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„Taschenspielertrick“ : Docmorris droht der Bundesregierung

  • Aktualisiert am

Eine Angestellte sortiert im Logistikzentrum von Docmorris in den Niederlanden Medikamente. Bild: dpa

„Europarechtswidrig“, „ähnliches Desaster wie mit der Pkw-Maut“, „Taschenspielertrick“ – Docmorris-Chef Heinrich macht der Bundesregierung wegen eines geplanten Gesetzes heftige Vorwürfe.

          Der Online-Versandhändler Docmorris droht mit einer Klage, sollte die von der Bundesregierung geplante Apotheken-Reform in ihrer jetzigen Form Gesetz werden. „Wir würden alle unsere rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen“, sagte Docmorris-Chef Olaf Heinrich. Aus seiner Sicht verstößt das Gesetzesvorhaben gegen Europarecht. „Die Bundesregierung würde damit ein ähnliches Desaster erleben wie mit der Pkw-Maut.“ Heinrich rechnet aber ohnehin damit, dass die Bundesregierung die Bewertung durch die EU-Kommission abwartet und dann noch einlenkt: „Das Gesetz wird so nicht kommen, denn es ist offensichtlich, dass es europarechtswidrig ist.“

          Das Bundeskabinett brachte Mitte Juli ein Gesetzespaket auf den Weg, mit dem Apotheken vor Ort besser gegen Konkurrenz im Internet geschützt und gestärkt werden sollen. Was der Branchenverband ABDA begrüßt: Patienten würden so vor Diskriminierung geschützt.

          Apotheken aus dem EU-Ausland dürfen dem Vorhaben zufolge für verschreibungspflichtige Medikamente keine Rabatte mehr anbieten, sondern müssen an Festpreisen festhalten. Dies wäre ein Rückschlag für Docmorris, das seinen Kunden in Deutschland bisher einen Bonus von 2,50 Euro je Arzneimittel auf dem Rezept gewährt. Ein ähnliches Geschäftsmodell hat die ebenfalls in den Niederlanden angesiedelte „Shop Apotheke“.

          Ein „Taschenspielertrick“?

          Docmorris gehört zum Schweizer Handelskonzern Zur Rose. Das Tochterunternehmen sitzt im niederländischen Heerlen direkt hinter der Grenze unweit von Aachen. Das Unternehmen mit etwa 600 Mitarbeitern ist auf Wachstumskurs, 2017 machte es einen Umsatz von 370 Millionen Euro und damit 39 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Seit 2018 werden jedoch keine Unternehmenszahlen mehr kommuniziert, Docmorris fließt stattdessen ins Deutschlandgeschäft von Zur Rose ein. Der Deutschlandumsatz von Zur Rose lag 2018 bei 671 Millionen Euro, knapp 39 Prozent über dem Vorjahreswert – der größte Teil entfiel auf DocMorris.

          Dem Unternehmen kam 2016 ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zugute, das die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten – im Branchensprech Rx-Präparate genannt – bei grenzüberschreitendem Warenverkehr in der EU gekippt hat. Allerdings bezog sich der EuGH hierbei auf das Arzneimittelrecht.

          Das Bundesgesundheitsministerium will „Rx-Medikamente“ für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen nun aber in die Sozialgesetzgebung verschieben, wo – so die Lesart des Ministeriums – eine nationale Regelung trotz des EuGH-Urteils möglich sei. Dies hält Docmorris-Chef Heinrich für einen „Taschenspielertrick“.

          Durch die Gesetzesänderung dürfte DocMorris gesetzlich Versicherten – und damit etwa 90 Prozent aller Versicherten in Deutschland – auf „Rx-Präparate“ keinen Bonus mehr anbieten. Der Verkauf von „Rx-Präparaten“ – etwa von Cholesterinsenkern – ist für Docmorris wichtig, 2017 machte es knapp zwei Drittel seiner Umsätze damit. Die Rezeptboni sind laut dem EuGH aber nötig, um den Wettbewerbsnachteil – die Distanz zum Kunden – ausgleichen zu können im Vergleich zur stationären Konkurrenz. Mit der Gesetzesänderung wolle das Bundesgesundheitsministerium eine „Schutzmauer“ für deutsche Apotheker bauen, die mehr Wettbewerb behindern würde, sagt Heinrich.

          Heinrich bleibt optimistisch

          Ungeachtet des Ärgers über das Gesetzesvorhaben bewertet der Manager die Aussichten positiv. Docmorris wird zwar auch künftig keine eigenen Apotheken betreiben in Deutschland – dies ist nur Pharmazeuten möglich und keinen Kapitalgesellschaften. Das niederländische Unternehmen peilt aber eine enge Kooperation mit lokalen Apothekern an. Hier würde Docmorris eine Internet-Plattform anbieten, auf der ortsansässigen Apotheker eigene Angebote einstellen könnten.

          Nach Ansicht von Heinrich müssten Online-Handel und stationäre Pharmazeuten enger vernetzt sein. So sollten Patienten Medikamente künftig online bestellen und dann festlegen können, in welcher stationären Apotheke sie das Präparat noch am selben Tag mitnehmen oder ob sie es über den Versandweg beziehen wollen. Zudem könnte so eine Plattform Apothekern mehr Daten als bisher liefern.

          Docmorris ist für viele Apotheker ein rotes Tuch. Sie sehen die Arbeit des Online-Konkurrenten sehr kritisch. Auf die Frage, ob in der deutschen Apothekerschaft sich überhaupt Partner melden würden für die Kooperation, sagte Heinrich: „Die Bereitschaft ist da. Der Branche ist klar, dass sie im Zuge der Digitalisierung und veränderter Kundengewohnheiten vor großen Herausforderungen steht.“

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