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Mickey meets Marvel : Disney schluckt Murdochs Fox-Studios

Bald ein Disney-Film? In diesem Jahr brachte Fox unter anderem das Drama „Zwischen zwei Leben“ mit Kate Winslet und Idris Elba in die Kinos. Bild: 20th Century Fox

Der Walt-Disney-Konzern bietet offenbar eine gigantische Summe für das Unterhaltungsunternehmen 21st Century Fox. Wie Disney so Netflix angreifen und gleichzeitig Apple, Google und Co. abwehren will.

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          Der Walt-Disney-Konzern macht Ernst mit der Übernahme großer Teile des Medienimperiums von Fox. Disney will verschiedenen Medienberichten zufolge Rubert Murdochs Unterhaltungssparte 21st Century Fox für 60 Milliarden Dollar in Aktien schlucken. Donnerstag soll das Geschäft offiziell bekannt gemacht werden. Disney stellt sich mit dem Kauf auf den veränderten Fernsehkonsum ein. Bisher werden die meisten Haushalte noch über Kabel oder Satellitenschüssel mit den vorgefertigten Programmen der Sender versorgt. Doch immer mehr Leute laden Filme und andere Sendungen übers Internet auf den Fernseher oder den Computer, von Anbietern wie Netflix oder Hulu.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Disney würde außer den Hollywoodstudios von 20th Century Fox auch regionale Sportsender, einen Anteil am Streamingdienst Hulu, die Mediengruppe National Geographic sowie Anteile an Sky in Großbritannien und Star in Indien übernehmen. Für Rupert Murdochs Medienkonzern bliebe der Nachrichtenkanal Fox News, ein landesweiter Sportkanal und lokale Fernsehsender. Murdochs Zeitungsimperium News Corp wäre von der Übernahme nicht unmittelbar betroffen, könnte aber Spekulationen zufolge mit Fox News zusammengeführt werden. Zu News Corp gehören Dow Jones und die Zeitung „Wall Street Journal“.

          Zwei Faktoren machen das Geschäft offenbar reizvoll für Disney: Der Konzern bekommt mit Hulu die Mehrheit am erfolgreichen Streamingdienst und erhält Zugriff auf die Filmbibliothek von 20th Century mit Filmen wie der X-Men-Reihe, den TV-Produktionen The Simpsons oder The Americans und einigen Lizenzen aus dem Marvel-Universum. Der einstige Comic-Verlag liefert mit seinen Superhelden-Stoffen die Vorlagen für einige der größten Kinoerfolge. Bevor Marvel von Disney einverleibt wurde, hatte das Unternehmen einige Superhelden auslizenziert. Schon jetzt gehören neben den Disney-Studios noch Pixar und Lucasfilm einschließlich der Star-Wars-Reihe zum Disney-Imperium.

          Netflix verliert Zugriff auf Disney-Bibliothek

          Disneys erklärte Absicht ist es, im Frühjahr im Sport mit dem eigenen Streamingservice ESPN Plus zu starten, später einen weiteren Dienst für jüngere Leute anzubieten und schließlich mit Hulu das etwas ältere Publikum zu erschließen. An Hulu hätte Disney nach dem Deal einen Anteil von 60 Prozent.

          Mit dem Plan will Disney den Silicon-Valley-Konzernen Amazon, Google und Apple davoneilen, die selbst in der Filmunterhaltung aktiv sind und vor allem junges Publikum gewonnen haben – mit Videoplattformen wie Twitch. Erstes Opfer der Disney-Strategie ist der Streamingdienst Netflix, der in den Vereinigten Staaten den Zugriff auf die Disney-Bibliothek verloren hat, im Ausland allerdings noch über Lizenzen verfügt. Nicht ohne Grund unternimmt Netflix gewaltige Anstrengungen, mit Eigenproduktionen die Abonnenten bei der Stange zu halten. Im kommenden Jahr will das Unternehmen 7 Milliarden Dollar in eigene Filmproduktionen investieren.

          Es ist noch nicht klar, ob die Kartellwächter den Zusammenschluss in der geplanten Form erlauben. Fox und Disney haben zusammen im vergangenen Jahr rund 40 Prozent aller Kinotickets in den Vereinigten Staaten verkauft, allerdings mit sehr unterschiedlichen Angeboten. Schwierigkeiten könnte auch die starke Position des Sportsenders ESPN bereiten. Die Kartellwächter schauen kritisch auf die Entwicklung des Medienmarktes. Aktuell gehen sie gegen eine Übernahme von Time Warner durch AT&T vor.

          Spekuliert wird, dass 21st-Century-Fox-Chef James Murdoch, Sohn des Fox-Konzerngründers Rubert Murdoch, zu Disney wechseln könnte, um dort mittelfristig Nachfolger des Chefs Bob Iger zu werden. Die Aktienkurse von Fox und Walt Disney stiegen jeweils, seit sich die Meldungen einer Übernahme konkretisierten.

          WALT DISNEY

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