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dm-Chef Harsch im Interview : „Bis zu 40 Prozent billiger als die Apotheke“

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Ein gemeinsamer Bewusstseinsprozess? Das heißt, dass am Schluss der Filialleiter entscheidet.

Nur im Notfall. Am liebsten nicht.

Wird das nicht ausgenutzt? Ein paar Mitarbeiter machen sich einen lauen Lenz, während die anderen für sie mitschuften?

Das ist die Gefahr, natürlich. Aber das betrifft ja nur einen kleinen Teil der Mitarbeiter. Ist es nicht besser, 90 Prozent sind zufrieden und arbeiten deshalb besser und zehn Prozent machen sich einen lauen Lenz, als dass man wegen der faulen zehn Prozent alle Mitarbeiter bevormundet?

Noch etwas ist anders bei dm. Sie zahlen allen Mitarbeitern den gleichen Bonus, egal ob Filialleiter oder Kassierer.

Einspruch! Boni gibt es bei uns nicht. Aber wenn wir mehr erwirtschaften, als wir erwartet haben, dann beteiligen wir die Mitarbeiter daran. So haben wir vor wenigen Wochen entschieden, in diesem Geschäftsjahr 3,5 Millionen Euro an unsere Mitarbeiter in Form von Warengutscheinen auszuschütten.

Da bekommt jeder das Gleiche?

Der Arbeitsanteil wird schon gewürdigt. Aber ein Vollzeit-Filialleiter bekommt das Gleiche wie ein Vollzeit-Kassierer.

Und Sie selbst haben auch Einkaufsgutscheine bekommen?

Nein, ich nicht.

Aber auf der Führungsebene gibt es andere Anreizsysteme?

Nein, ich habe keinen einzigen Euro variablen Gehaltsbestandteil.

Wie bitte?

Das ist eine Frage des Menschenbildes. Glaubt man daran, dass die Menschen gestalten wollen? Oder glaubt man daran, dass sie nur hüpfen, wenn sie eine Wurst vor die Nase gehalten bekommen?

Was spricht dagegen, der Motivation ein bisschen nachzuhelfen?

Man korrumpiert damit den Menschen. Suche nach Belohnung ist das Denkmuster, das man damit fabriziert, anstelle von Suche nach dem Kunden oder der Sache.

Und was macht man dann mit einem guten Mitarbeiter? Den will man doch belohnen!

Anerkennung spielt eine wichtige Rolle. Es geht um Aufgaben, die man zugeteilt bekommt, und Verantwortung, die einem übergeben wird. Auch das Einkommen an sich hängt natürlich von der Leistung ab, die jemand erbringt.

Dann bekommen Sie zwar keinen Bonus, verdienen stattdessen aber ein gutes Festgehalt?

Die Führungskräfte verdienen bei uns angemessen, aber nicht spitze, das gilt auch für mich. Dafür bekommen die Filial-Mitarbeiter mindestens Tariflohn, und die meisten verdienen eher überdurchschnittlich.

Ihr Konkurrent Schlecker fährt eher das gegenteilige Konzept – und liegt im Umsatz immer noch vor Ihnen. Hat er das bessere Geschäftsmodell?

Nein, wir haben ihn im Umsatz längst überholt, was die Drogerieprodukte angeht.

Aber im Gesamtumsatz liegt Schlecker vorne.

Ja, das liegt daran, dass Schlecker viele sehr kleine Filialen hat an Standorten, wo keine anderen Geschäfte sind, und dort eine Art Tante-Emma-Funktion übernommen hat. Er verkauft dort viel mehr Lebensmittel bis hin zu Alkohol und Zigaretten, die einen erheblichen Umsatzanteil ausmachen.

Zigaretten gibt es bei dm nicht?

Weder Zigaretten noch Alkohol, es sei denn, man zählt Klosterfrau Melissengeist dazu. Im drogistischen Bereich haben wir tatsächlich einen fast doppelt so hohen Marktanteil wie Schlecker mit unseren 1100 Filialen versus an die 10 000, die Schlecker hat.

Was macht Schlecker falsch?

Schlecker hat immer nur Kostenmanagement betrieben. Wenn man immer nur spart und auf die Effizienz schaut, wird man irgendwann ineffizient, weil man nicht mehr modern ist. Und irgendwann kann man auch nicht mehr sparen. Die Schlecker-Läden sind so klein, so voll mit Waren, haben so wenig Personal – weniger geht nicht.

Ihr Gewinn ließ aber zuletzt auch zu wünschen übrig. 2008 rutschte die Umsatzrendite auf 1,6 Prozent nach mehr als zwei Prozent 2007.

Gewinn ist notwendig, aber nicht unser Ziel. Wenn wir ein Prozent Umsatzrendite haben, dann ist das okay. Wenn es viel mehr ist, dann müssen wir uns fragen, ob wir vergessen haben, in die Zukunft zu investieren.

Was planen Sie für die Zukunft?

Wir haben im vergangenen Geschäftsjahr in Deutschland rund 100 Filialen dazubekommen. Und wir denken, dass das im nächsten Jahr genauso weitergeht – in Deutschland und im Rest von Europa. Wir gehen davon aus, dass wir im Umsatz um mindestens 8,5 Prozent wachsen.

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