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Corona-Pandemie : dm stellt sich auf verändertes Einkaufsverhalten ein

DM-Filiale in Stuttgart Bild: dpa

Der Drogeriemarkt will auch in Zukunft nicht den Gewinn über alles stellen. Der dm-Chef erklärt, wie er den Veränderungen im Konsumverhalten begegnen will – und rechtfertigt das Angebot von Corona-Antikörpertests.

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          Der Drogeriemarktriese dm stellt sich auf ein verändertes Einkaufsverhalten seiner Kunden ein. dm wolle angesichts von Corona und den anhaltenden Veränderungen der Digitalisierung „antifragiler“ werden, sagte Christoph Werner. Den Begriff aus der Wissenschaft will der neue Unternehmenschef und Sohn des Gründers Götz Werner zum festen Bestandteil der Strategie machen.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Es gehe ihm darum, nicht nur durchzuhalten, sondern das „Gewordene hinterfragen, es umdenken“, so dass etwas Neues entstehen und in die bestehenden Prozesse integriert werden können, sagte er. Werner setzt damit die ungewöhnliche, an der Anthroposophie angelehnte Herangehensweise seines Vaters fort. Die Drogeriemarkt-Pioniere aus Karlsruhe versuchen nach eigenem Bekunden nicht möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften, sondern möglichst viele Kunden „glücklich zu machen“, wie Werners Vorgänger Erich Harsch es einst formulierte.

          Die andere Sicht der Dinge ändert freilich nichts am wirtschaftlichen Druck. Das Einkaufsverhalten habe sich in der Krise geändert, sagte Werner. Nach seinen Worten kaufen die Menschen jetzt seltener ein, dafür mehr auf einmal. Sie nutzten häufiger Online-Möglichkeiten. Und sie kauften weniger in Innenstadtmärkten ein, dafür in Märkten außerhalb. Ob diese Entwicklung dazu führt, dass sich auch dm mit seinen mittlerweile 2024 Märkten in Deutschland aus den Innenstädten schrittweise zurückzieht, ließ Werner offen.

          Christoph Werner, Geschäftsführer der Drogeriekette dm
          Christoph Werner, Geschäftsführer der Drogeriekette dm : Bild: Patrick Junker

          Dazu sei es noch zu früh, aber am Ende müsse ein Händler dort sein, wo auch die Kunden seien. Im gerade begonnen neuen Geschäftsjahr wolle das Unternehmen jedenfalls netto noch mehr neue Geschäfte in Deutschland eröffnen als die 27 im  Vorjahr. Auf die Umbrüche und den Lockdown habe dm mit einem verbesserten Logistikkonzept und einem pandemiegerechten Umbau der Läden reagiert.

          Auch das Sortiment habe man angepasst

          Kunden könnten zudem Produkte online bestellen und diese dann im Markt abholen – künftig schon nach drei statt sechs Stunden. Auch das Sortiment habe man angepasst, sagte Werner: eine breite Auswahl an Desinfektionsmitteln bereitgestellt, unterschiedliche Masken und die nicht immer einfache Bevorratung von platzraubendem Toilettenpapier optimiert. Seit Oktober biete das Unternehmen im Online-Shop auch einen Test auf Corona-Antikörper an. Die Kritik aus der Politik daran und die Debatten über die Sinnhaftigkeit und Zuverlässigkeit der Tests kommentierte Werner zurückhaltend.

          Der Test sei in Deutschland zugelassen und könne für mehr Sicherheit unter den Menschen sorgen, sagte er. Dass baden-württembergische Behörden nun nochmals Informationen zu dem Test angefordert hätten, wertete Werner als normalen Vorgang. Geht es nach ihm, bleibt der Test im Angebot. Im Geschäftsjahr 2019/20 ist dm weiter gewachsen, wenn auch langsamer als im Vorjahr. Den Umsatzzuwachs bezifferte Werner mit  2,9 Prozent auf 11,52 Milliarden Euro. Im Jahr davor schlug ein Plus von 4,6 Prozent zu Buche. 

          Angaben zum Gewinn macht das Unternehmen nicht. In Summe ist die Zahl der Märkte um rund 100 auf 3765 gestiegen. Der Konzern beschäftigt fast 63.000 Mitarbeiter – davon gut 40.000 in Deutschland.

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