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dm-Chef Harsch im Interview : „Bis zu 40 Prozent billiger als die Apotheke“

  • Aktualisiert am

dm-Chef Harsch kritisiert die neue schwarz-gelbe Koalition Bild:

Der Chef der Drogeriemarktkette dm, Erich Harsch, kritisiert mit Interview mit der F.A.S., dass die neue schwarz-gelbe Koalition die traditionellen Apotheken stärken und Abholstellen für Medikamente in Drogerien verbieten will. dm werde die Arznei-Abholstellen nicht schließen.

          Der Chef der Drogeriemarktkette dm, Harsch, kritisiert mit Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass die neue schwarz-gelbe Koalition die traditionellen Apotheken stärken und Abholstellen für Medikamente in Drogerien verbieten will. Die Arznei-Abholstellen werde dm nicht schließen.

          Herr Harsch, dm hat einst mit günstigen Preisen den kleinen Drogerien den Garaus gemacht. Jetzt lassen Sie die Apotheker zittern, weil Sie seit einiger Zeit auch Apotheke sind . . .

          . . . Das stimmt so nicht! Wir sind keine Apotheke, sondern wir bieten den Kunden einen Service an: Sie reichen bei uns ihr Rezept ein und können später die entsprechenden Medikamente bei uns abholen. Geschäftspartner sind aber nicht wir, sondern die Europa Apotheek Venlo. Die Kunden zahlen direkt an die Europa Apotheek, nicht bei uns an der Kasse.

          Auch im nächsten Jahr will dm wieder 100 neue Filialen eröffnen

          Medikamente verkaufen dürften Sie auch gar nicht.

          Und das wollen wir auch nicht. Wir verstehen das als einen Service in unserem Gesundheitsangebot, das für uns sehr wichtig ist. Wir wollten nie Apotheke sein.

          Nein? Dabei ist das Geschäft sehr lukrativ.

          Wir haben natürlich Verträge gemacht, die zumindest den Gegenwert haben, dass für uns kein Verlust entsteht. Aber das ist für uns kein Geschäft zur Gewinnmaximierung.

          Wie viel billiger ist es, bei Ihnen Medikamente zu bestellen anstatt in der Apotheke?

          Das bewegt sich in Größenordnungen bis zu 40 Prozent.

          Kein Wunder, dass die Apotheker über Einbußen klagen!

          Na ja, pro Filiale sind es höchstens ein paar Päckchen pro Tag, die wir herausgeben. Die Entwicklung ist nicht so, dass der Apotheker nebenan Angst haben muss.

          Die Apotheker sehen das offenbar anders. Jetzt ist die schwarz-gelbe Koalition eingeknickt und will Ihre Abholstellen sogar verbieten.

          Es ist schon erstaunlich, dass gerade Menschen mit einer liberalen Grundhaltung hier eine einzelne Branche vor Wettbewerb beschützen. Da ist ein Lobbyismus aktiv, der sich entlarven wird. Wenn jeder Verbraucher zu Hause im Internet Medikamente bestellen kann, wieso sollte er das nicht auch bei uns tun können?

          Sie stellen Ihren Service also nicht ein?

          Nein, das haben wir überhaupt nicht vor.

          dm ist ein Discounter, gilt aber zugleich als Mitarbeiterparadies. Wie passt das zusammen?

          dm hat genauso angefangen wie alle anderen. Wir waren streng hierarchisch organisiert und hatten für alles eine Vorschrift. Aber Ende der achtziger Jahre haben wir angefangen, neu zu denken.

          Sie bieten jetzt zum Beispiel Theaterworkshops für die Mitarbeiter an. Was soll das dem Unternehmen bringen?

          Ganz einfach. Wenn die Menschen sich weiterentwickeln, entwickelt sich das Unternehmen weiter. Wir wollen den Menschen in den Mittelpunkt stellen und so sein Potential ausschöpfen.

          Entschuldigen Sie, aber das klingt fast schon esoterisch und erinnert daran, dass dm der Anthroposophie nahesteht.

          Wir nehmen diese Weltanschauung zu Hilfe, aber wir sind kein dezidiert anthroposophisches Unternehmen.

          Was ist anthroposophisch an dm?

          Zum Beispiel unsere Architektur: Die Gebäude sind bunt und nicht rechtwinklig. Menschen, die bei uns gestalterisch tätig sind, haben oft einen anthroposophischen Hintergrund. Auch wenn wir Berater haben, kommen diese oft aus der Anthroposophie.

          Nervt es Sie nicht manchmal selbst, dass dm als Hort der Gutmenschen gilt?

          Ja. Das klingt träumerisch, easy-going – und nichts ist falscher als das. Wir sind als Unternehmen nicht darauf ausgerichtet, dass Anweisungen befolgt werden. Das ist nicht kuschelig, sondern unbequem. Es ist einfach zu sagen: Machen Sie das so, basta. Aber wenn man sich immer auseinandersetzt und am Ende aus eigener Einsicht heraus handeln soll, dann ist das schwieriger. Denn dann muss man ja denken und mit Menschen diskutieren. Es ist ziemlich anstrengend, hier zu arbeiten.

          Wie geht das konkret, dass die Mitarbeiter mitentscheiden? Muss man sich das so vorstellen, dass in der Filiale alle gemeinsam das Sortiment aussuchen?

          Mit dem Sortiment ist es schwierig. Aber beim Mitarbeitereinsatzplan ist es so, dass jeder selbst eintragen kann, wann er arbeiten möchte.

          Oje!

          Natürlich gibt es die Situation, dass Samstagnachmittag, wenn fünf Leute notwendig wären, nur drei eingetragen sind, während am Freitag zu viele arbeiten wollen. Dann müssen die Kollegen miteinander ins Gespräch kommen, und es findet ein gemeinsamer Bewusstseinsprozess statt.

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