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Dominanz der Premier League : Geld schießt Englands Tore

Die Liverpooler wollen jetzt auch den Titel in der Königsklasse. Bild: Reuters

Englische Vereine dominieren Europas Fußball. Nun machen sie die Titel im Europapokal ganz unter sich aus. Milliardäre machen diesen Erfolg mit ihrem Geld möglich. Und die Bundesliga ist abgehängt.

          Es ist eine Ironie der Geschichte: In dem Jahr, in dem sich das Vereinigte Königreich von der Europäischen Union verabschiedet, entfernen sich auch die englischen Klubs vom Fußballkontinent. Sie haben die Konkurrenz sportlich hinter sich gelassen und machen die Sieger in den wichtigsten europäischen Wettbewerben unter sich aus. Im Champions-League-Finale treffen am Samstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN) der FC Liverpool und Tottenham Hotspur aufeinander, das Endspiel in der Europa League wird an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei RTL und DAZN) zum Londoner Stadtduell zwischen dem FC Arsenal und dem FC Chelsea. Auch wenn sie in den Runden zuvor Glück im Spiel hatten: Es ist kein Zufall, dass am Ende eines Fußballjahres vier der finanzstärksten Klubs um die Titel spielen. Die ewige Otto-Rehhagel-Frage, ob Geld Tore schießt, ist für diese Saison beantwortet.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wirtschaftlich gesehen ist die englische Premier League schon seit Jahren eine Klasse für sich: Keine andere Liga kassiert so viel Geld für Fernsehrechte (mehr als fünf Milliarden Euro für drei Jahre), lässt sich im Ausland so gut vermarkten (1,1 Milliarden Euro), und nirgendwo sonst verdienen Fußballprofis und Trainer so hohe Gehälter wie auf der Insel. Weil die Engländer nun auch sportlich dominieren und jeder der vier Finalteilnehmer Millionenprämien von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) kassiert, wird die Schere zwischen der Premier League und dem Rest Europas weiter auseinandergehen, nur die spanischen Topklubs können wegen der dort geltenden Eigenvermarktung noch mithalten. „Die Champions League ist für Vereine ein eigener Wirtschaftsfaktor geworden“, sagt Christoph Breuer, Professor für Sportmanagement an der Sporthochschule Köln. Wer in der „Königsklasse“ Erfolg hat, kann die Millioneneinnahmen in immer neue Topstars investieren.

          Wo bleibt da der deutsche Fußball? Spitze ist er nur noch im Zuschauen: Nirgendwo sonst gehen so viele Menschen ins Stadion wie in Deutschland, im Schnitt sind es 43.879 Zuschauer je Spiel. Das sorgt für tolle Stimmung, bringt die Bundesliga aber international nicht groß voran. Verliert sie mangels Erfolg an Aufmerksamkeit in Märkten wie Amerika oder Asien, fällt sie beim Spiel um Meriten und Moneten zurück. In der Auslandsvermarktung erzielt die Bundesliga 220Millionen Euro. Die italienische Liga bekommt das Doppelte, die spanische das Vierfache, die Premier League das Fünffache. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sieht deshalb die Klubs und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) als deren Interessenvertreter in der Pflicht, die Bundesliga besser zu vermarkten.

          Starke Besitzer, starke Klubs

          Dabei sind Fußballjahre wie 2018 und 2019 herbe Rückschläge. In der aktuellen Champions-League-Saison schnitten die deutschen Teilnehmer so schlecht ab wie seit 2006 nicht mehr; selbst der FC Bayern, bisher immer gut für Siege und Prämien, gehörte nur noch zu den besten 16 Teams. In der Uefa-Rangliste droht die Bundesliga, nachdem sie schon von Platz zwei auf vier abgerutscht ist, den Anschluss zu den anderen Spitzenligen zu verlieren. Setzt sich die Misserfolgsserie fort, dürften nur noch zwei statt vier Bundesligavereine direkt in der „Königsklasse“ antreten. Das wiederum bedeutet weniger Aufmerksamkeit.

          Nun lässt sich Erfolg nicht einfach kaufen, wie vor allem das Beispiel Paris St-Germain zeigt, das trotz eines äußerst spendablen Scheichs aus Qatar international erfolglos bleibt. Doch wer sich Investoren von außen öffnet, bekommt immerhin eine starke finanzielle Basis für künftige Erfolge. Das lehrt England.

          Die Klubs aus Liverpool und London, die um die europäischen Titel kämpfen, haben starke Besitzer hinter sich. Zu den schillerndsten unter den Schwerreichen gehören der russisch-israelische Oligarch Roman Abramowitsch, der Chelsea zur großen Nummer aufgebaut hat, und Joe Lewis, der Besitzer von Tottenham Hotspur. Lewis hat mit Souvenirshops ein Vermögen gemacht und ist als Devisenhändler noch reicher geworden. Zum Milliardär wurde Lewis am sogenannten Schwarzen Mittwoch im September 1992. Er hatte an der Seite von Starinvestor George Soros auf den Absturz des britischen Pfunds gewettet – und gewonnen. Heute ist er 82 Jahre alt, der fünftreichste Mensch Großbritanniens und lebt auf den Bahamas. Die Fans von Tottenham Hotspur wissen, was sie an ihm haben.

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