weiter sagte er, die Gebrauchsanleitung für die Maschine sei „fast kriminell unzureichend“.

          Seit dem Absturz des Lion-Air-Jets wird über die Technik der 737 Max 8 diskutiert, eine Maschine, die Boeing erst im Jahr 2017 auf den Markt gebracht hat. Weder bei diesem Unglück noch beim Absturz am Sonntag ist die Ursache restlos geklärt. Aber als ein mögliches Sicherheitsrisiko wurde eine Software mit dem Namen MCAS identifiziert, die Boeing erstmals in der Max-Version seiner Modellreihe 737 verwendet hat. Und es gab in den vergangenen Monaten schon einige Berichte, wonach Piloten sich über einen Mangel an Informationen seitens des Herstellers zu den Eigenheiten des neuen Flugzeugs beklagt haben. Dafür liefern die Einträge der Piloten in der Datenbank nun weitere Hinweise.

          „Wir erwarten von Boeing, diese Rechnung zu übernehmen“

          Die Fluggesellschaft Norwegian Air teilte mit, Schadenersatz vom Flugzeugbauer fordern zu wollen. „Wir erwarten von Boeing, diese Rechnung zu übernehmen“, teilte das Unternehmen mit. Norwegian Air sah sich wegen des mittlerweile in Europa herrschenden Flugverbots für die 737 Max gezwungen, eine Reihe von Flügen zu streichen. Der Analyst Daniel Roeska von Bernstein Research schätzt, dass Norwegian Air im Moment für jede seiner Maschinen dieses Typs 46.000 Dollar verliert, hieß es in einem Bericht des „Wall Street Journal“.

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          Den Reisekonzern Tui kostet das Flugverbot eigenen Angaben zufolge ungefähr drei Millionen Euro in der Woche. Das Unternehmen hat 15 Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max 8, die aus Großbritannien und den Benelux-Ländern auf die Kanaren und die Kapverden fliegen. Ab Mitte April sollte das Modell eigentlich auch in Deutschland zum Einsatz kommen.

          Schon am Tag nach dem Absturz haben einige Länder wie China und Indonesien Flugverbote für die 737 Max 8 verhängt. Am Dienstag sperrte die Europäische Agentur für Flugsicherheit auch den gesamten EU-Luftraum für die Maschine. Insgesamt sind nun rund zwei Drittel der globalen Flotte dieses Typs am Boden.

          Die amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA hatte zunächst kein Flugverbot für die Maschine verhängt und änderte erst am Mittwoch ihre Meinung. Boeing selbst teilte am Mittwoch mit, die Entscheidung der FAA zu unterstützen, wies aber darauf hin, weiter Vertrauen in die Sicherheit des Flugzeugs zu haben. Dies hatte Vorstandsvorsitzender Dennis Muilenburg am Dienstag auch noch während eines Anrufs bei Donald Trump gesagt.

          Der amerikanische Präsident hatte sich zuvor auf Twitter über die steigende Komplexität der Technik in Flugzeugen beklagt. Die Diskussion um die 737 Max hat Boeing an der Wall Street erheblich unter Druck gesetzt. Der Aktienkurs verlor am Montag fünf Prozent an Wert, am Dienstag ging es noch einmal um sechs Prozent nach unten. Damit hat Boeing in dieser Woche mehr als 25 Milliarden Dollar seiner Marktkapitalisierung eingebüßt.

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