https://www.faz.net/-gqe-98d2u

Größte türkische Mediengruppe : Erdogan-Freunde zahlen mehr als 1 Milliarde Dollar für Medien-Gruppe

  • Aktualisiert am

Hürriyet ist eine der bekanntesten Zeitungen der Türkei. Bild: dpa

Jetzt ist es offiziell: Der größte Medienkonzern der Türkei wird an den staatsnahen Konzern Demirören verkauft. Darunter ist auch eine sehr bekannte Zeitung.

          1 Min.

          Die größte Mediengruppe der Türkei, Dogan, soll für rund 1,1 Milliarden Dollar (890 Mio. Euro) verkauft werden. Der Käufer sei der regierungsfreundliche Konzern Demirören, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung der Dogan-Mediengruppe.

          Zur Dogan-Mediengruppe gehören eine wichtige Nachrichtenagentur und führende Zeitungen des Landes, wie etwa „Hürriyet“, sowie Fernseh- und Rundfunkstationen. Darunter ist auch der lokale Ableger des amerikanischen Nachrichtensenders CNN. Diese würden durch den Verkauf in den Besitz des dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan freundlich gestimmten Unternehmens Demirören übergehen.

          Demirören besitzt Anteile am türkischen Gasverteilernetz, ein Einkaufszentrum in Istanbuls Innenstadt und ist für die Herausgabe von zwei auflagenstarken Tageszeitungen verantwortlich. Diese sind für ihre regierungsfreundliche Berichterstattung bekannt. Ein im Jahr 2014 geleaktes Video soll den Einfluss des türkischen Präsidenten auf den Konzern beweisen.

          Die Dogan-Mediengruppe galt bislang als unabhängig und hatte sich gegen Angriffe auf die Pressefreiheit von Seiten der türkischen Regierung gewehrt. Die Spannungen zwischen dem Unternehmen und dem türkischen Staatsoberhaupt sind seit 2009 bekannt. Erdogan sieht das unabhängige Medienunternehmen als Überbleibsel der Vergangenheit.

          Die Demirören-Gruppe kaufte 2011 bereits die Tageszeitungen "Milliyet" und "Vatan" von Dogan, die seitdem auf einen regierungsfreundlichen Kurs einschwenkten.  „Mit dieser riesigen Übernahme (...) kommt die türkische Massenmedien-Industrie unter die direkte politische Kontrolle von Präsident Erdogan", schrieb der renommierte Kolumnist Kadri Gürsel jetzt im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Damit sei der Prozess der Konzentration der Medien nach dem Modell des russischen Präsidenten Wladimir Putin abgeschlossen.

          Außer "Hürriyet" und deren englischer Ausgabe "Hürriyet Daily News" gehören zur Dogan-Mediengruppe auch die Zeitung "Posta" und das Sportblatt "Fanatik". In der Türkei gehören die Medien mit Ausnahme weniger Zeitungen wie "Cumhuriyet", "Evrensel" und "Birgün" großen Wirtschaftskonzernen, was sie aus Sicht von Kritikern anfällig für Druck durch die Regierung macht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet während des Triells

          Das letzte Triell : Dieses Mal war Scholz vorbereitet

          Baerbock, Scholz und Laschet hatten nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Der Sozialdemokrat und die Grüne präsentierten sich als Partner von morgen.
          Wähler in St. Petersburg betrachten ihre Wahlzettel.

          Parlamentswahl in Russland : Kremlpartei dominiert weiterhin die Duma

          Wladimir Putin stand nicht zur Wahl, doch wenn Anhänger der Partei Geeintes Russland ihren Wahlsieg feiern, rufen sie seinen Namen. Auch im neuen Parlament geben sie den Ton an. Kein Wunder, sagen Kritiker – Gegner waren meist ausgeschlossen, und es habe massiven Wahlbetrug gegeben.
          Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

          FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

          Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.